Aachen: Brückenbau nach anderthalb Jahren fertig

Aachen: Brückenbau nach anderthalb Jahren fertig

Schon lange gehört die Baustelle über die Bahngleise in der Weberstraße zum Alltag für viele Fußgänger. Für einige Spaziergänger war es jetzt jedoch etwas ganz Besonderes, als sie auf ihrem sonst so alltäglichen Weg an der Brückenbaustelle die Bahngleise überqueren wollten. Und manch einer konnte es kaum glauben, als er die ersten Schritte auf die neue Brücke setzen konnte.

Obwohl sie ein rein technisches Bauwerk ist, ist die neue Brücke dennoch ein bauliches Meisterwerk, weniger aufgrund der Architektur, sondern wegen der großen Herausforderung, der sich das Ingenieurbüro Thormählen + Peukert und das Bauunternehmen Hofschröer aus Lingen gestellt haben: Weil insbesondere Korrosion der alten Brücke zugesetzt hat, musste sie abgerissen werden und an ihrer Stelle eine neue Brücke errichtet werden. Durch das benachbarte Luisenhospital mit seinen 350 Betten und mehreren Wohnhäusern in direkter Nähe keine leichte Aufgabe, denn die Straße ist ohnehin schon recht schmal, und die Anwohner möchten natürlich auch nicht auf ihren Parkplatz verzichten.

Schweres Gerät im Einsatz: Die Behelfsbrücke für Fußgänger demontierten die Bauarbeiter am Wochenende. Foto: Andreas Cichowski

Häufige Nachtarbeiten

Hinzu kommt die Problematik durch die Lage über der stark frequentierten Bahnstrecke zwischen Aachen Hauptbahnhof und Schanz. Ziel war es, den Eingriff in den Bahnverkehr zu minimieren. Dadurch konnten einige wichtige Arbeiten nur nachts während einer Sperrpause durchgeführt werden. Nicht selten war schweres Gerät im Einsatz, wie beim Abriss der alten Brücke oder beim Einheben des neuen Überbaus.

Das Team rund um Polier Ulrich Neumann ist aber schon lange im Geschäft und arbeitet Hand in Hand mit den anderen beteiligten Unternehmen und der Deutschen Bahn zusammen, sodass der Bau reibungslos vonstatten ging. Übrigens: Rund 40 Prozent der Aufträge wurde an Firmen in der Region Aachen vergeben.

Am 25. August 2013 waren die ersten Maschinen angerückt. Seitdem wurden 2200 Kubikmeter Erde bewegt, 650 Kubikmeter Abbruch abtransportiert, 105 Tonnen Bewehrungsstahl eingebracht und 1000 Kubikmeter Beton gegossen, teilt Roman Schumacher vom Ingenieursbüro mit. „Das sind beachtliche und ganz andere Größen als beim Hausbau“, sagt er.

Seit fünf Jahren beschäftigt ihn das Projekt. Für Schumacher und seine Kollegen heißt es nun so langsam Abschied nehmen. Am vergangenen Wochenende nutzte man eine letzte Sperrpause um Restarbeiten an der neuen Brücke durchzuführen. Ein Autokran hob zwei Hub-steiger ins Gleisbett. Mit ihrer Hilfe konnten Gerüste und letzte Verschalungselemente von der Brücke entfernt werden, sichtbare Elemente erhielten einen Anstrich.

Ebenfalls wurde die Behelfsbrücke, die seit Baubeginn als Ersatz den Fußgängern zur Verfügung stand, abgebaut und abtransportiert. Regina Golke sieht es beinahe mit Wehmut: „Es war ein schönes Gefühl, wie die Stahlbrücke beim Joggen wippte. Man hat sich einfach dran gewöhnt.“ Seit Baubeginn beobachtet die Anwohnerin den Bau und hält den Baufortschritt in Bildern fest.

Die Zufriedenheit steht den Fußgängern sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben, wenn sie beim Überqueren die neue Brücke begutachten und bewundern. Auch Projektleiter Holzbach ist sichtlich zufrieden, vor allem was Kosten und den Zeitplan anbelangt. „Wir konnten sowohl den Zeitplan als auch den Kostenrahmen voll und ganz einhalten.“ Die Baukosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro teilen sich Bahn und die Stadt Aachen.

Versorgungsleitungen

Autofahrer müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden, ehe sie die neue Brücke nutzen können. Die Stawag muss erst einige Arbeiten an den Versorgungsleitungen durchführen. In der kommenden Woche wird die Asphaltdecke aufgetragen, sodass die neue Brücke Anfang nächsten Jahres — nach rund anderthalb Jahren Sperrung — vollständig für den Verkehr freigegeben werden kann.

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