Verkauf von St. Peter am Bushof: Bischof Dieser lässt Millionendeal platzen

Verkauf von St. Peter am Bushof : Bischof Dieser lässt Millionendeal platzen

Es hätte ein Millionendeal werden können. Der für die Aachener Pfarrkirche St. Peter zuständige Kirchenvorstand hatte einen Investor zur Hand, der das historische Gotteshaus und Nachbargebäude neben dem Bushof übernehmen wollte.

Genauso wie das im vom Generalvikariat vorgegebenen Prozess „Kirchliches Immobilienmanagement“ (KIM) als Sparvorgabe empfohlen war. Doch dann legte Bischof Helmut Dieser offenbar sein Veto ein. Denn die Bistumsspitze muss die Profanisierung absegnen, obwohl die Kirchen allein in Pfarrbesitz sind.

Warum nun plötzlich eine Kirche von der Streichliste verschwindet? Pfarrer Franz Josef Radler – zuständig für die Gemeindegemeinschaft Franziska von Aachen mit St. Foillan neben dem Dom, Heilig Kreuz, St. Adalbert, St. Andreas, St. Marien und eben St. Peter – bestätigt den Abbruch der Verkaufsverhandlungen am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Das Angebot hat sich zerschlagen. Der Bischof hatte einem Verkauf nicht zustimmen wollen“, sagt er. Was die Pressestelle des Bistums im Namen von Bischof Dieser bestätigt: „Für das Bistum Aachen hat mit dem Jahr 2018 ein bedeutender pastoraler Veränderungsprozess begonnen. Dies betrifft die pastorale Ausrichtung aller Ebenen des Bistums und somit auch die Entwicklung in den einzelnen Gemeinden und Gemeinschaften der Gemeinden“, teilt das Generalvikariat mit.

Und weiter: „Daraus resultierend sind Auswirkungen auf die Entscheidungen des KIM-Prozesses und damit auf die Gebäudelandschaft einzelner Pfarreien nicht auszuschließen. Vor diesem Hintergrund möchte Bischof Dr. Helmut Dieser, dass in diesem besonderen Fall ein bauhistorisch besonders wertvolles und städtebaulich an herausragender Stelle befindliches Kirchengebäude wie St. Peter in Aachen vorerst in seiner liturgischen Widmung erhalten bleibt.“

Stimmt nicht jeder Profanisierung einer Kirche zu: der Aachener Bischof Helmut Dieser. Foto: ZVA/Harald Krömer

Aus dem Kirchenvorstand gibt es Stimmen, die darüber mehr als verärgert sind. Zumal Überlegungen, St. Peter mit nur noch einigen Dutzend Gläubigen, die laut Aushang nur noch einmal pro Woche sonntags um 11.30 Uhr zur Messe kommen sollen, grundsätzlich umzubauen, seit langem kursieren. Der Unterhalt des – außer Dom und Rathaus – ältesten Kirchturms der Stadt Aachen aus dem 12. Jahrhundert, der Barockkirche und der Nebengebäude ist einfach zu teuer. Deshalb war dies eigentlich ein Paradebeispiel für den Schrumpf-, Verkaufs- und Umnutzungsprozess des sogenannten „kirchlichen Immobilienmanagements“, der im März 2017 abgeschlossen wurde. „Kirchliche Gebäudeentwicklung“ (KGE) heißt das KIM-Nachfolgeprojekt offiziell. Bis zu 20 Umnutzungsprojekte wurden eingeleitet. Alle Listen blieben aber geheim. Das Generalvikariat bot betroffenen Pfarreien Experten für die Analyse- und Konzeptphase an. Bezuschussungen von bis zu 60 Prozent wurden damals angekündigt.

Allein in Aachen werden – Stand Mitte 2017 – 14 von insgesamt 48 Kirchen nicht mehr vom Bistum bezuschusst. Weil die katholische Kirche mit immer weniger Kirchensteuereinnahmen, Gläubigen und Priestern rechnet, hatte das Bistum alle 2700 Gebäude der Gemeinden analysiert – darunter 1900 pastoral genutzte Gebäude und 574 Kirchen, natürlich nicht nur in Aachen. Bis zu 20 Millionen Euro sollte die Instandhaltung jährlich verschlingen, hatte man kalkuliert. Zu viel. Rund 33 Prozent der Kosten sollten eingespart werden – so die Vorgabe des Generalvikariats. Über sechs Jahre lief der KIM-Prozess.

Bezogen auf den Gebäudebestand seit 2003 in Aachen wurden nur noch 34 Kirchen bei Instandsetzungsmaßnahmen finanziell unterstützt. Der Rotstift war ebenso im Umfeld unterwegs. Nur 23 von 46 Pfarrheimen sollten aus Kirchensteuergeldern baulich erhalten werden. Damit fiel jedes zweite Gebäude aus dem Raster. Nur noch 17 von zuvor 39 Aachener Pfarrhäusern wurden bezuschusst.

Bistumsweit gebe es nur noch für 412 der insgesamt 574 Kirchen „Baugeld“, zum Beispiel zur Sanierung maroder Dächer, hieß es in der Bilanz des KIM-Prozesses vor anderthalb Jahren. 303 von vormals 507 Pfarrheimen sollten nicht mehr bezuschusst werden, außerdem nur noch 141 von vormals 492 Pfarrhäusern.

Schon lange vor dem KIM-Prozess, nämlich im Jahr 2003, hatten sich engagierte Gläubige Gedanken um die Zukunft St. Peters gemacht. Peter Grube, damals Geschäftsführer im Kirchenvorstand von St. Peter, verfolgte ambitionierte Ziele: „Damals besaßen wir 380 Sitzplätze, mit neuer Bestuhlung hätten es 500 werden können: für Konzerte, Lesungen und mehr. Und mit einem mutigen Teilumbau der Kirche auch unter Denkmalschutzgesichtspunkten hätte man einen Konzertsaal, vielleicht als Haus für Musik, für bis zu 900 Besucher realisieren können“, erinnert er sich. Eine Bedarfsanalyse lag vor, Architektenpläne folgten.

Alles wurde nach vielen Gesprächen mit entscheidenden Gremien verworfen. Dabei gab es viele Ideen – und eben zuletzt auch das Millionenangebot eines auswärtigen Investors in Zusammenarbeit mit Studierenden und der Hochschule. Jetzt steht der Bau seit geraumer Zeit fast die ganze Woche leer; das gilt teils auch für die zur Pfarre gehörenden Nachbargebäude am Peterskirchhof. Wie es nun vielerorts – auch angesichts des neuen Bischofsfahrplans – weitergeht, ist völlig unklar. Deals liegen in weiter Ferne.