Blue Gate mit "Erstem Spatenstich": Gebäuderiegel neben Hauptbahnhof

Bauvorhaben neben dem Bahnhof : Für Blue Gate sind fast 90 Millionen Euro nötig

Die neuen Eigentümer des Mammutbauvorhabens neben dem Hauptbahnhof feiern den „Ersten Spatenstich“. Bis 2022 sollen vier große Gebäuderiegel unmittelbar neben der Bahnstrecke fertig sein. Blue Gate ist eines der teuersten Bauprojekte in der Geschichte Aachens.

Reihenweise rumpeln die 40 Tonnen schweren Kipplaster an der Festgesellschaft vorbei. Links Schampus, rechts Baulärm. Tausende Kubikmeter Erdreich werden ausgebuddelt, die Löcher für das Fundament eines der teuersten Bauprojekte in der Geschichte Aachens sind gigantisch. Zwischen Hauptbahnhof und Burtscheider Brücke an der Zollamtstraße sollen spätestens Anfang 2022 vier große Gebäuderiegel unmittelbar neben der Bahnstrecke eingeweiht werden. Beim sogenannten „Ersten Spatenstich“ des Projekts Blue Gate gibt es dann am Montag gleich eine Überraschung.

Neben Oberbürgermeister Marcel Philipp tauchen zum Pressetermin mit Spaten, Bauhelm und Canapé in der ersten Reihe nicht etwa die bisherigen Projektverantwortlichen der Rüsselsheimer Merkur Holding auf. Denn das Mammutbauvorhaben wurde verkauft. Neuer Eigentümer ist der „European Student Housing Fund“, der irische Fonds ist international vor allem im Studentenapartment-Geschäft im großen Stil unterwegs. Den Hut beziehungsweise Helm in Aachen haben nun die Harfid GmbH und BaseCamp auf.

Letztere treiben in der Kaiserstadt auch den Umbau des mondänen Suermondt-Palais zur exklusiven Studierenden-Heimat an. An der Theaterstraße 9 wird allerdings noch fleißig umgeplant. Was OB Philipp hoffen lässt: „Aachen wächst. Gerade studentische Wohnprojekte müssten schneller realisiert werden. Hier bei Blue Gate am Hauptbahnhof werden nun alle eines Besseren belehrt, die gesagt haben: Das wird nie etwas. Hier wird für alle sichtbar mit aller Kraft gebaut – hoffentlich finden andere Vorhaben auch bald eine politische Mehrheit“, erklärt er den geladenen Gästen im Festzelt.

Gewaltige Dimensionen: Für 36.000 Quadratmeter Geschossflächen werden derzeit riesige Baugruben ausgehoben. Am Montag ging der „Erste Spatenstich“ über die Bühne am Bahnhof. Foto: Andreas Steindl

Harfid Hadrovic, Chef der gleichnamigen Unternehmensgruppe, ist eigens angereist. „Es ist das größte Bauprojekt der Unternehmensgeschichte und gerade wegen der Nähe zur Bahn extrem schwierig“, erklärt er. Von ursprünglich 70 auf nunmehr nahezu 90 Millionen Euro sind die notwendigen Investitionen nach Unternehmensangaben gewachsen. Dafür soll der Bahnhof als Visitenkarte der Stadt bald in exquisiter Nachbarschaft glänzen.

Die mittleren beiden der insgesamt vier Gebäuderiegel übernimmt BaseCamp. Der geschäftsführende „Head of Germany“, Andreas Junius, realisiert hier 300 Studentapartments – dazu Gemeinschaftsküchen, Fitnessräume, Waschservice, alles in moderner Designsprache. In ähnlicher Größenordnung, inklusive Studentenhostel, will man an der Theaterstraße Baudenkmal und Neubau Richtung Wirichsbongardstraße bespielen. Junius nennt Aachen „ein hartes Stück Arbeit“ – womit er technische wie politische Rahmenbedingungen anspricht. Viele Bauvorhaben gehen mit jahrelangen Verzögerungen an den Start.

Neben den hochwertigen Studentenapartments wachsen in den beiden äußeren Gebäuderiegeln ein Hotel der Marke Holiday Inn Express mit 160 Zimmern sowie ein 6000 Quadratmeter großer Bürokomplex. Der tiefer gelegene Querriegel unter den Hochbauten soll Einzelhandel und Gastronomie auf 5000 Quadratmetern beherbergen. Die Untergeschosse sind einem Apag-Parkhaus mit 220 Plätzen vorbehalten. Nebenan im Parkhaus Lagerhausstraße hält die Apag bereits unter dem Verwaltungsgebäude 710 Stellplätze bereit. Auch an Radfahrer wird gedacht: Die Radstation, die sich derzeit an der Bahnhofstraße befindet, wird in den Blue Gate-Komplex einziehen. Hier sind 400 Stellplätze für Fahrräder geplant.

Der Spatenstich bei Blue Gate. Foto: Andreas Steindl

Die Investoren versprechen sich neben Renditen auch eine enorme gestalterische Aufwertung des Viertels. Exakt 10.280 Quadratmeter bebaut der „European Student Housing Fund“ – mit Auswirkungen über das Grundstück hinaus. „Gerade für eine führende deutsche Universitätsstadt wie Aachen unterstreicht eine gute Wohnsituation die Attraktivität des Standorts“, betont BaseCamp-Chef Junius. Der Wohnungsmarkt für Studierende soll spürbar entlastet werden – auch wenn Blue Gate keine Apartments im unteren Mietpreissektor verspricht. Dabei soll die neue BaseCamp-Heimat ab 2022 aber keineswegs reihenweise nur wohlsituierte Kommilitonen ansprechen, die Schampus und Canapés bevorzugen ...

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