Aachen: Bombardier: Kreutz sieht gute Marktchancen für „Talbot Services Gmbh“

Aachen: Bombardier: Kreutz sieht gute Marktchancen für „Talbot Services Gmbh“

Josef Kreutz ist kein Mann, der lange um den heißen Brei herum redet. „Klar“, sagt der Betriebsratsvorsitzende des von der Schließung bedrohten Aachener Bombardier-Standorts, „eine Art Schock“ sei das schon gewesen, als Bombardier in dieser Woche plötzlich mit der „Quip-Idee“ um die Ecke gekommen ist.

Am Mittwoch hatten Mitglieder der deutschen Geschäftsführung des Weltkonzerns den Baesweiler Personaldienstleister Quip AG als heißen Übernahmekandidaten für das traditionsreiche Aachener Werk präsentiert — und damit die Belegschaft und den Betriebsrat gleichermaßen überrascht.

Für die meisten war es keine positive Überraschung. „Als der Name fiel, ist allen erst einmal die Kinnlade heruntergefallen“, spielt Kreutz darauf an, dass das Unternehmen mit „vielen nicht so tollen Dingen“ in Verbindung gebracht wird. Einen Betriebsrat hat der rund 1500 Mitarbeiter zählende Betrieb beispielsweise nicht, und wer sich über die Quip AG informiert, stößt schnell auf Erfahrungsberichte von Mitarbeitern, die Lohndumping und schlechte Behandlung beklagen.

Nach ersten Gesprächen über ein mögliches Quip-Engagement an der Jülicher Straße am Mittwoch und Donnerstag hat der Bombardier-Betriebsrat nun aber zumindest festgestellt, dass das Unternehmen offenbar nicht nur für Leiharbeit stehen wolle. Für Kreutz ist das Anlass, eine Art Einladung auszusprechen: „Dann sollen sie zeigen, dass sie keine Leihbude sind. Für Quip ist das eine Riesenchance, aus der Schmuddelecke herauszukommen.“

Weg vom Schmuddel-Image heißt aber auch hin zu den Beschäftigten. Denn der Betriebsrat hat klare Vorstellungen, unter welchen Grundvoraussetzungen er sich eine Zukunft für die früheren Talbötter unter dem Namen einer neuen „Talbot Services GmbH“ vorstellen kann. Unverrückbar sind da für Kreutz vor allem die Tarifzugehörigkeit und die Mitgliedschaft der neuen Gesellschaft im Arbeitgeberverband. Im Gegenzug kann er sich dafür durchaus flexible und zeitlich befristete Modelle zur Gestaltung der Lohn- und Gehaltsstruktur vorstellen. „Da gibt es viele Möglichkeiten.“ Und dass der Quip-Vorstand Wolfgang Haller selbst die Möglichkeit ins Spiel gebracht hat, die Mitarbeiter an Unternehmenserfolgen zu beteiligen, findet er ebenfalls gut: „Das steigert das Wir-Gefühl, die Identifikation und stärkt das Verantwortungsbewusstsein auch in Kostenfragen bei jedem Einzelnen.“

Die vielen Einzelnen sollten allerdings zusammengezählt in der neuen Gesellschaft eine viel größere Zahl ergeben, als Bombardier und der Quip AG als Startbelegschaft vorschwebt — auch das ist eine klare Bedingung des Betriebsrats. Mit den genannten 160 Mitarbeitern und 30 Auszubildenden bewege man sich „am untersten Level“, moniert Kreutz. Zumal der Betriebsrat nach wie vor darum kämpfe, eine Zukunft für möglichst viele der 400 Festangestellten und etwa 200 Leiharbeiter am Standort zu sichern. Und da sei nach wie vor Bombardier der Ansprechpartner. Den Weltkonzern will Josef Kreutz nicht aus der Verantwortung entlassen.

Sollte es zu einer „Talbot Services GmbH“ kommen, hätte diese für Kreutz zweifellos glänzende Aussichten: „Die Möglichkeiten am Markt sind riesig“, spielt der Betriebsratsvorsitzende auf die Chancen an, die unter anderem die Campusbahn und das weite Feld der Elektromobilität vor Ort bieten könnten. Zumal man diese Gelegenheiten dann besser und schneller ergreifen könne als unter dem Dach des Bombardier-Konzerns, dem Kreutz die „Flexibilität einer Eisenbahnschiene“ attestiert.

Auch dass der bisherige Aachener Werksleiter Dirk Reuters in dem neuen Modell als geschäftsführender Gesellschafter fungieren soll, sieht Kreutz durchaus positiv. Die beiden Talbötter kennen sich schon sehr lange, sind fast zusammen aufgewachsen, das schafft Vertrauen. Und auch hier ist Josef Kreutz kein Mann, der lange um den heißen Brei herumredet. „Ich gehe mal davon aus“, sagt er, „dass Dirk Reuters nicht 28 Jahre Talbot einfach so wegschmeißt. Er hat das Herz noch am richtigen Platz.“

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