Aachen: Büchel: Kräftiger Krach noch vor der Entscheidung

Aachen : Büchel: Kräftiger Krach noch vor der Entscheidung

Zuerst passierte lange Zeit gar nichts, jetzt soll es schnell gehen. Sehr schnell. Am Donnerstag soll der Planungsausschuss den städtebaulichen Wettbewerb für das „Altstadtquartier Büchel“ — bisher meist Nikolausviertel genannt — auf den Weg bringen.

Kommende Woche soll der Wettbewerb dann auch schon starten. Eine Bürgerinformation gibt es dann obendrein. Doch vor der donnerstäglichen Sitzung gibt es hinter den Kulissen kräftigen Krach. Dabei geht es erstens um einige Inhalte des 23 Seiten umfassenden Auslobungstextes für den Wettbewerb, an dem im ersten Schritt 20 Expertenbüros für Stadtplanung und Architektur teilnehmen sollen. Zweitens geht es um eine Personalie, denn Norbert Hermanns — neben Gerd Sauren einer der beiden Investoren, die die Zukunft des insgesamt fast 30.000 Quadratmeter großen Quartiers maßgeblich gestalten (und finanzieren) wollen — sähe gerne einen neuen Fachmann für die Jury nominiert.

Zuerst zu letzterem Punkt. Längst öffentlich benannt für die Jury ist unter anderem der niederländische Stadtplaner und Architekt Henk Döll. Hermanns schwebt vor, dass dort Professor Fritz Neumeyer von der TU Berlin sitzen soll. Dieser habe sich bereits eingehend mit dem Thema befasst und sei ein exzellenter Fachmann für solche innerstädtischen Areale, so Hermanns am Dienstag auf Anfrage. Er selbst habe den Experten bei einem Vortrag in Aachen erlebt. „Das war schwer beeindruckend“ so der Investor. Und schließlich gehe es hier nicht um irgendein Wohngebiet. Neumeyer sei vielen Seiten für die Jury genannt worden, dann aber wohl von der Verwaltung vergessen worden.

Warum er selbst den Professor nicht auf sein Juryticket nominiert hat, beantwortet Hermanns so: „Wir haben ja nur einen Sitz in der Jury.“ Und dafür haben die Investoren den früheren Aachener Chef des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW, Harald K. Lange, benannt. In der Politik kreisen einige — ob Ratsmehrheit oder Opposition — ob dieses Ansinnens unter der Lampe. Als „Unverschämtheit“ wird der Vorstoß eingestuft. „Dann würde doch demnächst kein einziger renommierter Juror mehr zu uns kommen“, ärgert sich ein Ratsherr aus der schwarz-roten Mehrheit. Den Unmut zieht dabei aber auch die Verwaltung auf sich, die das Thema kurzfristig noch in den nicht-öffentlichen Teil des Planungsausschusses — also nach der eigentlichen Entscheidung — bringen will. Sie bringt gar eine weitere Variante ein: Einen Stuttgarter Experten als Kompromiss. Eine Änderung in der Jury wird es den Aussagen der Politik nach jedoch gar nicht geben.

Hotel und Bordell Knackpunkte

Änderungen soll es aber sehr wohl im Auslobungstext für den Wettbewerb noch geben. Denn da stehen Dinge drin, die „so niemals politisch beschlossen und so auch nicht gewollt sind“, sagt ein Ratsherr der Opposition. Da gibt es gar Mutmaßungen, dass die Verwaltung hier über die Köpfe der Politik hinweg in einigen Bereichen den Wünschen der Investoren noch vor Wettbewerbsbeginn entgegengekommen ist. Zu diesen Punkten gehört beispielsweise ein Hotel mit 200 bis 250 Betten. Von einer solchen Größenordnung sei in all den Jahren zuvor nie die Rede gewesen.

Kritik gibt es aber auch an der Passage, die sich um den Bordellbetrieb im Quartier dreht. So soll statt der bisher vielen kleinen Betriebe ein großer in einem sogenannten „Laufhaus“ als Arbeitsplatz für rund 120 Prostituierte etabliert werden. Das Haus soll laut Auslobung so konzipiert sein, dass „eine spätere Umnutzung (z.B. zu Wohnzwecken) möglich ist“, wie es dort wörtlich heißt. Darin sehen Politiker eine Hintertür, das Rotlichtmilieu doch noch aus der Innenstadt verbannen zu wollen. Das hat Investor Norbert Hermanns im Sinne der weiteren Entwicklung des Viertels stets als sinnvoll erklärt. Doch der weit überwiegende Teil des Rates will das eben keinesfalls.

Und so holpert es beim Thema Büchel und Umgebung mal wieder. Angesichts der wechselvollen Geschichte gerade des 9000 Quadratmeter großen Parkhausgrundstücks mit hochfliegenden Plänen, die jedes Mal im Schredder landeten, wäre alles andere auch nahezu sensationell gewesen.