Aachen: Bremst bald ein „Blitzer” in der Unfallkurve?

Aachen: Bremst bald ein „Blitzer” in der Unfallkurve?

Mitten in der Kurve bremst die Frau ihren Wagen auf Schritttempo ab, zückt ihr Handy und macht ein Foto von der Leitplanke hinter der Gegenfahrbahn. Dort steht auch ein Kamerateam, das die vielen Kerzen, Blumen, Briefe, Fotos und Stofftiere filmt.

Und dann kommen ein paar Fußgänger von Kornelimünster aus den Berg hinauf, halten inne vor der Gedenkstätte und wischen sich Tränen aus den Augen.

Während die Kurve auf der Trierer Straße kurz hinter dem Brander Ortsausgang, in der in der Nacht zum Samstag fünf Menschen bei einem Unfall ihr Leben verloren, immer noch Schaulustige, Journalisten und Trauernde anzieht, laufen die Ermittlungen nach der Unfallursache auf Hochtouren. Bislang jedoch noch ohne Ergebnis.

Die Polizei geht aber nach wie vor davon aus, dass der 24-jährige Stolberger, der den Mercedes von Brand in Richtung Kornelimünster steuerte, viel zu schnell unterwegs war. Dem Vernehmen nach soll er bereits auf der Geraden vor der Kurve auf der Gegenfahrbahn gefahren und dann beim Einlenken weggedriftet sein - ehe er mit dem entgegenkommenden Opel kollidierte.

Genauen Aufschluss versprechen sich die Ermittler vor allem vom Gutachten des Sachverständigen, der in der Unglücksnacht die Arbeit aufnahm und bis zum Mittag Spuren sicherte, Trümmer zuordnete und die Unfallstelle „auf den Zentimeter genau vermessen hat”, wie die Polizei mitteilt. Die Staatsanwaltschaft hat derweil auf die Obduktion der Leichen der fünf Unfalltoten verzichtet. Mittels Blutproben will man die Frage nach der Fahrtüchtigkeit der Fahrer beantworten. Ob Alkohol im Spiel war, werde aber erst „Mitte bis Ende dieser Woche feststehen”, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage.

Unabhängige Zeugen gibt es nach Angaben der Polizei offenbar nicht. Die einzigen, die etwas sagen könnten, sind die beiden jungen Frauen, die den Unfall schwer verletzt überlebt haben. Ihr Zustand wird als „stabil” bezeichnet, vernehmungsfähig sind sie aber noch nicht. „Hier wollen wir ganz vorsichtig vorgehen”, sagt Kemen.

Möglichst schnell soll dagegen die Frage beantwortet werden, ob die Unfallstelle entschärft werden muss. Am Montag hat man zunächst die Tempo-30-Regelung, die zum Schutz der vielen Trauernden eingeführt worden war, wieder aufgehoben. Trotz des Limits berichteten indes Autofahrer am Wochenende von gefährlichen Situationen wegen der Fußgänger, insbesondere bei Dunkelheit. Nun gilt dort zunächst Tempo 50, vor dem Unfall durfte man in der Kurve 70 fahren.

Für die Aachener Polizei ist die Stelle aber „kein Unfallbrennpunkt”, betont Kemen. Seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen im Jahr 2002 habe es dort keinen tödlichen Unfall gegeben, seit Anfang 2008 sieben Unfälle, davon vier mit Schwerverletzten. Aber: „Ursache war meist nicht zu schnelles Fahren.” Heute will sich eine Unfallkommission aus Vertretern von Stadt, Polizei, Landesbetrieb „Straßen.NRW” und Bezirksregierung die Unfallstelle ansehen und über Verkehrsmaßnahmen beraten. Ob dort ein dauerhaftes Tempolimit unter 70 etwas bringt, erscheint vielen aber fraglich. Schließlich bremsen Schilder Raser nicht unbedingt aus, wie wohl auch der Unfall vom Samstag beweist. „Blitzer” allerdings schon. „Es könnte sein”, meint Hans Poth, Sprecher der Stadt Aachen, „dass die Lösung in einer solchen stationären Anlage liegt”.