Aachen: Buch vorgestellt: Die Geschichte der Stadt Aachen in 55 Objekten

Aachen: Buch vorgestellt: Die Geschichte der Stadt Aachen in 55 Objekten

5500 Jahre umfassen die 55 Objekte, die beispielhaft wichtige Stationen der Aachener Stadtgeschichte markieren. Eine Jury von Fachleuten hat unzählige Gegenstände aus der Sammlung Crous, aus Archiven, Museen, Kirchen und privaten Sammlungen gesichtet und eine Auswahl getroffen, die von einer prähistorischen Beilklinge bis hin zu einem gelbschwarzen Plakat „Tihange abschalten“ reicht, um die Geschichte Aachens zu erzählen.

Helmut A. Crous hat eine riesige Sammlung von Dokumenten und Raritären zur Stadtgeschichte zusammengetragen. Die Sammlung wird heute vom Aachener Karnevalsverein betreut und erweitert. Aus diesen Aktivitäten ist eine Buchreihe entstanden, deren fünfter Band sich auf unterhaltsame und überraschende Weise mit der langen Geschichte der Kaiserstadt befasst.

50 Autoren haben sich 55 Gegenstände vorgenommen und aus ihnen gelesen. Prof. Dr. Frank Pohle hat als Leiter des Centre Charlemagne das Werk jetzt im Forum S der Sparkasse vorgestellt. „Ein Objekt steht, liegt oder hängt herum und gibt keinen Ton von sich. Erst durch unsere Sichtung, Deutung und Würdigung wird es zum Türöffner unserer Geschichte“, sagte er.

Die Gegenstände stehen für sich. Verbunden bestenfalls durch die künstlerische Sicht von Andreas Herrmann, der die meisten Objekte fotografiert hat. Unter den Objekten finden sich die üblichen Verdächtigen, wenn es um Aachener Geschichte geht. So wie Barbarossaleuchter und Karlsthron im Dom. Es gibt auch echte Überraschungen, wie ein Notenblatt des ältesten deutschen Weihnachtsliedes, das in Aachen entstanden ist und seit über 600 Jahren zur Weihnacht im Dom erklingt. Oder wie eine Mustermappe der Aachener Nadelfabrik Schervier-Migeon aus dem 19\. Jahrhundert.

Alles öffentlich zugänglich

Alle vorgestellten Objekte sind öffentlich zugänglich. Meistens in Aachen selbst. Das am weitesten entfernte Teil hängt im Haus der Geschichte in Bonn. Es ist das prachtvolle Kostüm des Richtericher Karnevalsprinzen Balam I.Barubanga, der 2012 über die Narren herrschte.

Manche Gegenstände gehörten einst zu Aachener Kostbarkeiten und sind in Vergessenheit geraten. So wie der große Kerzenleuchter in der ehemaligen Jesuitenkirche St Michael, die jetzt von orthodoxen Christen genutzt wird. Der Leuchter aus dem 16\. Jahrhundert war damals eine teure Zwangsabgabe der Protestanten an die Katholiken um sich vor der Pfändung ihres Besitzes zu schützen.

Der Leuchter hat die Kriege überstanden und war den Aachenern nach dem Zweiten Weltkrieg so wichtig, dass sie ihn von Ewald Mataré restaurieren ließen. Vielleicht erfährt er nun wieder die ihm gebührende Beachtung. Das letzte Objekt des Buches ist das Protestplakat gegen Tihange. Die Diskussionen um das belgische Atomkraftwerk werden knapp aber sehr klar und übersichtlich dargestellt. Frank Pohle meinte dazu, er hoffe, dass dieses Objekt möglichst bald vergessen werde, da die Gefahr gebannt sei.

Das Buch zur Aachener Stadtgeschichte überrascht auf 230 Seiten immer wieder mit neu gedeuteter Geschichte, mit wichtigen und wenig beachteten Wendungen, die ganz neue Lichtpunkte in das Dunkel der Vergangenheit setzen.

Weitere Informationen unter www.sammlung-crous.de.

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