Bisher noch Baustelle: So sieht der Neubau am Aachener Hauptbahhof aus

Vorzeigeprojekt : Imposanter Neubau trotzt Trümmerfeld

Ein hochmodernes Verwaltungszentrum soll den Aufbruch im Bahnhofsviertel beflügeln. Der Gewinnerentwurf wurde jetzt vorgestellt. Mindestens 26 Millionen Euro fließen bis zum Jahr 2023 in 220 Arbeitsplätze.

Vis à vis sieht’s verheerend aus. Wann die Trümmerlandschaft namens „Blue Gate“ der Merkur Holding aus Rüsselsheim neben dem Aachener Hauptbahnhof angeblich fünf schicken Neubauriegeln weicht, steht völlig in den Sternen. Zumal dort zunächst eine andere Großbaustelle ansteht – was Bauvorhaben in unmittelbarer Nähe nahezu ausschließt. Auf rund 5000 Quadratmetern wird die Stadt Aachen zwischen Zollamtstraße und Lagerhausstraße für mindestens 26 Millionen Euro ein hochmodernes Verwaltungsgebäude errichten und damit die Zentralisierung und Modernisierung des 5300 Köpfe starken Verwaltungsapparates vorantreiben – allerdings zunächst für 220 Mitarbeiter der Fachbereiche Personal und Organisation sowie Umwelt. Sie sollen überalterte Gebäude an der Reumontstraße und am Adalbertsteinweg räumen.

Baubeginn im Jahr 2020, Fertigstellung 2023. So lautet der Plan, wenn die Politik im Herbst grünes Licht gibt. Jetzt hat ein hochkarätiges Preisgericht den architektonischen Siegerentwurf – natürlich anonym – ermittelt. Der soll auf dem Areal unmittelbar neben dem gewaltigen, Jahrzehnte alten grünen Betonklotz und der Wohnbebauung Ecke Lagerhaus-/Burtscheider Straße implantiert werden. Alte Lager- und Fabrikhallen sowie Parkplätze fallen dort weg. Das Büro Gerkan, Marg und Partner (gmp) aus Aachen überzeugte die Expertenjury. Architekt Christian Hoffmann erläuterte am Freitag bei der Vorstellung der Siegerentwürfe, warum gerade die Zollamtstraße künftig erheblich an Bedeutung gewinnt. „Die neue Eingangsadresse wandert auf die Bahnhofseite, ein viergeschossiger Baukörper erhebt sich dort über dem zweigeschossigen Sockelbau als Landmarke“, sagte er. Formgebung und die Glas-/Stahlhülle erinnern ein wenig an den eindrucksvollen Trianel-Bau an der Krefelder Straße neben dem Tivoli – auch der stammt von gmp. Bis zu 20 Meter erhebt sich der Baukörper über die Zollamtstraße. Innen ist eine hochmoderne Arbeitslandschaft mit einem „Kommunikationsboulevard“ auf zwei Ebenen angedacht.

Personal- und Organisationsdezernent Dr. Markus Kremer stellte bei der Vorstellung im Depot Talstraße sichtlich zufrieden fest: „Es ist ein Entwurf gelungen, der städtebaulichen Belangen ebenso Rechnung trägt wie unserem Bedarf an zukunftsweisenden und attraktiven Arbeitsplätzen.“ Die Konzentration der derzeit sehr dezentral über Aachen verteilten Stadtverwaltung gewinne „strategische Bedeutung“. Klaus Schavan, Technischer Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements, sagte: „Das Preisgericht hat hervorragende Arbeiten ausgezeichnet. Damit haben wir die Gewähr, die an uns gestellte Aufgabe mit versierten Fachleuten durchzuführen und dabei gleichzeitig die Verwaltung der Zukunft neu zu denken und baulich umzusetzen.“

Verkehrstechnisch sei der neue Verwaltungstrakt vor allem per Bus und Bahn perfekt erreichbar. Weiterer Vorteil: Papierlos sollen Verwaltungsabläufe künftig organisiert werden, was dann auch riesige Keller zum Archivieren von Akten überflüssig macht. Keine Büros in kleinteiliger Zellenstruktur wie im Altbau nebenan, in dem übrigens sogar der Planungsausschuss in einem fensterlosen Raum ohne jede Weitsicht tagen muss, vielmehr großzügige Arbeitswelten ohne überflüssige Mauern und Innenwände schweben den Planern vor. Und irgendwann – so nicht nur die Stadt ständig steigende Baukosten (und gleichzeitig die über 40 Millionen Euro teure Kurhaus-Sanierung an der Monheimsallee), sondern auch die Merkur die Vision „Blue Gate“ stemmen kann, könnte am Bahnhof in knapp zehn Jahren ein neues Stadtviertel Profil gewinnen.

Verheerende Trümmer-Areale gibt es derzeit nämlich auch noch auf der anderen Seite der Bahnlinie – vis à vis in Bunkernähe an der Burtscheider Brücke.

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