Aachen: Buch zum Aachener Zoo: Tierisches Stück Öcher Geschichte

Aachen: Buch zum Aachener Zoo: Tierisches Stück Öcher Geschichte

Dr. Manfred Fuchs führte sich selbst ein wenig ad absurdum: „Ich habe eigentlich nicht viel zu sagen“, eröffnete der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Tierpark AG die Vorstellung der Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Tierparks. Um in den folgenden Minuten eingehend an viele kleine und große Geschichten rund um dieses Kleinod zu erinnern.

Beispielsweise an die zahlreichen Vorläufer des Tierparks in der Stadtgeschichte, beginnend bei Karl dem Großen, in dessen „Hofzoo“ neben einer ganzen Anzahl wilder Tiere auch der berühmte weiße Elefant lebte. Gefolgt vom nächsten Versuch, ab 1882 einen Zoo im Westpark zu etablieren, der aber bereits 1905 aus finanziellen Gründen beendet wurde. 1935 wurde der Westpark als Tierpark wiederbelebt, was aber im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges im Mai 1944 ein blutiges Ende fand. Soweit die Historie.

Die Gegenwart leuchtet in hellen Farben. Das liegt nicht nur am „Schnullerbaum“, der neben dem Ponyhof als Abnabelungshilfe für geplagte Eltern installiert wurde. Tierparkchef Wolfram Graf-Rudolf schilderte sein Prinzip so: „Das Gefüge von Mensch, Tier und Umwelt muss in Drimborn erhalten bleiben“. Er habe auch schon einmal von einem Giraffengehege geträumt, aber bei der Aufstellung der Folgekosten werde dann schnell klar, was machbar ist und was nicht.

Da sprach er ganz im Sinne seines Vorgängers und ehemaligen Chefs Franz Stettner, der als damaliger Bürgermeister und Landtagsabgeordneter ab 1977 gemeinsam mit Hannelore Hambach in leitender Position für die Verbindung zur Politik sorgte. Die politisch Verantwortlichen waren anfangs überhaupt nicht begeistert, dass sich eine Bürgerinitiative gegründet hatte mit dem Ziel, einen Tierpark zu eröffnen.

Unter Federführung von Hans Limberg, Vorsitzender des Ornithologischen Vereins Aachen sowie des Hauptschullehrers Wilhelm Coenen wurden die Stadtoberen aber davon überzeugt, anstelle des geplanten Schrebergartenvereins das Gelände im Drimborner Wäldchen für einen Tierpark zur Verfügung zu stellen.

Auf gerade einmal 5000 Quadratmetern tummelte sich nach der Eröffnung am 22. Oktober 1966 eine noch relativ überschaubare Anzahl an Tieren, ein Tierpfleger und ein Rentner an der Kasse stellten das Personal. Limberg fungierte bis 1975 als geschäftsführender Vorsitzender. Eintritt eine Mark, Kinder 50 Pfennig. Das war’s.

Doch in den Folgejahren wurde dank des großen Enthusiasmus‘ aller Beteiligten aus dem kleinen Streichelzoo mit 64.000 Gästen im ersten Jahr ein auch international renommierter Tierpark, den heute über 400.000 Menschen besuchen. Graf-Rudolf, anfangs noch Tierpfleger, übernahm nach dessen Ausscheiden im Jahre 2000 die Leitung.

Er ergriff bei der Präsentation des Geburtstagsbuches die Gelegenheit, neben den zahlreichen Spendern und Sponsoren ebenfalls seiner ganzen Mannschaft zu danken und ließ keinen Zweifel daran, dass die Mitarbeiter und er sich als Team verstehen, welches stolz darauf ist, ohne große städtische Zuschüsse seit 50 Jahren eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, deren Ende noch nicht absehbar scheint. Auch wenn in diesem Jahr Probleme wie die Umweltzone für eine Verringerung der Besucherzahlen sorgen sollten, bleibt die Begeisterung der Protagonisten in Drimborn ungebrochen.

Dies und vieles mehr können Interessierte nun in der Jubiläumsschrift nachlesen. Der langjährige Redakteur unserer Zeitung Manfred Kutsch hat als Autor tief im historischen Fundus gegraben und allerlei Unterhaltsames wie Trauriges, Erstaunliches und Bewundernswertes zu Tage gefördert.

Beeindruckende Bilder von Lutz Kupferschläger ergeben ein wunderbares kleines Buch, das für einen Preis von drei Euro ausgesprochen erschwinglich ist und so manche Wissenslücke nicht nur in Bezug auf den Tierpark Drimborn schließen dürfte. Eines wurde jedenfalls mehr als deutlich: Über den Aachener Tierpark gibt es jede Menge zu sagen.