Aachen: Brache in Bewegung: Gerd Sauren kauft Wertz-Gelände

Aachen : Brache in Bewegung: Gerd Sauren kauft Wertz-Gelände

Im Rennen um den Titel „hässlichste Ecke Aachens“ ist die riesige Brache am Hohenzollernplatz schon seit vielen Jahren ganz vorne dabei. Dabei gab es schon öfter Pläne, den mehr als 8000 Quadratmeter großen städtebaulichen Schandfleck an der Ecke Stolberger Straße/Joseph-von-Görres-Straße verschwinden zu lassen. Bloß: Realisiert wurden sie bislang nie.

Das könnte sich nun tatsächlich ändern. Der Aachener Großinvestor Gerd Sauren hat das sogenannte Wertz-Gelände vor kurzem gekauft, womit die letzten Pläne, auf dem Areal ein großes Wohnprojekt mit 170 Wohneinheiten zu realisieren, zumindest wieder eine konkrete Perspektive erhalten.

Seit zwei Jahren Stillstand

Zuletzt hatte nämlich seit knapp zwei Jahren wieder absoluter Stillstand geherrscht. Nachdem es dem ursprünglichen Projektentwickler, einer Firma aus Wesel, nach Aussagen von Ratspolitikern zunächst nicht schnell genug gehen konnte mit einem Bebauungsplan, tat sich nach einem entsprechenden Ratsbeschluss im Mai 2014 nichts mehr — außer dass besagter Projektentwickler im Sommer vorigen Jahres plötzlich außen vor war.

Gerd Axmacher, einer der Geschäftsführer des Aachener Unternehmens Wertz und zugleich Mitbesitzer des Grundstücks, erklärte seinerzeit auf AZ-Anfrage, dass man noch mit einem „Endinvestor“ verhandele — der nun gefunden ist.

Gerd Sauren tritt allerdings zunächst einmal auf die Bremse. „Dazu ist es noch viel zu früh“, reagiert er auf die Frage nach einem konkreten Zeitplan für die Realisierung des Wohnprojekts. Der Kauf sei gerade erst besiegelt worden, nun müsse man tiefer in die Materie einsteigen und konkrete Gespräche mit der Bauverwaltung führen. In diesem Jahr sei mit einem Baubeginn nicht zu rechnen, sagt Sauren: „Wir werden sicher im Herbst sagen können, ob es schon im nächsten Jahr oder erst im übernächsten Jahr mit dem Bau losgehen kann.“

Bewegung herrscht auf der Brache dennoch: Derzeit geht es den Resten des dortigen Hochbunkers an den Kragen. Die bis zu zwei Meter dicken Mauern werden von einer niederländischen Spezialfirma beseitigt, die bereits für den Abriss der Bunkers an der Sandkaulstraße verantwortlich war. Das Betonungetüm am Hohenzollernplatz gehörte zu den letzten Bunkern, die im Zweiten Weltkrieg in Aachen zum Schutz der Zivilbevölkerung gebaut werden sollten.

Es wurde aber nie vollständig fertiggestellt. Nach dem Krieg diente der Bunker wie viele andere zunächst als Notunterkunft, später war dort über viele Jahre ein Gebrauchtwarenhandel ansässig — die zur Straße gewandte Seite trug die Aufschrift „Aachener Autobunker“. Nach einem Teilabriss 1993 stand mehr als 20 Jahre lang nur noch eine Stirnwand auf dem Gelände, auf dem die Firma Wertz auch eine Lkw-Waage betrieb. Bis zuletzt wurden auf dem Areal auch immer noch Gebrauchtwagen verkauft.

Bald sollen dort nun Menschen wohnen. Die bisherigen Pläne sehen 170 Wohneinheiten mit einem Mix aus Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen vor, von denen 45 bis 50 öffentlich gefördert werden sollen. An den Blockrändern sollen die Gebäude fünf Geschosse und ein Staffelgeschoss haben, um sich der Nachbarbebauung anzupassen. Am Hohenzollernplatz soll die Bebauung etwas zurückspringen, um den Platzcharakter zu betonen und die Aufenthaltsqualität — gegebenenfalls mit Außengastronomie — zu verbessern. In den Erdgeschossen der Gebäude sind außerdem Gewerbeflächen vorgesehen.

Diese Pläne, eine der hässlichsten Ecken Aachens verschwinden zu lassen, haben nun wieder eine Perspektive — wenn auch die Frage nach dem Wann und Wie weiter offen ist.

(alba/os)