„Ben & Becca – Zusammen sind wir stark!“ begeistert Publikum

Premiere des Das Da Theaters : Ben, Becca und das Problem mit dem Nein-Sagen

Als der Mond oberhalb der Bühne erschien, reckten sich ein paar Kinderhände zeigend nach oben, um den Nachbarn auf die Projektion aufmerksam zu machen. Ansonsten zog „Ben & Becca – Zusammen sind wir stark!“ die ersten Besucher der neuen Kindertheaterproduktion des Das Da Theaters 60 Minute lang in ihren Bann.

130 Kinder von drei Grundschulen fieberten am Dienstag als Probe-Publikum mit den beiden Freunden Ben und Becca mit, ob die beiden das Problem mit dem Nein-Sagen und dem Grenzen-Setzen gelöst bekommen.

Seit vielen Jahren schon arbeitet das Das-Da-Theater für seine Theaterproduktion für Kinder im Grundschulalter mit Grundschulen zusammen. „Kinder kennen keinen höflichen Applaus, sie sind unschlagbar ehrlich. Wenn etwas nicht funktioniert, merkt man das sofort“, vertraut Intendant Tom Hirtz ganz auf die Kompetenz der jungen Zielgruppe. Besonders wichtig war Hirtz, der bei „Ben & Becca“ die Regie führt, jetzt das Urteil des Probenpublikums, „weil Ben und Becca eben nicht das Sams sind“. Vorschusslorbeeren durch einen durch Buch und Film bekannten Kinderhelden kann Hirtz eben nicht erwarten.

Doch die Geschichte des forschen Ben und der zurückhaltenden Becca von Das-Da-Dramaturgin Maren Dupont ist so nah an der Lebenswirklichkeit der Jungen und Mädchen, dass dieser Umstand schnell in den Hintergrund gerät: Ben mag keine Hausaufgaben, steht nicht gern früh auf, macht am liebsten das, was er vorschlägt und lässt das seine Umwelt auch direkt wissen.

Becca mag auch manches nicht – zum Beispiel zum Bäcker Klüver gehen. Sie behält ihren Unwillen aber meistens für sich. Warum sie beim Bäcker Klüver die Marzipantorte für den Geburtstag der Mutter nicht bestellen will, wissen weder ihr Vater noch ihr Freund Ben. Erst nach und nach – mit Bens Hilfe – wird sie mutiger. Am Ende ist sie so stark, dass sie den übergriffigen Bäckermeister lautstark in die Schranken weist und auch ihre Eltern informiert. Becca hat also viel von Ben gelernt, doch auch umgekehrt hat Ben etwas von Beccas Vernunft angenommen – das war den Grundschulkindern absolut klar, wie im Nachgespräch mit Maren Dupont deutlich wurde.

Vor neun Jahren stand das Stück schon einmal im Spielplan im Das Da Theater, damals noch mit dem Titel „Stopp mal!“. „Wir wollten das Thema jetzt wieder aufgreifen, merkten aber schnell, dass es wenige Stücke gibt, die angemessen mit dem Thema Grenzen-Setzen umgehen“, erläuterte Hirtz. „Dabei brennt das den Schulen wirklich auf den Nägeln, auch weil die Klassen immer heterogener werden und sich das in unterschiedlichen Vorstellungen von Höflichkeit und Respekt niederschlägt“, weiß er angesichts einer immensen Nachfrage nach Schulaufführungen und Workshops.

Natürlich geht es hintergründig auch bei „Ben & Becca“ um das Thema „Sexueller Missbrauch“, viel stärker wird aber thematisiert, wie man eigene und fremde Grenzen erkennt, respektiert und durchsetzt. „Wir wollen den Kindern ja keine Angst machen, sondern ihnen Spaß bereiten und sie zugleich stark machen“, so Hirtz.

Also darf die leicht verrückte Oma ihren Enkel Ben auch ein wenig nötigen, sie zur Begrüßung zu küssen. Zugleich gibt sie aber den entscheidenden Hinweis, dass sich niemand – auch Kinder nicht – küssen und anfassen lassen müssen. Madeline Hartig und Cornelius Engemann tanzen und singen mitreißend zur Musik von Christoph Eisenburger, die liebevoll gestaltete Bühne von Frank Rommerskirchen kommentieren die Kinder mit Ahs und Ohs. Und am Ende gibt es doch noch einen von beiden Seiten gewollten Kuss. „Mir hat alles gefallen“, wollte da nicht nur ein Kind am Ende loswerden.

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