Aachen: Bezahlung der Schwertbad-Mitarbeiter ist „ein Skandal“

Aachen: Bezahlung der Schwertbad-Mitarbeiter ist „ein Skandal“

Um Leben oder Tod geht es nicht im Tarifkonflikt im Burtscheider Schwertbad, aber dass für die Mitarbeiter der Reha-Klinik bald eine „Deadline“ erreicht ist, das wird am Mittwoch sehr anschaulich deutlich. In einer „aktiven Mittagspause“ bilden die Beschäftigten mit ihren Körpern auf dem Pflaster der Burtscheider Fußgängerzone die sogenannte Herz-Null-Linie nach, die am entsprechenden medizinischen Gerät zu sehen ist, wenn die Herztöne des Patienten aussetzen.

Symbolisiert werden soll durch das Bild die letzte Frist, die die Gewerkschaft Verdi und die Belegschaft wie berichtet dem Arbeitgeber im Tarifstreit setzen: Wenn dieser — hinter der Schwertbad GmbH steht die zur katholischen Kirche gehörende Marienhaus Holding in Rheinland-Pfalz — bis zum 15. Mai kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegt, wird gestreikt.

Denn für die Beschäftigten im Schwertbad ist das Maß laut Verdi längst voll, pfeifen sie doch schon lange auf dem letzten Loch, zumindest finanziell betrachtet. 20 bis 25 Prozent verdienen sie beispielsweise weniger als ihre Kollegen in der benachbarten Rheumaklinik, die zur gleichen Holding gehört, seit mehr als zwölf Jahren haben sie keine Gehaltserhöhungen mehr erhalten, als Wertschätzung gab es allenfalls mal Tankgutscheine und dubiose Reisebons — all diesen Behauptungen von Gewerkschaft und Betriebsrat hat die Marienhaus-Geschäftsleitung bislang nicht widersprochen.

„Christlich ist anders“, brandmarkt Verdi-Sekretär Harald Meyer diese Vergütungsverhältnisse als „unanständig“ und erhält dabei kräftige Unterstützung vom Aachener DGB-Vorsitzenden Ralf Woelk, der kein Blatt vor den Mund nimmt: „Das ist ein Skandal. Diese Rahmenbedingungen im Schwertbad sind eine Sauerei.“ Woelk will das Thema nun beim nächsten runden Tisch des Aachener Bischofs ansprechen und hofft, dass sich auf diese Wege vielleicht etwas bewegt. „Normalerweise müsste die Katholische Kirche auf solche Arbeitsbedingungen in ihren eigenen Betrieben sehr empfindlich reagieren.“

Kämpferisch reagiert dagegen Verdi-Mann Harald Meyer darauf, dass sich für die Marienhaus Holding durch die Streikandrohung „nichts geändert hat“, wie der Sprecher des Konzerns der AZ mitgeteilt hatte. „Die werden merken, was sich ändert“, sagt er in Richtung seiner bisherigen Verhandlungspartner, die sich frühestens Mitte des Jahres wieder mit der Gewerkschaft an einen Tisch setzen wollen, um eine „zufriedenstellende Lösung“ zu finden.

Meyer dagegen will schon nächste Woche verhandeln, allerdings mit dem Geschäftsführer des Schwertbads. Dabei soll es um Notdienstvereinbarungen gehen, damit im Ernstfall „die Patienten nicht die Leidtragenden sind“. Was dieser Ernstfall sein wird, ist klar: Im Schwertbad stehen die Zeichen auf Streik.