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Pogrom-Gedenken: Blick in die Vergangenheit bleibt wichtig

Pogrom-Gedenken : Blick in die Vergangenheit bleibt wichtig

Damit sich das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht wiederholt, sind Pogrom-Gedenkveranstaltungen von großer Bedeutung. Auch in Aachen gibt es am 9. November ein Programm, das an das Schicksal der Juden in der Stadt erinnern soll.

Insbesondere die Erinnerung an die Entrechtung, Deportation und Vernichtung der Juden durch die Nazis steht beim diesjährigen Gedenken an die Pogromnacht im Mittelpunkt. „Das Jahr 1941 war in diesem Sinne ein entscheidendes Jahr“, meint Gabi Roentgen, vom Aachener Bündnis Pogromnachtgedenken.

„Denn 1941 gab es den offiziellen Befehl zur Vernichtung“, sagt sie und erinnert an die Deportation, die Ghettoisierung und schließlich die Vernichtung der Juden. „Auf diesem Ablauf liegt in diesem Jahr der Fokus“, ergänzt sie und betont: „Das Schema war immer gleich: Erst wurden Gesetze und Verordnungen erlassen, danach setzte sich die Vernichtungsmaschinerie in Gang.“ Und das war nach Meinung des Aachener Bündnisses Pogromnachtgedenken auch in Aachen nicht anders.

Zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 lädt das Aachener Bündnis auch in diesem Jahr wieder auf den Synagogenplatz Aachen ein. Am Dienstag, 9. November, werden verschiedene Akteure zwischen 17.30 und 18.30 Uhr bei Lesungen und mit Augenzeugenberichten insbesondere auch an das Jahr 1941 erinnern.

Annette Schmidt, Theater K, wird die damaligen Gesetzestexte und Verordnungen in originaler Fassung rezitieren und Schülerinnen und Schüler des Einhard-Gymnasiums verlesen Augenzeugenberichte. Das Grauen muss allein in diesem Jahr unermesslich gewesen sein. Die berüchtigte Einsatzgruppe C habe im September 1941 im russischen Kiew 33.771 Juden, Roma und Sinti erschossen, sagt Ralf Dallmann, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). Und die Zahl macht sprachlos.

Neben dem Gedenken an die Vernichtung der Juden auch in Aachen will Gabi Roentgen den Blick aber auch auf die Gegenwart richten: „Wir müssen die Strukturen, die Menschen ausgrenzen, frühzeitig erkennen und dagegen angehen“, betont sie. Gerade in diesem Sinne sei der Blick in die Vergangenheit so wichtig. Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen wird die Gedenkstunde auf dem Synagogenplatz eröffnen. Illya Kiulia wird sie musikalisch begleiten und Alexandra Simon Tönges wird moderieren. Zur gegenwärtigen Situation gibt der Politikwissenschaftler Richard Gebhardt Denkanstöße und zum Abschluss spricht der Rabbiner Michael Jedwabny das Kaddisch.

Das Gedenken an die Pogromnacht ist in jedem Jahr auch wieder Anlass, die Aachener Stolpersteine zu reinigen. In Aachen gibt es laut Waltraud Felsch, die diese Aktion seit Jahren begleitet, inzwischen 94 Stolpersteine. Laut Felsch beteiligen sich immer mehr Gruppen an der Reinigung der Steine, so seit jüngstem auch die Polizeischule und eine Gruppe junger Migranten, die laut Elisabeth Paul, stellvertretende Städteregionsrätin, auf diese Weise der Gesellschaft gerne etwas zurückgeben wollen. Viele wüssten gar nichts von diesem dunklen Teil der deutschen Geschichte.

Zum ersten Mal wird die Gedenkstunde in diesem Jahr auch mit Mitteln der Bezirksvertretung Aachen Mitte unterstützt: Darüber freuen sich die Organisatoren ganz besonders. Das Gedenken an die Pogromnacht, das der langjährige VVN-BdA-Vorsitzende Kurt Heiler vor Jahren ins Leben gerufen hat, zieht immer weitere Kreise: Inzwischen gibt es laut Hannelore Herpertz, Aachener Bündnis Pogromnachtgedenken, in Aachen und der Städteregion eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die darauf Bezug nehmen. Und zusätzlich werden in diesem Jahr auch 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und natürlich auch in Aachen gefeiert.