Richterich: „BI-Dell“ kämpft um jeden Unterstützer

Richterich: „BI-Dell“ kämpft um jeden Unterstützer

Kreativ muss man halt sein. Tatsächlich ist auf diese Idee bisher noch keine Bürgerinitiative gekommen. Mit einer Annonce im „Super Sonntag“ sind jetzt die Protagonisten der „Bürgerinteressen Richtericher Dell“ (BI-Dell) auf die Jagd nach Unterschriften gegangen.

Um jeden Unterstützter wird gekämpft, wenn es darum geht, ein Bürgerbegehren gegen das geplante riesige Neubaugebiet zwischen Alt-Richterich und Horbach zu realisieren. Damit wollen die Initiatoren die Politik zum Umdenken und zur Abkehr von dem Vorhaben bewegen. Kommen rund 7900 Unterschriften zusammen, muss sich der Stadtrat abermals mit dem Thema befassen. Bleibt er bei seinem Ja zu Richtericher Dell, würde es einen Bürgerentscheid wie vormals zur Campusbahn, zum Bauhaus Europa und zum Gewoge-Verkauf geben.

Zeit wird knapp

Allerdings wird die Zeit für die „BI-Dell“ knapp. Bisher hat man rund 2000 Unterschriften zusammen, wie Peter Philippen-Lindt, einer der drei Sprecher der Initiative, erklärt. Bis zum 24. Juni ist Zeit, um weitere knapp 6000 zu sammeln und das ganze Paket dann der Stadt zur Prüfung auf den Tisch zu legen — also nicht einmal mehr zwei Wochen.

Dennoch ist Philippen-Lindt zuversichtlich. Aus der Zeitungsaktion vom vergangenen Sonntag seien nun die ersten Rückläufer eingetroffen. Dort wurde gebeten, die Unterschriften — gesammelt wird natürlich in der gesamten Stadt und in allen Stadtteilen, nicht nur in Richterich — bis zum 18. Juni einzureichen. Unterschrieben hätten bisher auch Ratsleute, deren Namen die Initiative jedoch nicht preisgibt. Und die CDU-Politiker Alexander Gilson (Laurensberg) sowie Marlis Köhne und Holger Brantin (beide Richterich) hätten sich die Präsentation der „BI-Dell“ interessiert vorführen lassen.

Dabei wurden natürlich die vielen Kritikpunkte vorgetragen, die die Initiative gegen das Groß-Wohnbauprojekt ins Feld führt. Unter anderem gehören dazu „erhebliche Umweltzerstörungen in einer über 2000 Jahre alten Kulturlandschaft“, die es nach Ansicht der Initiative geben würde. Das Klima werde durch die großflächige Versiegelung weiter aufgeheizt. Dabei gingen die Planungen „am Bedarf an preiswertem Wohnraum kilometerweit vorbei“.

„Bedarf nicht nachgewiesen“

Die „BI-Dell“ sei nicht generell gegen Bebauungen. Doch diese müssten nachweislich erforderlich sein, was im vorliegenden Fall nicht so sei. So solle der Fokus stärker auf Brachen und Baulücken gerichtet werden. Es fehle überdies an Wirtschaftlichkeitsberechnungen für das geplante Vorhaben. Die Vorgaben des Landesentwicklungsplans würden ebenfalls missachtet, der eine Schonung wertvoller Böden und landwirtschaftlich genutzter Flächen vorsehe. Nicht zuletzt habe es keine Abstimmung mit den Nachbargemeinden gegeben.

Den jahrelangen politischen Beteuerungen, dass zunächst eine notwendige Umgehungsstraße und erst dann die Häuser gebaut würden — so dieser Tage zum Beispiel von der Richtericher CDU nochmals betont —, schenkt die Initiative keinen Glauben. Denn beschlossen worden sei etwas anderes — nämlich das parallele Bauen.

Und so gehen die Verantwortlichen für das Bürgerbegehren jetzt in den Endspurt im Kampf um die nötigen Unterschriften. Dabei geben sie weiterhin das plakative Motto aus: „Flächenfraß ohne Maß = Kostenfalle für Alle!“

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