Aachen: Büchel: Kann es ein Moderator richten?

Aachen : Büchel: Kann es ein Moderator richten?

Nach Jahren scheinen die handelnden Personen in dem höchst unerfreulichen Drama „Neubau und Sanierung des Altstadtquartiers Büchel“ eines bemerkt zu haben: Es sind städtebaulich ganz, ganz dicke Bretter, die es zwischen Nikolaus- und Mefferdatisstraße, zwischen Bahkauv und Aphroditegrill zu bohren gilt.

Und da für diese dicken Bretter bislang offenbar noch kein passender Bohrer gefunden wurde, fürchten die Fachpolitiker inzwischen, dass weitere acht bis zehn Jahre vergehen könnten, bis die ersten Bagger am Büchel anrücken.

Doch mit der realen Tristesse müssen die Aachener noch lange leben. Foto: Hermann

Das ist ein langer Zeitraum. Die Gründe dafür müsse man nach dem jahrelangen Hin und Her den Bürgern offen erklären und plausibel machen, erklärte CDU-Ratsfrau Gaby Breuer als Fazit am Donnerstag im Planungsausschuss.

Die Politiker zeigten sich zuvor eher besorgt als tatkräftig und optimistisch. In der Sitzung wurden unter anderem die Ergebnisse des „Büchel-Gipfels“ beraten, zu dem am Tag zuvor Fachleute der Verwaltung, Politiker und Investoren zusammengekommen sind.

Dabei wurde klar: Es ist wenig Konkretes herausgekommen. Dennoch sind sich die Protagonisten übergreifend einig, dass nach wie vor der Entwurf des Planungsbüros Chapman-Taylor bei der Neuentwicklung des Altstadtquartiers umgesetzt werden soll. Von grundlegendem Streit oder unüberbrückbaren Interessenkonflikten sei da keine Rede.

Der Wille ist da

Sowohl der Leiter des Fachbereichs Planung, Niels-Christian Schaffert, als auch die Sprecher der Fraktionen Alexander Gilson (CDU), Norbert Plum (SPD), Michael Rau (Grüne) oder der Linke Marc Beus bekräftigten, dass nach wie vor „der gemeinsame Wille“ bestehe, den überaus hoch gelobten Entwurf umzusetzen. Nur das Zeitfenster und die damit einhergehenden Folgeprobleme wie der hohe Leerstand und der innerstädtische Niedergang des Viertels bereiten erhebliches Kopfzerbrechen.

Jene gefundene Grundlinie bestätigten auch die beiden Hauptinvestoren des Büchel-Projektes, Norbert Hermanns und Gerd Sauren, gegenüber unserer Zeitung. „Es war ein gutes Gespräch, ich habe viel Goodwill gespürt, auf allen Seiten“, berichtete Hermanns. Man müsse auch sehen: „Diese Altstadtsanierung ist momentan das größte Projekt seiner Art in Deutschland.“ Sie sei anspruchsvoller als „die Sanierung der Frankfurter Innenstadt“, ordnete Hermanns das Vorhaben ein.

Auch Gerd Sauern bekräftigte, dass man gemeinsam an Lösungen arbeite. „Wir arbeiten hier nicht gegeneinander, das wäre ein völlig falscher Eindruck“, sagte er am Freitag.

Die Investoren haben sich mit der Stadt auf einen Katalog geeinigt, den man Punkt für Punkt abarbeiten wird. Elf Punkte sind es insgesamt. Worum es inhaltlich genau geht, darüber bewahrt man allerdings Stillschweigen.

Für den planungspolitischen Sprecher der SPD, Norbert Plum, ist die am Donnerstag von der Linkspartei durch Marc Beus wieder ins Gespräch gebrachte Idee, für das außerordentlich schwierige Büchel-Projekt einen externen „Moderator“ zu suchen, durchaus eine Option. „Wir haben vielleicht die Komplexität des Vorhabens unterschätzt, möglicherweise auch die Verwaltung“, gestand Plum ein.

„Vielleicht hilft hier ein Projektmanager“, meint auch Plum. Diese Stelle müsse man allerdings ausschreiben. Solch eine Kraft könne aber wieder Schwung in das Projekt bringen.

In der CDU ist diese Idee nicht unumstritten. So setzt sich der für die Innenstadt zuständige Ratsherr Ernst-Rudolf Kühn eher für eine „innere“ Lösung ein, findet die Idee des Projektmanagers jedoch gleichfalls gut. „Man könnte die Sache auf Dezernenten-Ebene oder als Stabsstelle beim Oberbürgermeister ansiedeln“, meint Kühn.

Streitfall Parkhaus

Für ihn tun sich im Übrigen neue Parkprobleme auf: „Wenn das Rathausparkhaus 2019 saniert wird, dann brauchen wir das Büchelparkhaus mindestens bis Ende 2019“, meint er. Sicher ist aber dann: Der völlig marode Bau, der seit einem Jahrzehnt ausgedient haben sollte, müsse zwischensaniert werden.

Das alte Parkhaus ist für Norbert Plum hingegen ein Fall für den Luftreinhalteplan: „Wir sollten prüfen, ob im Rahmen eines neuen Luftreinhalteplans für die Innenstadt das Parkhaus einfach geschlossen werden muss“, überlegte der SPD-Mann.

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