Aachen: Bleibt SinnLeffers trotz drohender Pleite?

Aachen: Bleibt SinnLeffers trotz drohender Pleite?

Welche Auswirkungen hat die drohende Insolvenz der Bekleidungskette SinnLeffers auf das Traditionshaus in Aachen an der Ecke Mostardstraße/Großkölnstraße? Mit einer Sanierung in Eigenregie will der Eigentümer — das Modehaus Rudolf Wöhrl — eine mögliche Insolvenz verhindern.

Das Nürnberger Textilhandelsunternehmen beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter. Nun sucht die Eigentümerfamilie einen Investor und will vor allem in Süd- und Ostdeutschland Filialen schließen. In Aachen soll der Geschäftsbetrieb in dem 6800 Quadratmeter großen SinnLeffers-Haus in Marktnähe allerdings dem Vernehmen nach weiterlaufen — auch wenn es dazu von Panagiota Egglezou aus der SinnLeffers-Geschäftsführung gestern noch keine offizielle Bestätigung gab.

Erweiterung möglich: Anstelle des „Young Fashion“-Stores von SinnLeffers könnte an der Großkölnstraße bald ein Neubau entstehen. Foto: Michael Jaspers

„Alles ist auf dem Prüfstand. Aber wir sind guter Dinge. Die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist gut. Wir glauben an unser Unternehmen“, erklärte sie auf AZ-Anfrage aus der Unternehmenszentrale in Hagen. Der Standort Aachen gilt als profitabel.

Rund 140 Mitarbeiter zählt man hier. Andernorts hatten auch überhöhte Mietforderungen von Hauseigentümern die Bilanzen von SinnLeffers schwer belastet. Wöhrl sieht sich Ansprüchen von 45 Millionen Euro gegenüber — dazu zählt nach Medienberichten auch eine Anleihe für den Kauf von SinnLeffers über 30 Millionen Euro.

In der Kaiserstadt reiften bereits im März 2015 Pläne, die Verkaufsflächen an Ort und Stelle um weitere 1400 auf insgesamt 8200 Quadratmeter aufzustocken. Das Stammhaus existiert hier schon seit 156 Jahren. Man wollte die Parkplätze hinter dem Modehaus an der Mostardstraße mit zwei Etagen überbauen. Diese ziemlich komplexen Pläne wurden dem Vernehmen nach ad acta gelegt.

Was allerdings nicht bedeutet, dass man nicht nach wie vor an einer Erweiterung des Aachener SinnLeffers-Hauses interessiert ist. Im Gegenteil: Aus gemeinhin gut informierten Kreisen heißt es, dass — nach der erfolgreichen Umsetzung des deutschlandweiten Sanierungsplans — auch wieder Investitionen angepeilt werden.

Gegenüber dem Aachener Stammhaus hat sich auf der Großkölnstraße das ehemalige „SinnLeffers Young Haus“ in einen trendigen „U1-Store“ verwandelt. Dort findet der fashionbegeisterte Nachwuchs die jüngsten Modetrends im ehemaligen Roxy-Kino.

Dieses durchaus in die Jahre gekommene Haus könnte in naher Zukunft Platz für einen neuen Erweiterungsbau von SinnLeffers machen, heißt es. Angeblich sind die Pläne bereits ausgearbeitet. Wann es genau losgeht, steht aber noch nicht fest. Dies wäre nicht nur für SinnLeffers in Aachen ein wichtiges Signal, sondern auch für die teils unter Leerständen leidende Großkölnstraße.

Zumal in direkter Nachbarschaft: Nach sage und schreibe 17 Jahren Leerstand soll das Areal des ehemaligen Pfeiffer-Modehauses bald mit Leben gefüllt werden. Das Düsseldorfer Unternehmen Peek&Cloppenburg hegt Pläne, dort ein Hotel zu errichten. Die völlig vergammelten Gebäude, die dort das Straßenbild seit langem verschandeln, sollen abgerissen werden. Bauen bleibt also in Aachen groß in Mode — gerade bei Bekleidungshäusern.

SinnLeffers war bereits 2008 in Schieflage geraten. Damals sollten 24 der damals 47 Niederlassungen in Deutschland geschlossen werden. 1000 der 2360 Mitarbeiter sollten ihre Jobs verlieren.