Aachen: Brückenschlag mit Bauchmuskeln

Aachen: Brückenschlag mit Bauchmuskeln

Der Mann ist perfekt: schmale Hüften, breite Brust und angedeutete Bauchmuskeln. Ein kleiner Macho, den seine Begleiterin aber bis jetzt noch immer hat abblitzen lassen. Das sagt zumindest Lúcia Hinze.

Die brasilianische Künstlerin bemalt Schaufensterpuppen. Das farbenfrohe Pärchen, das von ihr zur Zeit in der „Aachen Arkaden Galerie” zu sehe ist, besitzt sie schon seit fünf Jahren. „Wenn eine neue Jahreszeit kommt, bemale ich sie immer neu”, sagt Hinze.

Gemeinsam mit elf anderen brasilianischen Künstlern ist sie für eine Ausstellung beim Bundesverband Bildender Künstler Aachen und Euregio (BBK) zu Gast. Diese dritte Ausstellung in der Galerie in dem Einkaufszentrum wird mit einer Vernissage am morgigen Samstag, 29. Januar, um 18.30 Uhr eröffnet. Neben der Bürgermeisterin Margrethe Schmeer wird auch der Brasilianische Generalkonsul Cézar Amaral zu Gast sein.

„Unser Ziel ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen Künstlern verschiedener Kulturen”, sagt Gotthard Walter, zweiter Vorsitzende des BBK. Die Einflüsse der brasilianischen Künstler seien eine Inspiration für die Maler und Bildhauer aus Aachen und Umgebung. „Brasilianische Kunst ist ein bisschen schriller und hat eine lebhaftere Stimmung”, sagt Hinze.

Bei der „ArtOpen” im November in Eschweiler sei der Kontakt zwischen dem BBK und der Künstlerin aus Nordbrasilien entstanden, die seit 22 Jahren in Deutschland lebt. „Die Ausstellung haben wir dann ruckzuck innerhalb von vier Wochen organisiert”, sagt Walter. Im Moment laufen schon die Gespräche für einen Gegenbesuch der BBK-Künstler in Brasilien, bei dem die Aachener eine eigene Ausstellung haben und eventuell ein gemeinsames Kunstwerk mit den brasilianischen Kollegen gestalten werden.

In Aachen sind zur Zeit etwa Werke von der in Brasilien sehr bekannten Künstlerin Iracy Carise oder von Anna Guerra, die auch schon im Louvre in Paris ausstellte. Ausgefallen sind die Materialien, die Jean Carlo Miranda für seine Collagen benutzt. „Ich gebe Müll ein neues Leben durch die Kunst”, erklärt der Künstler. Metallreste, Steine, Muscheln oder kaputte Korkenzieher kombiniert er mit Sand, Erde und Farbe. Seine Freunde bringen ihm inzwischen aus jedem Urlaub Fundstücke mit, die er dann verarbeitet.

Aber nicht nur Kunst, sondern auch Literatur und Musik sind Bestandteil der Ausstellung. „Wir wollen den Aachenern die brasilianische Kultur und Lebensweise näherbringen”, sagt Walter. Deshalb präsentiert bei der Vernissage die Künstlerin und Sängerin Cintia Rodriguez ihre neue CD und die brasilianische Schriftstellerin Christina Deutsch ihr gerade erschienenes Buch. Einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf werden für die Flutopfer in Brasilien gespendet, zu denen auch die Familie der Autorin Deutsch gehört.

Die Ausstellung in der Aachen Arkaden Galerie des BBK, im Obergeschoss, Raum 24, hat bis zum 19. März geöffnet, jeweils dienstags bis samstags von 12 Uhr bis 20 Uhr.

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