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BSV Aachen: „Wir sehen uns als Spielball der Politik“

Schüler äußern Kritik : „Wir sehen uns als Spielball der Politik“

Bessere Ausstattung und mehr Unterstützung für benachteiligte sowie psychisch belastete Schüler: Das fordern Schülervertreter aus Aachen – mit deutlichen Worten.

Die Schulen in der Städteregion blieben ab dem 13. März 2020 für mehrere Wochen geschlossen. Am kommenden Montag soll der Unterricht für alle Schüler wieder beginnen. Die Bezirksschüler*innenvertretung der Städteregion Aachen (BSV Aachen) begrüßt grundsätzlich Öffnungen unter Gewährleistung eines sicheren Schulbetriebs, wie sie in einer Mitteilung am Freitag erklärt.

Die Art und Weise der Lockerungen stößt jedoch auf viel Kritik. „Wir stehen vor Öffnungen ohne jedes klare Konzept. Das gefährdet nicht nur die Gesundheit der Schüler und Schülerinnen, sondern das gesamte Infektionsgeschehen. Wir freuen uns, dass Lehrkräfte durch ein funktionierendes Testkonzept und bald sogar Impfungen geschützt werden. Schüler und Schülerinnen sitzen stattdessen in überfüllten Klassenräumen, als würde es ausreichen, die Fenster zu kippen. Wir können absehen, dass die Corona-Zahlen steigen und die nächsten Schließungen kommen werden. Es ist Wahnsinn. Wir sehen uns als Spielball der Politik“, sagt die 17-jährige Jola Zoworka vom BSV-Vorstand.

Um für alle sichere Schulöffnungen zu ermöglichen, fordert der Vorstand kostenfreie FFP2-Masken für alle Schüler. Wöchentlich sollen ihnen zwei Schnelltests zu Verfügung gestellt werden. Auch die weitere Installation von Luftfiltern begrüßen die Schülervertreter. Für ein einheitliches Vorgehen sollen die Maßnahmen auch an Privatschulen gelten.

„Wir brauchen kostenlose FFP2-Masken, um alle Schüler und Schülerinnen vor Ansteckungen schützen zu können. Wenn wir die Infektionsketten wirklich durchbrechen wollen, braucht es zwei Tests für jeden Schüler und jede Schülerin pro Woche. Es ist eine Fehlentscheidung der Politik, die Schulen bei den Öffnungen so unvorbereitet zu lassen”, sagt der 18-jährige Lukas Paschen vom Vorstand.

Auch für absehbare kommende Schulschließungen braucht es laut BSV ein Konzept: „Im Sommer wurde einfach geschlafen. Nicht nur bei der Ausstattung der Schulen, sondern auch einem Konzept für den Distanzunterricht. Viele Schulen mussten improvisieren und selber eigene Online-Plattformen finden oder Lernkonzepte entwickeln. Wir warten immer noch auf eine NRW-weite Software und staatlichen Fortbildungen für Lehrkräfte”, sagt Zoworka.

Daneben stellen die Schülervertreter die Chancengleichheit infrage. Dazu sagt Paschen: „Es gibt an vielen Schulen Probleme, Schüler und Schülerinnen mit digitalen Endgeräten auszustatten. Hier hätten Land und Kommune im Sommer Geld in die Hand nehmen müssen. Stattdessen hängt heute die Möglichkeit mitzuarbeiten von dem Gehalt der Eltern ab. Auch in ländlichen Gegenden gibt es Schwierigkeiten: Wir alle kennen es, wenn das Internet ausfällt. Man muss also die Belastung von Schülern und Schülerinnen verstehen, wenn ihre Noten oder sogar ihr Abschluss davon abhängt.”

Gleichzeitig sieht der Vorstand der BSV Aachen ein großes Problem wegen häuslicher Gewalt und psychischer Belastungen: „Häusliche Gewalt ist ein Tabuthema und wird konsequent unter den Tisch gekehrt. Wir erleben während der Schulschließungen einen enormen Anstieg der Fälle, weil Kinder und Jugendliche den Tätern nicht mehr ausweichen können. Der Tag der Schulschließungen war ein Freitag, der Dreizehnte – für viele Schüler und Schülerinnen nicht nur auf dem Kalender. Schulen müssen Safe Spaces schaffen und die Politik Hilfsangebote fördern”, sagt Zoworka.

Paschen ergänzt: „Die psychische Belastung der Schüler und Schülerinnen ist hoch. Es gibt kaum Unterstützung in der Krisenzeit. Wenn Schüler und Schülerinnen von Gewalt, Panik oder Angst vor dem Abschluss berichten, und manche sogar ihre Schullaufbahn abbrechen, dann hat das Bildungssystem versagt.“

(red)