Aachen: Boulevard der verborgenen Pracht

Aachen: Boulevard der verborgenen Pracht

Mitten auf der Heinrichsallee sieht Professor Horst Fischer die verborgene Pracht. Irgendwo zwischen ausgefahrenem Asphalt und mächtigen Platanen muss sie verborgen sein. „Die Heinrichsallee könnte ein wunderbarer Boulevard sein”, sagt er.

Die Heinrichsallee ist es aber nicht. „In den Quartieren links und rechts der Straße steckt sehr viel Qualität”, sagt er auch. Allein sie sei noch allzu sehr verborgen. Und deswegen will der Bund Deutscher Architekten (BDA) Aachen den sprichwörtlichen Scheinwerfer auf den Bereich werfen, das Thema mehr denn je ins Blickfeld von Stadtplanern, Architekten aber eben auch Öffentlichkeit rücken. Heute beginnt mit drei Spaziergängen eine entsprechende Reihe des BDA.

Jedes Jahr organisiert der Landesverband des BDA Veranstaltungen zu einem Oberthema. Diesmal lautet dies „Weniger, älter, bunter”. Kein neues Thema, aber eben eines, was Stadtplaner beschäftigt. Denn nicht nur Aachens BDA-Vorsitzender Fischer erwartet die Reurbanisierung. „Bevölkerungsschwund wird es nur auf dem Land geben, die Menschen wollen in die Stadt”, sagt er.

Der Aachener BDA geht freilich einen Schritt weiter. Die Architekten beleuchten konkret ein Quartier in der Innenstadt, eines, das im Zuge der Reurbanisierung gewiss Veränderungen durchmachen werde. Eines, das nur unzureichend wahrgenommen werde und doch sehr viel Potenzial habe - eben rund um die Heinrichsallee.

Wenn Fischer durch die Promenadenstraße geht, an den Gemüsehändlern vorbei schlendert und dann über die Heinrichsallee ins Rehmviertel eintaucht, dann sieht er eine solide Bausubstanz, robuste Strukturen und dies alles ein paar Minuten Fußweg von Dom und Rathaus entfernt. „Ein Potenzial, das mehr genutzt werden sollte”, sagt er. Während die Gemüsehändler Kisten durch die Türen ihrer Geschäfte schleppen, will sich der BDA-Vorsitzende aber nicht aus dem Fenster lehnen und vorschreiben, wie das Viertel aufgewertet werden sollte.

Nur so viel: breitere Gehwege und eine veränderte Busführung könnten so Fischer an der Heinrichsallee schon einen großen Schritt bedeuten, damit die Menschen das Quartier als Lebensraum neu entdecken. Die Grünen fordern in einem Ratsantrag mehr Begrünung. Und natürlich werde auch die Kaiserplatz-Galerie nicht spurlos gebaut. „Dann wird das Interesse an dem Bereich steigen”, sagt Fischer.

Die Gründerzeitblocks etwa Richtung Aretzstraße und Blücherplatz ließen sich rasch aufwerten. In der Promenadenstraße wurden bereits Häuser liebevoll saniert. Der Wandel ist dort offensichtlich schon angekommen. Fischer spricht aber auch einem natürlichen Prozess, Es gehe keineswegs darum, Bewohner zu verdrängen. Wenn ein Quartier „entdeckt” werde, dann würde sich die Bevölkerung von selbst verändern. Doch auch da sieht der BDA die Stadtplaner in der Pflicht. „Es geht dann auch darum Strukturen zu erhalten”, sagt Fischer und steht vor einen afrikanischen Laden. „Auch der gehört ins Quartier.”

BDA geht auf Entdeckungsreise durch das Viertel

Drei Spaziergänge sollen am Samstag die besonderen Merkmale und Chancen des Quartiers rund um die Heinrichsallee zeigen. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Reiterdenkmal am Kaiserplatz. Von dort führen Markus Sporer und Professor Frank Hausmann zu Kunst, Kommerz, Kulinarik. Professor Horst Fischer und Michael Rau zeigen Kultur, Religion, Soziales, Professor Christian Uwer und Holger A. Dux beleuchten Schätze, Nischen, Brachen.

Eine Präsentation der Arbeiten von FH-Erstsemestern zum Thema „Stadt lesen und sehen” findet am Donnerstag, 12. November, um 20 Uhr im „Aachen-Fenster”, Buchkremerstraße 2-4, statt. Die besten Fotobeiträge werden prämiert.

Einen Stadtteppich, der die gesamte Stadt im Maßstab 1:5000 zeigen soll, übergibt der BDA am Freitag, 13. November, um 20 Uhr ebenfalls im „Aachen-Fenster”