Aachen: Bei VIA Integration funktioniert die Inklusion

Aachen: Bei VIA Integration funktioniert die Inklusion

Von einer kleinen Erfolgsgeschichte mit Vorbildcharakter zu sprechen, wäre in der Sache untertrieben. Vielmehr geht es um ein bisher beispiellos geführtes Wirtschafts- und gleichzeitiges Inklusionsunternehmen, das jeden Tag aufs Neue zeigt, wie sie funktioniert, die häufig genannte Inklusion. Die Rede ist von der VIA Integration, die mit einem großen Fest auf Gut Hebscheid ihr 25-jähriges Bestehen feierte.

Beispiellos deshalb, weil das Inklusionsunternehmen nicht nur das älteste, sondern auch das größte seiner Art in der gesamten Städteregion ist. In den vier Abteilungen Bio-Gärtnerei, Gastronomie, Bio-Verkauf und in den Alemannia-Fan­shops arbeiten derzeit 69 Menschen, viele von ihnen mit seelischen Beeinträchtigungen.

Alois Poquett, Geschäftsführer der Wabe, hatte in der Anfangszeit vor 25 Jahren nicht mit solch einer Entwicklung gerechnet, wie er betonte: „Anfangs hatten wir doch einige Hürden zu nehmen, und vieles war nicht einfach zu meistern. Heute, fast eine Generation später, bin ich natürlich stolz, dass die VIA in dieser Zeit so vielen Menschen eine Hilfe sein konnte. Diese Hinwendung zum Einzelnen, ihn in seiner Gesamtheit anzunehmen, das fasziniert mich auch heute noch an der Arbeit der VIA.“

Damit die VIA Integration im Konkurrenzkampf bestehen kann, sind Transparenz und Kommunikation untereinander sowie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besonders wichtig. Darüber sprach bei der Geburtstagsfeier Sozialarbeiterin Nadia Lalee im Rahmen einer Talkrunde: „Die Menschen, die zu uns kommen, haben schon viel erlebt. Wir schauen gemeinsam, was sie interessiert, wo ihre Stärken liegen und was sie sich persönlich vorstellen können. Viele von ihnen leiden unter Autismus, Depressionen oder unter Sozialphobien. Hier entdecken sie oftmals ihre eigenen Fähigkeiten und Talente wieder und werden zu Leistungsträgern. Und bei Problemen ist es sehr gut, dass wir direkt vor Ort auf dem Hof sind und immer ein offenes Ohr haben.“

Dass die VIA mit ihrem Konzept kaum Nachahmer findet, liege unter anderem auch daran, dass viele potenzielle Arbeitgeber an den bürokratischen Hürden scheitern, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Die VIA hat einen besonderen Stellenwert in der Stadt, und es wäre absolut wünschenswert, dass mehr Unternehmen folgen. Jedoch ist der Prozess, der dahintersteht, nicht so einfach und schreckt potenzielle Arbeitgeber ab. Das ist wirklich schade, und da ist eine bessere Information wünschenswert.“

Die Kooperationen mit psychosozialen Einrichtungen, Berufsschulen, Kammern, dem Jobcenter sowie mit dem ansässigen Integrationsamt tragen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass der Arbeitsalltag auf Gut Hebscheid seit einem Vierteljahrhundert so gut klappt.

Neben einer Talkrunde standen vor allem die Geselligkeit und der lockere Austausch im Mittelpunkt. Die knapp 250 Besucher genossen nicht nur das Essen. Auch die Show des Pantomime-Künstlers Scheibub sowie die Auftritte der Band Schlagsaiten Quantett und des Circus Configurani sorgten für eine entspannte Atmosphäre.

Mehr von Aachener Zeitung