Aachen: Bluttat am Westpark: Freigänger streitet alles ab

Aachen: Bluttat am Westpark: Freigänger streitet alles ab

Ein grauenvolles Bild bot sich Polizeioberkommissar Dirk H., als er nach Mitternacht am 16. Juli vergangenen Jahres mit Kollegen in das Haus am Westpark stürmte.

Dort, in dem abgewohnten Gebäude in der Gartenstraße, kämpfte auf dem Treppenabsatz im zweiten Obergeschoss ein 42-jähriger Hausbewohner um sein Leben. „Der Geschädigte lag halb aufgerichtet in den Armen seiner Freundin”, berichtete der Beamte über den erschütternden Anblick, der sich der Streife bot. „Er bewegte sich aber nicht mehr”, erinnerte sich der Polizist am Dienstag bei seiner Aussage vor dem Aachener Schwurgericht.

Der 42-Jährige war Opfer einer brutalen Gewalttat, die sich Minuten vor Ankunft der Polizei in dem Haus abgespielt hatte, der Schwerverletzte wurde im Koma ins Klinikum eingeliefert und starb einen Tag später.

Für die Tat müssen sich seit dem 11. Januar drei junge Männer wegen Totschlags verantworten, die Staatsanwaltschaft geht von einer gemeinsamen Tat der drei Angeklagten aus.

Vor allem Markus J. (28) geriet ins Visier der öffentlichen Meinung, weil er an diesem Sommerwochenende ein JVA-Freigänger war und kurz vor der Entlassung stand. Doch nach ersten Einlassungen und Zeugenaussagen kam der Eindruck auf, dass seine Kumpane im Sinne der Anklage handelten und den 42-Jährigen mutmaßlich aus nichtigem Anlass töteten.

Der Verteidiger von Markus J., der Aachener Anwalt Rainer Dietz, schilderte den Verlauf des tragischen Tages aus Sicht des 28-Jährigen. Ja, der sei durchaus dabei gewesen. Doch der brutale Gewaltexzess sei das Werk der beiden anderen - das sind David C. (27) und sein Cousin Alexander J. (28), alle stammen aus Aachen. „Papa, ich habe keine Ahnung, ich habe nichts gemacht”, soll Markus J. zu seinem Vater gesagt haben, als er am nächsten Tag von dem furchtbaren Ende des Mannes aus der Gartenstraße hörte. Dann stellte er sich.

Der Tag habe für den Freigänger ungezwungen seinen Lauf genommen, das wurde in der Erklärung vor dem Schwurgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) genau dargelegt. Einige Bierchen seien geflossen, aber nicht im Übermaß, und abends habe er sich mit seinem Cousin und David getroffen. Man sei durch den Westpark und zu dem Haus in der Gartenstraße gegangen, hier habe das Trio Speed, eine Droge, kaufen wollen.

Sie hätten in eine Wohnung im dritte Obergeschoss aufgesucht - und hier habe es umgehend Zoff gegeben. Er habe im hinteren Teil des Wohnzimmers gesessen, sich die Klagen eines jungen Mädchens angehört, das dort mitgefeiert habe. Inzwischen habe sich der Wohnungsmieter mit seinem Freund David bereits lautstark geprügelt. Dann seien Mieter von unten hinzugekommen, drei an der Zahl, die hätten eingreifen wollen. Einer habe ein Messer in der Hand gehalten. Da habe er gewusst, dass dies sein Ende als Freigänger bedeute und als jemand, der alsbald aus dem Knast entlassen werden soll, wenn er jetzt nicht sofort mache, dass er weg komme, so der Angeklagte weiter. Und das habe er dann getan, sei über einen Mann gesprungen, der benommen auf dem Zwischenpodest des zweiten und dritten Obergeschosses gelegen habe - nicht das spätere Gewaltopfer, sondern dessen Begleiter, der zuerst etwas abbekommen habe.

In der Vernehmungen, so Polizeizeuge Dirk H., sei in der Tat auch nur von zwei Tätern die Rede gewesen, die brutal auf den Kopf des Opfers eintraten, der später in einer Blutlache liegend in den Armen der Freundin gefunden wurde. Erst später habe man sich an den dritten Mann erinnert. Die Zeugenaussagen, so der Polizist in der Rückschau, beschrieben als aggressivsten Schläger einen Täter „mit großen Ohrringen und weißem T-Shirt” - das war auf alle Fälle nicht Markus J..

Die beiden anderen Angeklagten schweigen bislang, Der Prozess geht am morgigen Donnerstag weiter.

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