Aachen: Bienenzüchter testen bald eigenen Honig

Aachen : Bienenzüchter testen bald eigenen Honig

„Na, wer traut sich?“ Imker Klaus Georg Geller hält die Wabe voller Bienen in die Höhe. Skeptische Blicke mustern genau, wie die kleinen Insekten sich verhalten. Aber Grund zur Sorge besteht nicht. „Die Bienenmänner stechen nicht. Da könnt ihr einfach mal einen auf die Hand nehmen“, beruhigt Geller die Schülerinnen und Schüler der 4. Aachener Gesamtschule.

Vorsichtig nehmen sie eine Biene des Schwarms auf ihren Finger und nutzen die Gelegenheit, sich die Tiere einmal genauer anzusehen.

Schuldirektor Hanno Bennemann beobachtet das Treiben mit großem Interesse, immerhin haben seine Schüler lange auf diesen Moment gewartet. „Wir freuen uns sehr, dass wir ab sofort zwei Bienenvölker an unserer Schule beheimaten. Es handelt sich dabei um den Aufbau einer schuleigenen Imkerei, die wir als Antwort auf das weltweite Insektensterben ins Leben gerufen haben“, so Bennemann.

Gemeinsam mit drei Kollegen wird der Schulleiter derzeit zum Imker ausgebildet, um das erlernte Wissen anschließend an seine Schützlinge weitergeben zu können. Geller greift derweil zur mit Hanf gefüllten Rauchmaschine. Durch den Rauch gehen die Bienen auf die Waben, und dem Umzug in ihre neuen Wohnungen steht nichts mehr im Weg. „Wir setzen die Völker nun in die Kästen, und auf den Waben kann in den nächsten Wochen der Honig angetragen werden“, erklärt Geller.

Auf die süße Leckerei müssen die Schüler allerdings noch etwas warten. Zwar dauert es vom Ei bis zur fertigen Biene nur drei Wochen, jedoch nimmt die Honigproduktion selbst erheblich mehr Zeit in Anspruch. Da sich ein Volk allein schon auf bis zu 40 000 Bienen ausweiten kann, seien 15 Kilo Honig pro Volk durchaus denkbar, betont Geller ferner.

Auch Paul und Leonhard haben vorab in der Bienenwerkstatt gelernt, welche Dinge die kleinen Tiere zum Leben brauchen, und was die Aufgaben eines Imkers sind. Somit sind sie optimal auf den Einzug vorbereitet. „Natürlich sind wir gespannt, wann wir endlich den ersten Honig ernten können, aber das ganze Drumherum und die Vorbereitungen waren ebenfalls toll, und wir haben eine Menge gelernt“, erzählt Paul.

Und Martin Spätling, Didaktischer Leiter der Schule, lobt: „Durch den Umgang mit Insekten übernehmen die Kinder und Jugendlichen Verantwortung für die Natur, bauen Ängste ab und handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Diese sowie die globale Gesundheit haben bei uns einen besonders hohen Stellenwert; im Rahmen des Projektes ,Bildung für nachhaltige Entwicklung‘ werden an unserer Schule diverse Aktionen diesbezüglich durchgeführt.“

So nehmen Schüler auch an einem Wettbewerb zur Umgestaltung des neuen urbanen Schulgartens zu einem Lebensraum für Insekten teil. In den nächsten Wochen wird zudem ein Gemüseacker angelegt, auf dem zahlreiche Blumen und Sträucher gepflanzt sowie „Insektenhotels“ gebaut werden. „Schüler und Lehrer lernen gemeinsam, und wir merken jetzt schon, dass sie bewusster ihre Umwelt und die Natur beobachten“, resümierte Bennemann.

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