Vergammelte Ecke: Berliner Zeitgeist reißt die Bastei nieder

Vergammelte Ecke : Berliner Zeitgeist reißt die Bastei nieder

Die Bastei fällt: Ein auswärtiger Investor namens „Zeitgeist“ will den verwahrlosten Bau an der Ecke Ludwigsallee/Krefelder Straße aus der Schmuddelecke holen – und mit Studierenden Rendite machen.

Vergammelt, verrammelt, verscherbelt: Die alte Bastei an der Ecke Ludwigsallee/Krefelder Straße verwaist seit 2014. Damals war das Theater K ausgezogen. Der umtriebige Eigentümer – Professor Hans Kahlen, Initiator der Kaiserplatz-Galerie (Aquis Plaza) und Planer des Kapuziner Karrees – wollte auf seinem Eckgrundstück nur die präg­nante Außenmauer stehen lassen und dahinter 45 Studenten-Appartements errichten.

Inzwischen gehört das Projekt dem Berliner Projektentwickler „Zeitgeist Asset Management“, ein Unternehmen mit tschechischen und polnischen Wurzeln „für Investoren aus Mittel- und Osteuropa“, wie die Firma auf ihrer Website mitteilt. Dort ist jetzt auch die Bastei im Portfolio gelandet – mit nur leicht abgewandelten „Umbauplänen“.

Das für die Bastei namensgebende Mauer-Bollwerk an der Ecke soll nach den Plänen stehen bleiben. Die aufgesetzte vordere Etage und das Eckhaus dahinter müssten indes niedergerissen werden. Statt derzeit vier Etagen sind dann sechs Obergeschosse bis zu einer Höhe von gut 22 Metern vom Projektentwickler vorgesehen. Auf jeder Etage hätten sieben kleine Appartements Platz. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss sowie eine Außenterrasse auf der Höhe, wo jetzt die umkachelte Glasfront des vorgezogenen 1. Geschosses liegt. Das neue Gebäude würde – genauso wie der epochale Vorkriegsbau, der dem Beschuss zum Opfer fiel – deutlich höher als die Nachbargebäude rechts und links von der Bastei.

Hinter der Bastei gehört noch ein schmaler Riegel zum insgesamt 574 Quadratmeter großen Grundstück – wie die Baupläne von „Jaeger Kahlen Partner“ beziehungsweise „AC-Projekte“ ausweisen. In der „Zeitgeist“-Version wirkt nur das Obergeschoss mit einem kleinen Schrägdach weniger dominant. Auf dem hinteren Grundstücksriegel könnten – quasi in den Salvatorberg hinein – weitere Appartements aufgetürmt werden. Die Rede ist von einer Gesamtmietfläche von 1016 Quadratmetern an der Adresse Ludwigsallee 139. Parkplätze für Autos existieren in den Plänen für das Gebäude allerdings nicht. Wann „Zeitgeist“ sein „business student housing“ verwirklichen kann, das angeblich von der eigenen Tochtergesellschaft „Zeitraum“ betrieben werden soll, ist offen. Die Berliner Manager des Projekts ließen Presseanfragen dazu bislang unbeantwortet.

Tatsächlich würde die Umsetzung der Baupläne nicht an die prachtvolle Fassade früherer Jahre heranreichen. Die moderne Architektur mit großen Fensterflächen ist eher schlicht und funktional – wo­ran auch der rote Bastei-Schriftzug auf dem neuen Dach kaum etwas ändern würde.

Vor mehr als hundert Jahren war auf dem Eckgrundstück hingegen ein edles Restaurant in einem herrschaftlichen Bau beheimatet. Später war die Bastei bis Ende der 70er Jahre zunächst Tanzlokal für einsame Herzen, danach eine bekannte und durchaus verruchte Adresse für Nachtschwärmer. Wo vormals Zarah Leander und Rudolf Schock sangen, wo Rotlicht und Plüsch den Ton angaben, war später Striptease angesagt. Dann stand das Lokal viele Jahre leer. Erst das Theater K bereicherte ab 1995 Aachens Kulturszene über das Viertel hinaus mit seinen Produktionen. Zu rund 3000 Vorstellungen in 20 Jahren zog das Theater-Ensemble ungezählte Kulturfreunde an.

Nun soll großes Kino folgen – womöglich mit einem Teilumbau nach umfassender Entkernung statt Komplettabriss und Neubau. Entscheidend wird sein, auf welche Weise eine stattliche Rendite für die auswärtigen Investoren realisiert werden kann. Der frühere Eigentümer Kahlen (AC-Projekte) hatte unserer Zeitung im Jahr 2016 gesagt: „Wir möchten die ursprüngliche Silhouette betonen, gleichwohl aber einen markanten Bau an dieser stadtbekannten Ecke schaffen.“

Wann der Berliner „Zeitgeist“ als aktueller Projektentwickler die alte Bastei im Auftrag eines privaten Investors niederreißt, ist unklar. Unter Denkmalschutz steht der marode Bau nicht. Wohl aber an extrovertierter Stelle unter Beobachtung. An der Außenmauer rufen Banner zur Besetzung der Immobilie auf, die derzeit weiter verwittert, verwahrlost und – nur anders als das frühere Etablissement – verführt...

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