Beratungsangebot von Seminarwerk, Aidshilfe und Queer-Referat

Niedrigschwelliges Angebot „test²multiply“ nimmt Ängste ernst : Sexuelle Gesundheit im Blick behalten

Die sexuelle Gesundheit immer im Blick behalten und ohne Scham darüber sprechen: Das ist der Ansatz des Projektes „test²multiply“, in dessen Rahmen einmal im Monat eine Beratung zu Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis oder Syphilis angeboten wird.

Mit im Boot sitzen neben dem Verein Seminarwerk und der Aachener Aidshilfe auch das Queer-Referat der Aachener Hochschulen. In dessen Räumlichkeiten in der Trichtergasse 14 finden die Beratungen und die Tests statt.

„Wir waren gleich von der Idee begeistert“, sagt Nina Koeder, Vorstandsvorsitzende des Queer-Referats der Aachener Hochschulen. Denn niedrigschwellige Angebote hält auch sie für den richtigen Weg, um sexuell übertragbare Krankheiten in den Griff zu bekommen. Dr. Heribert Knechten hat die Idee aus Südafrika mitgebracht, und Dr. Daniel Beer vom Praxis-Zentrum Blondelstraße (PZB) habe das Projekt mit großem Engagement vorangetrieben. „Ohne ihn würden wir hier nicht stehen“, meinte Knechten.

Und nach nunmehr einem Jahr mit Beratungen und Schnelltests können die Organisatoren schon eines mit Sicherheit sagen: Es sind nicht in erster Linie Menschen mit ständig wechselnden Sexualpartnern und unstetem Lebensstil, die das Angebot in der Trichtergasse nutzen. Die Gründe für eine Beratung und den Schnelltest sind vielfältig: Neben einem „Unfall“ mit dem Kondom kann eine neue Partnerschaft ebenso der Grund sein, sich testen zu lassen, wie der Wunsch, beim Sex mit dem festen Partner auf das Kondom zu verzichten. „Neben einer ganzen Reihe von Motiven spielen manchmal aber auch irrationale Ängste eine Rolle“, weiß Karl-Georg Rinckleff von der Aidshilfe aus Erfahrung. „Und auch diese Ängste müssen ernst genommen werden“, sagt er.

Eigenen Status klären

Im Zweifelsfall rät er unbedingt zum Test, um den eigenen Status zu klären. Inzwischen gibt es eine Reihe von Testverfahren, die seiner Meinung nach alle sichere Ergebnisse liefern: Vorausgesetzt, die getestete Person hatte zwölf Wochen vor dem Test keinen Sex. „Auch eine fehlerhafte Anwendung der Tests kann zu falschen Ergebnissen führen“, betont er. Bei der Beratung „test²multiply“ werden die Besucher mit den unterschiedlichen Methoden und Testverfahren vertraut gemacht. 141 Personen haben sich hier im ersten Jahr des Angebots testen lassen, alle mit negativem Ergebnis.

Und die meisten von ihnen (92 Prozent) waren vermutlich Studenten, wie die Auswertung durch Professor Daniel Deimel von der Katholischen Hochschule ergab. Unter den Besuchern waren demnach mehr Männer (63 Prozent) als Frauen (35 Prozent), der Altersdurchschnitt lag bei 28 Jahren. Ein Drittel der Besucher gab an, schwul zu sein, ein Viertel heterosexuell, ein weiteres Viertel bisexuell, und 7,8 Prozent sind lesbisch. Die Hälfte der Besucher nannte als Beziehungsstatus „Single“.

Auch wenn Medikamente vor allem bei HIV heute sehr gut greifen, werden laut Dr. Knechten noch lange nicht alle Betroffenen erreicht. Niedrigschwellige Angebote wie „test²multiply“ scheinen da ein guter Weg zu sein. Das kann auch Charlotte Leikert nur bestätigen. Sie hat für ihre Masterarbeit an der Uni Maastricht Interviews mit 20 jungen Männern aus Risikogruppen geführt und kam zu dem Ergebnis, dass die Angst vor einem positiven Ergebnis, sowie die Angst vor der Stigmatisierung neben der Scham Gründe sind, die viele davon abhalten, sich testen zu lassen. Niedrigschwellige Angebote wie „test²multiply“ seien dazu geeignet, gerade auch diese Menschen zu erreichen, meint Charlotte Leikert.

Mehr Informationen dazu gibt es unter www.test2multiply.de Auch die monatlichen Beratungstermine in der Trichtergasse können hier eingesehen werden, außerdem finden sich detaillierte Infos zu sexuell Sübertragbaren Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder Syphilis.