Aachen: Bordell in der Aachener City: Jetzt reden die Frauen

Aachen : Bordell in der Aachener City: Jetzt reden die Frauen

Bei der Diskussion um die Neugestaltung des Altstadtquartiers Büchel sind die Positionen eigentlich schon weitgehend abgesteckt. Nur jene, um die es eigentlich geht, wurden in dem unübersichtlichen Streit über den Verbleib des Bordellbetriebs in der Innenstadt bislang nicht gefragt: die Frauen, die dort arbeiten.

Stellvertretend für die Prostituierten hat sich deshalb das Frauennetzwerk der Städteregion am vergangenen Samstag zu Wort gemeldet — und erntete sowohl Zustimmung als auch Kritik.

Die Vertreterinnen des Arbeitskreises Prostitution beim Frauennetzwerk plädierten dabei klar für einen Verbleib des Bordellbetriebs in der Antoniusstraße, wie im Übrigen auch die überwiegende Mehrheit des Rates der Stadt Aachen. Eine Verlagerung „auf die grüne Wiese“ würde hingegen viele Probleme mit sich bringen, wie Daniela Lucke erklärte, die als SDP-Ratsfrau im Arbeitskreis tätig ist. Dort wären die Prostituierten dann „aus den Augen und aus dem Sinn“ und etwa den Machenschaften von Rockerclubs ausgesetzt, warnte sie.

Ein geschützter Treffpunkt

Auch die Arbeit der Beratungsstellen, welche sich in den vergangenen Jahren zu einem geschützten Treffpunkt für die Frauen entwickelt hätten, würde durch eine solche Verlegung gefährdet, so CDU-Ratsfrau Uschi Brammertz. Die 2016 in der Antoniusstraße eingerichtete Beratungsstelle „Lumina“ wolle man daher auf jeden Fall beibehalten, da diese eine wichtige Anlaufstelle für Frauen in Not sei. „Das Angebot wird immer häufiger frequentiert, und dort wird auch gemeinsam gekocht, oder man trifft sich einfach nur zum Kaffee“, sagte Brammertz.

In Zukunft, so schwebt es den Vertreterinnen des Frauennetzwerks vor, könnte die Beratungsstelle dann im Erdgeschoss des im aktuellen Bebauungsplan vorgesehen Laufhauses einquartiert werden.

Immer wieder suchten am Samstag am Informationsstand des Arbeitskreises am Holzgraben die Passanten das Gespräch mit den Frauen. Einige lehnten Prostitution als Gewerbe generell und in der Innenstadt ganz besonders ab, andere wiederum unterstützten die Forderung des Frauennetzwerks, den Bordellbetrieb am Büchel zu belassen.

So auch ein Anwohner: „Ich bin hier aufgewachsen und hatte nie Probleme. Das Ganze hat auch einen gewissen Charme, ähnlich wie in Hamburg“, sagte er. „Denn was in der Antoniusstraße passiert, bleibt auch dort. Bei der ganzen Diskussion geht es mir hingegen viel zu sehr um die Interessen der Investoren.“

Beim Arbeitskreis Prostitution sieht man das ähnlich: zu oft drehe sich der Diskurs um Bebauungspläne und Kosten. Dabei, betonte Ratsfrau Lucke, werde außer Acht gelassen, dass die Anbindung der Prostituierten an die urbane Infrastruktur deren Situation meist deutlich verbessere. Kurze Wege zu Beratungsinstitutionen und die soziale Kontrolle seien so besser gewährleistet, als bei einer „Verbannung“ des Gewerbes in die Außenbezirke.

Wegen der Uneinigkeit von Rat, Oberbürgermeister, Polizei und Investoren wird vorerst aber ohnehin alles beim Alten bleiben. Bekanntlich plädieren vor allem der OB und der Polizeipräsident mit Nachdruck dafür, den Rotlichtbezirk künftig an einer anderen Örtlichkeit jenseits der City anzusiedeln.

Am 9. November tagt der Planungsausschuss des Rates zum Thema Altstadtquartier Büchel und öffnet damit das nächste Kapitel in dieser offenbar nicht enden wollenden Geschichte.

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