Wohin zieht die Feuerwehr?: Branddirektor sieht keine Alternative zum Standort Siegel

Wohin zieht die Feuerwehr? : Branddirektor sieht keine Alternative zum Standort Siegel

Wenn’s in Preuswald brennt, könnte es eng werden. Die Feuerwehr kann den Bereich bislang nicht in der vorgeschriebenen Zeit von unter acht Minuten erreichen. Eine neue Wache auf Siegel könnte das ändern. Die Politik hat nun einen Beschluss gefasst, um das genauer zu untersuchen.

„Selbst das Aachener Rathaus“, untermauert Feuerwehrchef Jürgen Wolff sein Votum für einen weiteren Standort seiner Wehr auf Siegel, „ist mit unseren Fahrzeugen von dort aus schneller zu erreichen, als es von der Wache Stolberger Straße möglich ist“. Der Aachener Branddirektor muss es wissen, denn er selbst sitzt mit seinen etwa 40 Mitarbeitern in der Wache an der Stolberger Straße. Es ist die frisch renovierte Hauptwache Aachens mit moderner Leitstelle. Die Diskussion um neue Standorte der Wehr wurde virulent, als man zeitlich gesehen „blinde“ Flecken der Erreichbarkeit im Stadtgebiet ausmachte.

So ist das gesamte Areal Preuswald bislang nicht in der vorgeschrieben Zeit von unter acht Minuten anzufahren. Fatal, wenn es mal richtig brennen sollte. Mit dem ins Auge gefassten Standort West der Berufsfeuerwehr, den nicht nur der Feuerwehrchef, sondern auch Gutachter und ebenso die politischen Mehrheiten – der Rat sprach sich am Mittwoch einstimmig für die Untersuchung des Standortes aus – unterstützen, soll auf Siegel nicht nur eine reine Feuerwache entstehen. Auch zwei Rettungswagen sollen dort stationiert werden, jeweils mit Notarzt im Schlepptau.

Vor der Ratsentscheidung gab es bereits besorgte Anfragen von Bürgern und Anwohnern aus dem angrenzenden Südviertel, die nicht unbedingt freudig auf das laute Martinshorn warten. Müssen wirklich auch Rettungswagen stationiert werden, und wie ist das mit den roten Ampelphasen, wollten die Bürger in der Fragestunde von den Politikern wissen.

Aus diesen Gründen ist zunächst, wie Stadtsprecher Bernd Büttgens auf Anfrage erklärt, die Entscheidung des Rates noch lange kein Baubeschluss: Es wurde „nur“ eine Standortprüfung beschlossen. Ein Zeitplan für die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Grundstück neben dem Sportplatz sowie in unmittelbarer Reichweite der Burtscheider Tell-Schützen, deren Pfeile ziemlich weit fliegen können, steht noch nicht fest. Wenn aber alles gut läuft, kann im Frühjahr 2020 das B-Plan-Verfahren ins Rollen kommen, dann auch wird eine Bürgerbeteiligung Pflicht.

Der Standort Siegel, so Wolff, sei aber mit je einer Ausfahrt auf die Siegelallee und einer zweiten auf die Robert-Schumann-Straße gut geeignet. Je eine dieser Ausfahrten sei dem Löschzug vorbehalten, die andere steht für die Rettungswagen zur Verfügung. Mit Oberbürgermeister Marcel Philipp habe er besprochen, dass bei einer weiteren Sportnutzung auf dem anliegenden Platz beim Bau der Feuerwache eine gemeinsame Energieversorgung eingeplant werde.

Die Kosten für die neue Wache werden bereits jetzt auf rund 18 Millionen Euro taxiert, ein in der Folge notwendig anzuschaffender neuer Hubwagen schlägt mit rund 870.000 Euro zu Buche, insgesamt müssen etwa 15 Stellen besetzt werden.

Doch der Standort Siegel ist möglicherweise noch das geringste Problem der Feuerwehr. „An der Hauptwache war für die Werkstatt zum Beispiel ein dritter Bauabschnitt eingeplant“, erinnert der Branddirektor. Doch das Vorhaben scheitert an fehlenden Grundstücken im Hinterhof der Wache.

Logistik könnte nach Hitfeld

So zeigt sich die Leitung der Wehr aufgeschlossen gegenüber der Idee, auf den Flächen in Camp Hitfeld die gesamte Logistik, also Werkstätten, Übungsgelände, Wartungshallen, Schulungsräume sowie Lagerstätten, zu konzentrieren. Nur für operative Einrichtungen wie einem Löschzugstandort sei Hitfeld nicht geeignet. Dass mehr Platz für die Wehr dringend benötigt wird, zeigt sich daran, dass immer noch Bürocontainer genutzt werden – sowohl am Standort Stolberger Straße als auch am alten Übergangsstandort, auf dem Gelände der Spedition Hammer. Das sei ein Zustand, der nicht ewig währen könne, sagt Wolff, also müsse Neues her. Beziffert wird der gesamte künftige Investitionsbedarf der Aachener Feuerwehr laut dem Brandschutzbedarfsplan mit 50 Millionen Euro, leider „plus X“, wie Jürgen Wolff ergänzt.

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