Städteregion: Besuch aus Südkorea: Den e.GO genau unter die Lupe genommen

Städteregion: Besuch aus Südkorea: Den e.GO genau unter die Lupe genommen

Handys werden gezückt, die ausgestellten Autos genauestens unter die Lupe genommen. Auf Einladung des Business Network Aachen (BNA) ist eine sechsköpfige Delegation aus Ansan am Aachener Campus-Boulevard unterwegs.

Die Männer und Frauen, die unter anderem die private Universität Hanyang vertreten, wollen sich den e.GO, das Aachener Elektroauto, anschauen. Elektromobilität ist eine von mehreren Brücken, die derzeit zwischen Aachen und der Städteregion auf der einen und der südkoreanischen Stadt auf der anderen Seite geschlagen werden. Es geht um Austausch, und es geht um Investitionen.

„Eventuell könnte auch unser e.GO dort Fuß fassen“, sagt Ahmethricri Agirman vom BNA. Der Vizepräsident der Hanyang-Universität beispielsweise habe sich ausschließlich wegen des Besuchs bei e.GO der Delegation angeschlossen, so Agirman. Elektromobilität ist ein großes Thema in Südkorea, nicht nur in Ansan.

Und in der Tat: Als Christian Steinborn, Leiter der Unternehmensentwicklung bei e.GO, über das junge Unternehmen spricht, ist die Delegation ganz Ohr, stellt interessierte Fragen; darf auch mal Probe sitzen. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto geht es dann weiter. Gut, dass alle Beteiligten bequeme Turnschuhe tragen. Andere Stationen der Delegation sind das Forschungszentrum Jülich und die Verwaltung der Städteregion.

Reges Interesse in der Region

„Wir sind interessiert an der Ansiedlung von Unternehmen, die eine hohe Qualität haben, aber noch Entwicklungspotenzial aufweisen“, sagt Frank Leisten von der Agit (Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer). Für solche Unternehmen biete die Region viele Vorteile. „Wir liegen mitten in Europa“, sagt Leisten, aufgrund der Forschung an der RWTH und am Forschungszentrum in Jülich sei die Region für Unternehmen spannender als Frankfurt oder Düsseldorf. „Dort gibt es zwar viele koreanische Firmensitze“, erklärt Leisten, „aber die haben andere Schwerpunkte“.

Erste Erfolge hat die Korea-Connection bereits vorzuweisen: So hat das Institut für Textiltechnik der RWTH in Ansan das „Smart Textronics Center“ mitgegründet. Hier soll an intelligenten Textilien beispielsweise für das Gesundheitswesen geforscht werden. „Wir überlegen, wie wir die Städtepartnerschaft, die auf Wirtschaft und Wissenschaft zielt, mit noch mehr Leben füllen können“, sagt Thomas Gries, Leiter des Instituts für Textiltechnik der RWTH. So sollen Firmen aus der Region nach Ansan begleitet werden, damit diese den südostasiatischen Markt erschließen können.

Alleine bei der Einweihung des koreanischen Instituts im September war eine rund 20-köpfige Gruppe aus der Region nach Korea gereist. Neben Vertretern der RWTH, Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sowie Markus Terodde und Cyros Clermont von der Städteregion waren darunter Vertreter der Agit, des BNA und von mehreren Unternehmen dabei. Auch Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch begleitete die Delegation.

Denn im Herzogenrather Technologiepark hat sich mit Unitech ein südkoreanisches Unternehmen angesiedelt. Wichtig, sagt Leisten, sind für die erfolgreiche Anbahnung der Partnerschaften gute Kontakte. Die Agit bietet darum in Korea Investitionsseminare an, um interessierten Unternehmen beizubringen, wie sie sinnvoll in Deutschland investieren können. Hilfe bei der Organisation gebe es von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW Invest. Diese unterhält in Korea eine Dependance, die in der Vergangenheit nicht immer ganz unumstritten war.

Neben der Textilforschung seien die Digitalisierung sowie die Automobilindustrie Ansatzpunkte für Kooperationen, erklärt Leisten. „Wir sprechen konkret Unternehmen an, von denen wir glauben, dass sie an bestimmten Vorhaben Interesse haben.“ Und: „Wenn Unternehmen nach Aachen reisen, und das vielleicht auch mehrfach, ist das zwar noch kein unterschriebener Vertrag, aber auf jeden Fall ein gutes Signal“, sagt Leisten.

Unterschrieben ist hingegen das „Memorandum of Understanding“, eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit, unterzeichnet von JongGeel Lee, Bürgermeister von Ansan, und Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Am Mittwoch wird sich der städteregionale Wirtschaftsausschuss mit dem Thema befassen. Auch mit den Kosten, die durch die Partnerschaft mit Ansan für die Städteregion entstehen.

Anders als bei der vom BNA organisierte Reise in diesem September wird im kommenden Jahr die Städteregion selbst eine Delegationsreise auf die Beine stellen: Dafür sei mit Kosten von 40.000 Euro zu rechnen, die im Haushalt 2018 eingeplant werden. Aus der Vorlage für den Ausschuss geht hervor, dass die Städteregionsverwaltung großes Interesse an wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kooperationen hat. Das wird auch von der Agit bekräftigt: „Wir sprechen hier nicht über eine Städtepartnerschaft im klassischen Sinne“, betont Leisten.

Auch Marcel Philipp sieht in den Reisen nach Korea und in den Gegenbesuchen aus Fernost eine gute Gelegenheit, die Region Aachen als Standort für Unternehmen zu präsentieren. Insbesondere dann, wenn so konkrete Ansätze wie die Neugründung des Textilinstituts vorhanden sind.

Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW Invest reagiert auf Kritik

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW Invest, die auch der Agit (Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer) in Ansan unter die Arme griff, hat in der Vergangenheit nicht nur positive Schlagzeilen gemacht.

Der Landesrechnungshof hatte bei der Gesellschaft 2016 „erhebliche Missstände“ festgestellt. „Der Landesrechnungshof hat in seiner Prüfung der Haushaltsjahre 2008 bis 2013 angemerkt, dass keine wesentlichen Ansiedlungsergebnisse aus Südkorea zu verzeichnen seien“, erklärt Sprecherin Annette Peis auf Anfrage. NRW Invest habe daraufhin „Maßnahmen ergriffen, um Unternehmen aus Südkorea intensiver anzuwerben. Mit gutem Ergebnis.“

Inzwischen sei die Zahl der südkoreanischen Investitionsprojekte in NRW deutlich gestiegen. „Südkorea verfügt über ein großes Potenzial an technologieorientierten Unternehmen, die für ihre Forschung und Entwicklung gerne mit der Technologieregion Aachen und insbesondere der RWTH Aachen zusammenarbeiten“, sagt Peis.

Kritik hatte es kürzlich auch gegeben, weil die Leiterin der südkoreanischen Dependance, Soyeon Kim, unter der Flagge Nordrhein-Westfalens Korea-Besuche für ihren Lebensgefährten, den Altbundeskanzler Gerhard Schröder, organisiert haben soll. Dafür sei ihr im August eine Abmahnung erteilt worden.