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Kinderuni der RWTH: Bergbauwissen mit Pommes-Beilage

Kinderuni der RWTH : Bergbauwissen mit Pommes-Beilage

Bei der ersten Kinderuni-Vorlesung des Semesters erklärt Bergbauingenieurin Elisabeth Clausen, wie das Salz aus der Erde bis auf den Tisch kommt.

Normalerweise sitzen vor der RWTH-Professorin Elisabeth Clausen angehende Ingenieure Mitte zwanzig, am Freitag sind es rund 400 neugierige Kinder, die auf den Stühlen des Hörsaalgebäudes CARL der RWTH Aachen Platz genommen haben. Sie sind gekommen, um dem ersten Kinderuni-Vortrag des Semesters unter der Überschrift „Wie kommt das Salz auf die Pommes?“ zu lauschen. Für viele ist es nicht das erste Mal, dass sie an einer Kinderuni-Vorlesung teilnehmen. „Ich war vor drei Jahren schon mal hier. Ich weiß zwar nicht mehr, worum es ging, aber es hat mir Spaß gemacht“, sagt der zehnjährige Linus. Für ihn sei es „cool“, im Hörsaalgebäude CARL vorbeizuschauen. „Man kommt ja nicht jeden Tag hier rein.“

Der achtjährige Lasse besucht hingegen zum ersten Mal die Kinderuni. Weil es seiner großen Schwester so gut gefallen habe, wollte er auch unbedingt einmal in eine Vorlesung hineinschnuppern, erzählt er. Mit dem Thema kann er allerdings noch wenig anfangen: „Ich dachte immer, dass man Salz einfach auf die Pommes streut.“

Elisabeth Clausen geht in ihrem Vortrag jedoch nicht etwa auf Salzstreuer oder Gewürzmühlen ein, sondern erklärt, wie das Steinsalz überhaupt entstanden ist und wie es abgebaut wird. Zunächst übt sie mit den Kindern allerdings erst einmal den Bergmannsgruß „Glück auf“, den viele der jungen Besucher bereits kennen und lautstark in den Raum rufen. Und auch bei den Anwendungsgebieten von Salz haben die Kinder viele Einfälle. Die Ideen reichen von „für jedes Mittagsgericht“ bis hin zu „für fast alles“. Dem stimmt auch die RWTH-Professorin zu, die aufklärt, dass Salz tatsächlich in fast allem vorkommt. So unter anderem auch in Spielzeug, in Knochen, im Blut und in Glas.

Dann erfahren die Kinder, dass das Salz, das in Deutschland in Salzbergwerken gewonnen wird, auf ein Urmeer zurückgeht, das unseren Kontinent „noch vor der Dinosaurierzeit“ bedeckt hat. Durch Verdunstung seien Salzschichten entstanden, die heutzutage auf zwei unterschiedliche Arten, die Solegewinnung oder die bergmännische Gewinnung, zutage gefördert werden. Letztere Methode veranschaulicht Clausen mithilfe einer virtuellen Grubenfahrt im Bergbauwerk Borth im Rheinland. Davon und vor allem von einem durch Sprengstoff im Bergbau verursachten Knall sind die Kinder mehr als beeindruckt. Sie schreiben während des Vortrags eifrig mit und trauen sich auch nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstehen. So möchte ein Junge aus dem Publikum wissen: „Was heißt eigentlich ‚unter Tage‘?“

Abschließend geht die Bergbauingenieurin noch auf die Meersalzgewinnung ein. Um diese den Kindern anschaulich zu erklären, hat sie extra Meerwasser von der Nordsee mitgebracht. Ihr Kollege Maximilian Gerz nutzt dieses in einem Experiment und zeigt, wie einfach Salz aus Meerwasser gewonnen wird. Das stößt bei den Kindern auf viel Begeisterung. Gerade auch, weil Gerz ihnen erklärt, dass sie es ganz einfach im Sommerurlaub einmal selbst ausprobieren können: Einfach Meerwasser für einige Zeit auf die Fensterbank stellen.

Als Clausen nach dem Vortrag Handstücke zum Mitnehmen präsentiert, tragen einige fast Melonen-große Salzbrocken aus dem Hörsaal. „Das ist cool, aber auch ekelhaft, denn wenn man daran leckt, ist es viel zu salzig“, sagt ein Junge beim Hinausgehen. Die noch größere Überraschung wartet aber außerhalb des Hörsaals auf die Zuhörer, wie Clausen schon zu Beginn angekündigt hatte: Das Studierendenwerk verteilt kostenlose Pommes. Auch das inspiriert die Kinder wieder zu Nachfragen. Ein Junge hat ein ganz konkretes Anliegen: „Gibt es auch Senf zu den Pommes?“ Ein anderer Junge hat schon einen Wunsch für einen weiteren Kinderuni-Vortrag: „Wie kommt der Zucker auf die Waffeln?“ Der würde sicher auch wieder großen Anklang finden.

Nach dem Vortrag gibt es kostenlose Pommes für die jungen Zuhörer.
Nach dem Vortrag gibt es kostenlose Pommes für die jungen Zuhörer. Foto: MHA/Harald Krömer