Aachen: Besucherzahlen der Museen: Nur das Ludwig Forum rettet die Bilanz

Aachen: Besucherzahlen der Museen: Nur das Ludwig Forum rettet die Bilanz

Wenn sich die Politik im Kulturausschuss des Rates am 26. September die erste Zwischenbilanz im Hinblick auf Besucherzahlen und Erlöse der städtischen Museen im laufenden Jahr zu Gemüte führt, dürfte Letzteres auch, aber beileibe nicht nur, von wärmstem Sonnenschein durchflutet werden.

Weil von den Rechenkünstlern im Kulturbetrieb eben auch nichts anders zu lernen sein wird als von Kreativen und Kuratoren: Am Ende kommt‘s halt stets auch auf die Perspektive an.

Schwierige Neuaufstellung: Nur das Ludwig Forum hat von den geänderten Regelungen in Sachen Entgelte und Gratisangebote profitiert, während die übrigen Museen Besucherrückgänge zwischen 17,3 und 24 Prozent verzeichnen. Die Verwaltung schlägt jetzt unter anderem vor, im Zeitungsmuseum keinen Eintritt mehr zu erheben. Foto: Jaspers, Krömer, Herrmann, Roeger

Kulturdezernentin Susanne Schwier jedenfalls kann den jüngsten „Anpassungen“ in Sachen Preis(paket)e und Öffnungszeiten ziemlich viel Gutes abgewinnen. Und zückt gleich vier Trümpfe, nachdem die Karten im komplizierten Tarifpoker zum 1. Januar neu gemischt worden sind.

Energieschub: Bernd Büttgens, Heike Krier, Sabine Tramm-Werner, Markus Terodde, Gerti Steffens und Sven Pennings (v.l.) stellten das Motto des Innovationswettbewerbs der Gründer-Region Aachen vor. Foto: Jaspers, Krömer, Herrmann, Roeger

Wenig Grund zur Freude

Leichte Zuwächse bei den Einnahmen, aber teils herbe Verluste bei den Besucherzahlen: Kulturdezernentin Susanne Schwier hat „spitz“ rechnen lassen. Foto: Jaspers, Krömer, Herrmann, Roeger

Erstens: „Unterm Strich ist die Zahl der Gäste in allen Häusern im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 gestiegen“, frohlockt die Beigeordnete. In der Tat hat die äußerst detaillierte Evaluation ihrer Kollegen vom Kulturbetrieb (denen Schwier in diesem Zusammenhang „vorbildliche Arbeit“ attestiert) eine Steigerung der Besucherzahlen um immerhin 1,65 Prozent auf im Ganzen 46.245 zutage gefördert.

Allerdings gibt es bei kritischer Analyse eher wenig Grund zur Freude. So ist die Quote der Vollzahler zwischen 1. Januar und 30. Juni laut Verwaltung um knapp 5,4 Prozent gesunken, über ermäßigte Tarife passierten dagegen 4,9 Prozent mehr Gäste die Kassen von Ludwig Forum, Suermondt-Ludwig-Museum, Centre Charlemagne, Couven- und Zeitungsmuseum. Insgesamt wurden 3231 Gäste bis 21 Jahre gezählt, die überhaupt keinen Eintritt mehr zahlen.

Und: Bei der Betrachtung der einzelnen Häuser fällt sofort ins Auge, dass insbesondere das Forum erheblich von der gewachsenen Resonanz profitiert hat. An der Jülicher Straße sind die Besucherzahlen im ersten Halbjahr um stolze 151 Prozent auf im Ganzen 17.077 gestiegen. Was wohl maßgeblich darauf zurückzuführen ist, dass donnerstags (dank Finanzspritze der Firma Zentis) kein Entgelt erhoben wird. Das Gratisangebot nahmen 5223 Gäste, also gut 30 Prozent der Besucher, in Anspruch.

Alle übrigen Häuser verzeichneten dagegen Einbußen. Im Centre Charlemagne wurden 24 Prozent weniger Gäste registriert (15884), im Zeitungsmuseum lag der Schwund bei 17,3 Prozent (2241), im Suermondt-Ludwig-Museum bei 20 Prozent (6156) und im Couven-Museum ebenfalls bei 24 Prozent (5087).

Zwei Häuser schwächeln

Womit sich die Gesamtbilanz freilich erheblich trübt. So hat die Dezernentin durchaus zwei „Sorgenkinder“ ausgemacht. Vor allem das Suermondt-Ludwig-Museum und das Zeitungsmuseum schwächelten im Hinblick auf die Besucherzahlen erheblich, während dem Centre Charlemagne zuzugestehen sei, dass der „Neugier-Hype“ nach der Eröffnung im Juni 2014 allmählich abebbe.

Zweite positive Nachricht: „Die Einführung des freien Eintritts für alle Besucher bis 21 Jahre hat sich bewährt“, sagt Schwier. Die Statistiken verzeichnen hier einen Zuwachs um satte 60 Prozent. Kehrseite: Naturgemäß sei durch die Neuregelung ein „finanzielles Delta“, also ein Defizit, von 9693 Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum entstanden.

Drittens: „Die neue Kombikarte ,six for six‘ wird gut angenommen“, konstatiert die Beigeordnete. Mit dem Ticket werden ermäßigte Entgelte beim Besuch von sechs Häusern (inklusive Rathaus) innerhalb von sechs Monaten ermöglicht. Im Ganzen hat der Kulturbetrieb eine Steigerung um stolze 266 Prozent (683 Sammelkarten) im Vergleich zum bisherigen Angebot ermittelt.

Viertens: „Trotz Reduzierung der Öffnungszeiten um eine Stunde sind die Einnahmen nicht gesunken“, sagt Schwier. Laut Berechnung ist das Defizit in der Gegenüberstellung von Eintrittserlösen und Personalkosten um mehr als die Hälfte reduziert worden, nämlich von rund 100.000 auf 47.000 Euro. Zugleich sind die Gesamterträge von 290.000 Euro auf 306.000 Euro geklettert.

Thema im Kulturausschuss

Fazit: Reichlich Diskussionsbedarf dürfte die Politik in Kürze also einmal mehr reklamieren. Die Verwaltung will für die nächste Sitzung des Kulturausschusses (26. September, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) vorschlagen, die verkürzten Öffnungszeiten (in der Regel 10 bis 17 Uhr) zunächst beizubehalten.

Lediglich mit Blick aufs Centre Charlemagne wird die Rückkehr zur vorherigen Regelung — 10 bis 18 Uhr — empfohlen. Zudem hofft die Dezernentin, dass in absehbarer Zeit auch ein Sponsor für das Suermondt-Ludwig-Museum gefunden wird, so dass auch dort ein freier Tag pro Woche angeboten werden könne. Und: Wünschenswert sei aus Sicht der Verwaltung, im Zeitungsmuseum künftig generell keinen Eintritt mehr zu erheben.

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