Aachen: Beim 29. Weltfest an der Schanz wurde nicht nur gefeiert

Aachen : Beim 29. Weltfest an der Schanz wurde nicht nur gefeiert

Wer hat die Kokosnuss geklaut? Spätestens, wenn das bekannten Kinderlied erklingt, kommt die Frage mal wieder auf. Einer, der die Antwort kennt, ist Hanns Groeschke, Bildungsreferent für nachhaltige Entwicklung.

Doch bevor er des Rätsels Lösung preisgibt, lohnt es sich, die weiteren Akteure, die beim 29. Weltfest des Welthauses dabei sind, genauer zu betrachten. Denn neben den altbekannten Teilnehmern wie Greenpeace oder der Arbeitskreis Indonesien, sind dieses Jahr auch viele neue Organisationen vertreten. Europe Direct, Sevengarden Aachen oder die Deutsche Gesellschaft für osmanische Kulturerbe sind nur einige Beispiele.

Unter dem Motto „Wege zum guten Leben“ rückt das Welthaus die Frage in den Fokus, was denn ein gutes Leben im Alltag bedeutet. „Wir haben im Vorfeld viele junge Menschen gefragt, was denn für sie ein gutes Leben ausmacht, und festgestellt, dass die Frage nicht nur für den privaten Bereich beantwortet wurde, sondern vor allem im gesellschaftlichen Kontext“, erzählt Dr. Mona Pursey, Koordinatorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Welthaus an der Schanz. Dabei fügt sie hinzu, dass der Aspekt der gesellschaftlichen Verantwortung bei vielen eine große Rolle spiele und dass der oftmals sperrige Begriff der Nachhaltigkeit greifbar gemacht werden müsse.

Auf dem Weltfest, zu dem durchschnittlich jedes Jahr gut 400 Besucher kommen, bekommt man einen Einblick in verschiedene Kulturen und erfährt Wissenswertes darüber, wie ein gutes Leben für alle machbar ist. „Gerade unsere Teilnehmer aus fernen Ländern bauen Brücken zwischen ihrer alten Heimat und ihrem neuen Wohnort. Hier werden konkrete Anpackmöglichkeiten gezeigt, die den Alltag aller Menschen verbessern können“, erzählt Pursey.

Neben einem Drachenzug, der das Fest offiziell einläutete, gab es lange Schlangen an den Ständen, die mit Gerichten aus ihrer Heimat locken. Doch bei all den vielen Kulturen und frohen Farben blieb die Botschaft eine ernste. Die Forderung auf ein „Recht auf Leben“ müsse konkretisiert werden zu „Recht auf ein gutes Leben“ — da sind sich die Organisatoren einig. Bis zur Umsetzung wird es aber dennoch ein langer Weg sein, den das Welthaus geschlossen gehen will.

Aber eine Sache darf nicht unbeantwortet bleiben. Wer hat denn nun die Kokosnuss geklaut? Die knappe Antwort: die Industrie. Denn die verwerte Nüsse nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in Waschmitteln, Kosmetik oder Putzutensilien. Doch die Bauern auf den Philippinen, die die Nüsse ernten profitieren davon am wenigsten. Damit ist man wieder bei der Frage des guten Lebens und muss erkennen: Die privaten Wünsche für das gute Leben hängen über kurz oder lang mit globalen Entwicklungen zusammen.