Bernd Neuefeind engagiert sich für Sehbehinderte und Blinde

Blinden- und Sehbehindertenverein der Städteregion : Der stete Kampf um den Fortschritt

An Arbeit mangelt es Bernd Neuefeind nicht. Vor etwas mehr als drei Jahren ist er zwar mit 65 Jahren in den Ruhestand gegangen. „Aber ich habe fast so viel zu tun wie vorher“, sagt der Aachener. 50 bis 60 Stunden in der Woche engagiert sich Neuefeind ehrenamtlich für blinde und sehbehinderte Menschen – in der Städteregion und auf Landesebene.

Vor Ort geht es in der Regel um die direkte Unterstützung von Ratsuchenden, aber auch um die Sensibilisierung von Politikern und Bürgern für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen, erläutert der stellvertretende Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins der Städteregion. Auf Landes- oder Bundesebene im Vordergrund steht das Bemühen um Verbesserungen der Infrastruktur für Menschen mit Handicaps, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Manchmal müssen Bernd Neuefeind und seine Mitstreiter auf allen Ebenen sogar gegen Verschlechterungen kämpfen. So wie derzeit beim Thema Mobilität. Bus- und Bahnfahren, insbesondere dann, wenn Umsteigen erforderlich ist, ist für Menschen mit einer körperlichen Einschränkung ohnehin nicht ganz ohne. Seit dem 1. Februar ist der Aufwand, den sie bei der Reiseplanung mit der Bahn betreiben müssen, noch größer geworden: Bis zum 31. Januar hat die Deutsche Bahn alle Hilfeleistungen, etwa Umsteighilfen, koordiniert. Doch nun stellt sie den privaten Eisenbahnunternehmen die Kosten für den Mobilitätsservice in Rechnung. Die meisten Unternehmen arbeiten deshalb nicht mehr mit der Mobilitätszentrale der Bahn zusammen, sondern organisieren den Service selbst. Die Folge für Menschen, die auf die Hilfen angewiesen sind: Sie müssen diese bei jedem Unternehmen einzeln beantragen. „Allein in Nordrhein-Westfalen werden mehr als 40 Linien von privaten Unternehmen betrieben“, sagt Bernd Neuefeind. Je nach Reisestrecke müsse man jetzt bei drei, vier oder noch mehr Unternehmen die Hilfen ordern. „Ein enormer Aufwand und eine enorme Einschränkung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen aller Art.“

Mobilität, ob zu Fuß oder mit dem Bus, ist auch in der Städteregion immer wieder Thema. In fast allen Kommunen sind Bernd Neuefeind und der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins der Städteregion, Herbert Sorge, regelmäßig im Gespräch mit den Verwaltungen, etwa über Blindenampeln, breitere Wege oder optische und taktile Hilfen. „Verbesserungen für blinde und sehbehinderte Menschen sind auch Verbesserungen für andere Gruppen“, sagt Bernd Neuefeind. „Breitere Wege beispielsweise nützen auch Menschen mit Kinderwagen oder mit Rollator.“

Vieles wäre für sehbehinderte und blinde Menschen einfacher, wenn die Sehenden aufmerksamer wären, sagt Bernd Neuefeind. „Überwiegend sind die Menschen in der Städteregion hilfsbereit“, betont er. Aber er erlebe es auch immer wieder mal, dass Menschen „testen“, ob er tatsächlich nichts sehen kann. „Sie bleiben beispielsweise plötzlich vor mir stehen.“ Häufig komme es auch vor, dass Leute auf den geriffelten oder genoppten Markierungen an Fußgängerüberwegen stehen, die Blinden zur Orientierung dienen. Oder dass sie in Bahnhöfen ihre Koffer genau auf diesen Leitmarkierungen abstellen. Meist geschehe das nicht aus bösem Willen, sondern aus Unwissenheit, ist Neuefeind überzeugt. Deshalb werden er und seine Kolleginnen und Kollegen nicht müde, die Öffentlichkeit für diese Dinge zu sensibilisieren. Dabei geht es auch um das Thema, wann und wie man Hilfe anbietet. Aber auch darum, nicht enttäuscht zu sein, wenn das Hilfsangebot abgelehnt wird.

Zu einem Schwerpunkt in der individuellen Beratung hat sich in den vergangenen Jahren die technische Beratung entwickelt, erzählt Bernd Neuefeind. Schon in seinem Berufsleben war er ein ausgewiesener Spezialist in Sachen EDV und Computersysteme. Als stellvertretender Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft sehgeschädigter Computerbenutzer ( ISCB) verfügt er zudem über fundiertes Wissen über Handy, Notebook und Co. sowie die entsprechende Software für sehbehinderte und blinde Menschen. Als jemand, der nicht von Geburt an blind war, sondern wie die meisten Menschen seine Sehkraft im Laufe der Jahre verloren hat, weiß er aus eigener Erfahrung, wie den Ratsuchenden zumute ist und was sie brauchen.

Bis jetzt wird ihm seine ehrenamtliche Arbeit nicht zu viel, im Gegenteil, sie mache ihm Spaß, sagt Bernd Neuefeind, der sich auch seit vielen Jahren politisch engagiert, unter anderem als stellvertretender Landesvorsitzender des Netzwerkes Menschen mit Behinderung in der CDU. „Ich habe schon immer gerne versucht, etwas zu bewirken, Defizite zu beheben“, sagt er und fügt hinzu: „Ich gebe zu, ich habe es auch gerne, wenn man mir sagt, dass ich das gut mache.“ Solche Streicheleinheiten brauche doch jeder. Als eine solche haben er und seine Mitstreiter die Auszeichnung ihres Vereins mit dem Stifterpreis Ehrenamt der Städteregion im vergangenen Dezember erlebt. Die 2000 Euro Preisgeld werden in Projekte für Kinder investiert. Unter anderem werden Bilderbücher, Medien und Hörbücher für sehbehinderte Kinder angeschafft und den öffentlichen Büchereien zur Verfügung gestellt.