Aachen: Bemerkenswertes Konzert im Rahmen des Aachener Gitarrenfestivals

Aachen: Bemerkenswertes Konzert im Rahmen des Aachener Gitarrenfestivals

In die Welt des Mittelalters wurden die Hörerinnen und Hörer zurückversetzt beim Auftritt von Hirundo Maris & Capella Antiqua Bambergensis in der Reihe des von Vicente Bögeholz initiierten Aachen Guitar Festival „speGTRa“.

Die Aula Carolina war der passende Rahmen für diese spektakuläre Veranstaltung, die unter dem Titel „Cour d‘amour“ musikalische Liebesgeschichten des Mittelalters bot. Dreh- und Angelpunkte dieser Performance waren die beiden Sänger, Arianna Savall, Tochter des berühmten Spezialisten für alte Musik Jordi Savall, und Petter Udland Johansen, die die überlieferten mittelalterlichen Weisen in einer authentisch wirkenden, vibratoarmen Weise höchst lebendig vortrugen. Die Mischung aus professioneller Stimmbeherrschung und scheinbar laienhafter Stimmgebung war faszinierend. So könnte es geklungen haben im 12. und 13. Jahrhundert.

Mindestens ebenso spektakulär war die Vielzahl der nachgebauten mittelalterlichen Streich- und Blasinstrumente und der vielgestaltigen Perkussionsinstrumente. Anke Spindler, Andreas Spindler, David Mayoral und Thomas Spindler spielten dieses Instrumentarium absolut souverän und brachten mit ihren Fideln, Flöten, Schalmeien, Organetto und anderem mehr eine Fülle verschiedener Klangfarben in diese im Grunde einstimmige Musik, deren Melodien meistens von einem Liegeton kontrapunktiert wurden. Durch die differenzierten Klangfarben und durch den lebendigen Vortag der beiden Sänger wurde ein Höchstmaß an akustischen Reizpunkten gesetzt, die jeden Augenblick faszinierten.

Gesänge von Hildegard von Bingen, Trouvère-Lieder, Minnelieder, die Roland-Sage, spanische Morgenlieder und Trobairitz-Lieder, dem weiblichen Gegenstück zu den männlichen Trouvères, erstanden in mustergültigen und farbigen Wiedergaben, die bei allem Spekulativen den Eindruck entstehen ließen, dass es so geklungen haben könnte im hohen Mittelalter.

Zuvor hatten Uli Winz, Kontrabass, und Pascal Fricke, Gitarre, Lamento und Cirex von Annette Kruisbrink, einer Art Composer in Residence des diesjährigen Festivals, auf höchst kompetente Weise gespielt. Spannende Musik, die sich in erster Linie im Bereich der Minimal Music bewegt, die aber auch durch ihre Variabilität besticht.

Es gab viel Beifall für eine höchst anregende Veranstaltung.

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