Aachen: Beverstraße: Politik stellt Donnerstag Weichen

Aachen : Beverstraße: Politik stellt Donnerstag Weichen

Drei Bagger bereiten den Boden für ein 60-Millionen-Euro-Projekt: An der Beverstraße haben sie vor kurzem damit begonnen, die Tiefgarage des früheren Finanzamtes abzubrechen. Damit ist der bauliche Startschuss für das Projekt Kronprinzenquartier gefallen, mit dem 185 Wohnungen am Rande des Frankenberger Viertels geschaffen werden sollen.

Nach vielen Jahren des Stillstands, in denen manch städtebaulicher Traum platzte und auf dem 12000 Quadratmeter großen Areal allenfalls Unkraut gedieh, geht es nun zwischen Oppenhoffallee und Bahnhof Rothe Erde voran.

Großer Streit um kleinen Weg

Auch das Planverfahren tritt in die entscheidende Phase. Am morgigen Donnerstag soll der Planungsausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor) die letzten Weichen stellen. Doch was die Verwaltung der Politik jetzt nach monatelanger Abstimmung zur Entscheidung auf den Tisch legt, sorgt in der AWO-Kita „Mittendrin“ an der Goerdelerstraße für Frust. „Wenn das umgesetzt wird, hat das katastrophale Auswirkungen für unsere Kita“, sagt AWO-Geschäftsführerin Gabriele Niemann-Cremer auf AZ-Anfrage.

Was die AWO, die Kita-Leitung und die Elternschaft erzürnt, ist nicht das Bauprojekt an sich, das finden sie sogar gut. Stein des Anstoßes ist vielmehr ein Weg, der das Neubaugebiet mit der Goerdelerstraße verbinden soll. Dieser Weg ist ein spezieller Wunsch der Stadt. Man will das Wohngebiet öffnen, dunkle Angsträume sollen vermieden werden. Bloß: In den ersten Plänen durchschnitt der Weg das Außengelände der Kita genau dort, wo es laut Erziehern für die pädagogische Betreuung am wichtigsten ist: wo nämlich die Kinder des Bewegungskindergartens im Freien spielen, aber von drinnen im Auge behalten werden können.

Seit im Frühsommer dieses Jahres die Pläne bekannt wurden, wehren sich AWO, Kita-Leitung und Elternschaft nach Kräften. Man sammelte 1500 Unterschriften in der Nachbarschaft, man lud Oberbürgermeister Marcel Philipp und Vertreter der Ratsfraktionen zum Ortstermin, man schrieb einen offenen Brief an den OB und die Politik, und man machte Alternativvorschläge. Der OB sprach in diesem Zusammenhang im Sommer noch von „interessanten Ideen“ der Eltern und zeigte sich zuversichtlich, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden könne.

Doch was die Verwaltung jetzt empfiehlt, ist eine Zerschneidung des Außengeländes. Sechs Varianten habe man überprüft, heißt es in der Vorlage, aber die von der Kita vorgeschlagenen Alternativen seien „aus städtebaulicher und kriminalpräventiver Sicht nicht empfehlenswert“. Dass die jetzt vorgeschlagene Variante für die Kita „nicht empfehlenswert“ ist und zu einem „Qualitätsverlust“ führt, weiß man bei der Verwaltung auch, hält man aber in Abwägung aller Belange für vertretbar.

Bauherr beklagt negatives Image

„Wir sind entsetzt“, kommentiert dies Christian Rein, Sprecher des Elternrats der Kita. Schon im Beteiligungsprozess habe man sich von der Verwaltung nicht wirklich ernst genommen gefühlt. „Und das Ergebnis zeigt, dass man offensichtlich überhaupt nicht bereit war, eine Lösung zu finden, die unsere Bedenken miteinbezieht.“

Durchaus beeinträchtigt durch die Diskussionen um die Kita fühlt sich derweil der Bauherr des Großprojekts. Man könne die Sorgen der Kita nachvollziehen und begrüße den konstruktiven Dialog zu dem Thema, sagt André Houben, Geschäftsführer der Kronprinzen GmbH. Aber: „Der Abwägungsprozess liegt nicht bei uns, sondern hoheitlich und alleinig bei der Stadt.“ Und es sei „sehr schade, dass ein solch einzigartiges Projekt mit einer hohen Qualität an Architektur und Städtebau“ in der öffentlichen Wahrnehmung auf den Streit um den Weg reduziert werde.

Dabei wolle man unter anderem auch die triste Situation vor und an dem großen Wohngebäude in der Goerdelerstraße, in dem die Kita untergebracht ist, nachhaltig verbessern, verweist Houben auf Pläne des Büros „kadawittfeldarchitekten“. In der düsteren Ecke, in der heute nur eine Laterne brenne, wolle man mit viel Grün und neuer Beleuchtung dafür sorgen, „dass endlich mal das Licht angeht“.

Bevor es so weit ist, wird am Donnerstag im Ausschuss noch einmal diskutiert. Und viele Eltern aus der Kita „Mittendrin“ werden zuhören.