Bonava startet Baumaßnahme für "Leben am Westpark" in Aachen

„Leben am Westpark“ : An der Vaalser Straße entstehen 77 neue Wohnungen

Den letzten Spuren der Aachener Misch- und Knetmaschinenfabrik an der Vaalser Straße geht es an den Kragen. In unmittelbarer Nähe zum Westpark entsteht ein neues Wohnbauprojekt mit 77 Wohneinheiten.

Die letzten Mitarbeiter haben das Fabrikgelände längst verlassen, doch das grüne Gestrüpp hält sich wacker: Mit einer Unverwüstlichkeit, wie sie nur die Natur bieten kann, haben sich die grünen Pflanzen durch das einst weiße Gemäuer gekämpft. „Das Dach war undicht, deshalb sind die Pflanzen hier gewachsen“, erklärt Hans-Joachim Heckmann in dem kleinen Fabrikraum. Neben ihm stehen zurückgelassenen Maschinen; auf einer Eisenplatte liegt ein Sägeblatt, das deutliche Rostspuren aufweist. Fotografen hätten an dem verlassenen Industriecharme ihre wahre Freude. Allzu lange sollten sie mit dem Fotoshooting allerdings nicht warten. Die Tage der Industriehallen an der Vaalser Straße 71 sind gezählt. Die Räumung läuft. Der Abrissbagger ist sozusagen schon in Stellung gebracht.

In einigen Wochen soll der Abbruch der Fabrikgebäude an der östlichen Grundstücksseite beginnen, sagt Hans-Joachim Heckmann, Projektleiter bei der Bonava Deutschland GmbH. Dann werden auch die letzten Spuren der traditionsreichen Aachener Misch- und Knetmaschinenfabrik (AMK) an der Vaalser Straße Geschichte sein. Und Platz machen für ein neues Wohnbauprojekt.

„Wohnen am Westpark“ nennt der Wohnungsbau-Projektentwickler Bonava das Bauvorhaben. Auf einer Fläche von 6440 Quadratmetern sollen 77 Wohnungen entstehen, davon sind 15 öffentlich gefördert. Die ersten der insgesamt 53 Eigentumswohnungen seien bereits verkauft, berichtet Heckmann. „Der Zulauf ist sehr gut.“ Angesichts der Lage dürfte das keine Überraschung sein. „Ihr Zuhause zwischen Grün und Großstadt“ wirbt Bonava auf seiner Internetseite für das „Leben im Westpark“ – garniert mit einem Foto vom Hangeweiher im Kaiser-Friedrich-Park. Der bekanntermaßen rund zwei Kilometer vom Westpark entfernt liegt. Die neuen Eigentümer dürfte dieser kleine Marketing-Fauxpas allerdings nicht weiter bekümmern. Ende 2021 soll die Baumaßnahme, für dessen Konzeption das Aachener Architekturbüro „Beck + Blüm-Beck“ verantwortlich ist, fertiggestellt sein.

Verwilderter Industriecharme: Ende August dürften die letzten Spuren der Aachener Misch- und Knetmaschinenfabrik an der Vaalser Straße Geschichte sein. Foto: Andreas Steindl

Bis dahin ist an der Vaalser Straße noch einiges zu tun. Denn die AMK, 1892 vom Bäckermeister Peter Küpper gegründet, hat nach Angaben von Heckmann nicht nur Sägespäne hinterlassen. Tonnenschwere Maschinen stehen noch in den Lagerhallen. Bevor die Bagger anrollen, müssten nicht nur diese entsorgt, sondern auch zahlreiche weitere Materialien – Leuchtstoffrohre, Farben etc. – nach Belastungsgruppe sortiert und ordnungsgemäß beseitigt werden. „Das verzögert den Abbruch“, bedauert Heckmann. Zumal der Baubeginn wegen eines Rechtsstreits zwischen Bonava und der AMK sowieso schon um etwa ein Jahr nach hinten verschoben worden sei. Dass sich die Unternehmen im Januar 2019 vor dem Aachener Landgericht unter anderem wegen einer Räumungsklage gegenüberstanden, bestätigte Thomas Birtel, Sprecher des Landgerichts, auf Anfrage unserer Zeitung. Die beiden Seiten haben sich demzufolge auf einen Vergleich geeinigt. Josef Vinbrüx, Geschäftsführer der AMK, wollte den Sachverhalt auf Anfrage unserer Zeitung nicht kommentieren.

Auch Hans-Joachim Heckmann blickt lieber in die Zukunft. Zum Beispiel auf den Abbruch, der Ende August beginnen und voraussichtlich zwei Monate dauern soll. Und natürlich den Neubau selbst. Weil die neuen Mehrfamilienhäuser direkt an die Nachbarbebauung anschließen werden, stelle das die Arbeiter vor eine besondere Herausforderung. „Ein Statiker wird die Arbeiten täglich begleiten“, versichert Heckmann. Die Anwohner habe man zudem bereits angeschrieben. Rücksichtnahme sei die Devise, auch wenn sich Dreck, Staub und eine gewisse Lärmbelästigung nicht vermeiden lassen.

Ein ruhiger Innenhof mitten in der Stadt: Projektleiter Hans-Joachim Heckmann freut sich über den guten Zulauf für das Wohnbauprojekt „Leben am Westpark“. ¶. Foto: Andreas Steindl

Wenn die Arbeiten fertiggestellt sind, dann soll die Baulücke an der Vaalser Straße geschlossen sein. Dort, wo jetzt noch ein Eingangstor steht, werde dann der Zugang zur Tiefgarage mit 67 Stellplätzen sein, berichtet Heckmann. Den Innenhof selbst werden Autos nicht befahren dürfen. Er werde nur Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung stehen. Und sicherlich auch wieder der einen oder anderen Grünpflanze.

Mehr von Aachener Zeitung