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Aachen: Budenzauber zieht die Massen magisch an

Aachen : Budenzauber zieht die Massen magisch an

Kurz vor dem Heiligen Abend werden nochmal alle Register gezogen. „Last Christmas“ wird zum gefühlten 245. Mal aufgedreht und die Buden auf dem Weihnachtsmarkt locken die Besucher mit dem Duft von frischem Reibekuchen und Glühwein an.

Alles fiebert dem großen Fest entgegen und somit auch dem Abschluss eines — aus Sicht der Einzelhändler — guten Weihnachtsgeschäftes. Dabei war dieses Jahr vor allem das Wetter ein Faktor, der für gute (Kauf)-Laune sorgte. Von einer schneebedeckten Kaiserstadt war zwar nichts zu sehen, aber die zuweilen milden Temperaturen sorgten für Regenschirm-freies Getümmel in der Innenstadt. Nur der Verkauf von Winterartikeln war da ab und an etwas schleppend, wie Barbara Mommertz erzählt. Seit 18 Jahren verkauft sie Schals, Mützen und Handschuhe für die Kleinen. Aber trotz der schneefreien Stadt blickt sie auf ein positives Weihnachtsgeschäft zurück: „Es lief etwas besser als voriges Jahr. Die Stimmung bei den Besuchern war gut, und das Wetter war natürlich optimal. Mir ist aufgefallen, dass die Preise dieses Mal kaum ein Problem waren. Es wurde viel gekauft.“

Blechlawine: Vor den Parkhäusern stauten sich, wie hier am Büchel, die Autos auf der Suche nach Parkplätzen — eine Geduldsprobe für viele.

Ein ähnliches Bild scheint sich auch bei den anderen Budenbesitzer abzuzeichnen. Gegen Mittag füllt es sich rund um Dom und Markt rasant. Nur die roten Weihnachtsmützen mit blinkenden Sternen sind kaum noch zu finden. Der Trend geht eher zur schlichten Zurückhaltung ohne großartiges „Bling-Bling“. Richtung Münsterplatz dominieren vor allem die vielen Glühwein- und Ess-Buden das Bild. Mittendrin liegt die „Hexenhof-Alm“, wo Besitzer und Veranstaltungsleiter des Weihnachtsmarktes, Alwin Fiebus, ebenfalls sehr zufrieden auf die vergangenen Wochen zurückblickt: „Auch wenn der Schnee fehlt, so war das Wetter fürs Geschäft optimal. In der ersten Woche hatten wir weniger Touristen, dafür umso mehr Aachener. Aber generell waren die Besucherzahlen kontinuierlich gut.“ 320 Öffnungsstunden des Hexenhofs, das bedeutete ungezählte Becher Glühwein und Eierpunsch, die über die Theke gingen. Reibekuchen, Wurst und eben der warme Traubensaft seien die Dauerbrenner auf dem Weihnachtsmarkt, ergänzt Fiebus.

Weihnachtsmarkt-Organisator Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City (MAC), freut sich über die Scharen der Besucher: „Der Weihnachtsmarkt ist und bleibt als überregionales Veranstaltungs- und Ausflugsziel sehr attraktiv“, resümiert er. Dies belege auch die Zählung der Reisebusse auf dem Bendplatz. Nach 1805 Bussen mit rund 78 000 Fahrgästen 2013 habe man dieses Jahr bis zum gestrigen Sonntagmittag schon 1871 Busse mit etwa 82 800 Gästen registriert. „Erfreulich ist, dass neben inländischen Gästen auch wieder deutlich mehr Engländer und Franzosen nach Aachen kommen“, sagt Piana. Zuweilen sorgte der Ansturm für ziemliches Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt. Trotzdem habe sich das Sicherheitskonzept bewährt, zumal die Gassen zwischen den Holzbuden breiter als in den Vorjahren waren. „Als richtig und gut hat sich die sogenannte Einbahn-Regelung erwiesen, bei der die Besucherströme vor allem an besucherstarken Tagen an neuralgischen Stellen in eine Richtung gelenkt wurden“, erklärt der MAC-Chef. Vier Mal habe man diese Regelung realisiert, um zu großes Gedränge zu vermeiden und einen stressfreien Rundlauf zu ermöglichen, erläutert Piana. Im kommenden Jahr, wenn die Bauzäune rund um den Marienturm verschwunden sind, werde sich die Platzsituation weiter entspannen, blickt der Organisator in die Zukunft.

Fernab der Leckereien, aber auch ein typisches Bild zur Weihnachtszeit, sind die vollen Parkhäuser. Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski freut sich vor allem, dass die „Park & Ride“ Plätze am Tivoli von den Besuchern nun besser angenommen wurden. Von dort aus können fünf Personen mit ihrem Parkticket kostenlos mit dem Bus in die Innenstadt fahren.

Offenbar ziehen viele Kunden einen Weihnachtsbummel in der City dem Mausklick am heimischen Computer vor. Entgegen der allgemeinen Befürchtungen schätze der Kunde dieses Jahr die persönliche Beratung in den Geschäften wieder mehr, stellt Marc Lorenz fest, Geschäftsführer des Fotohauses Preim: „Mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes wird unser Haus viel frequentiert. Die Kunden kaufen qualitativ hochwertige Sachen und schätzen die Fachberatung wieder mehr. Wir können sagen, dass unser Verkauf gleichbleibend zum letzten Jahr ist, was in Anbetracht der starken Onlineverkäufe ein wirklich gutes Zeichen ist.“

Viel Zeit haben die Einzelhändler an dem Samstag vor dem vierten Advent alle nicht. Es geht mit aller Kraft in den Endspurt. Bis 2014 wieder das Lied ertönt: „Last Christmas...“