Aachen: Bei Konflikten ist Beratung unerlässlich

Aachen: Bei Konflikten ist Beratung unerlässlich

Fast 350 Beratungsgespräche mehr haben die Beraterinnen von „Donum vitae” im vergangenen Jahr notiert. Auch die Zahl der ratsuchenden Frauen und Paare stieg deutlich an.

Martina Hartmann, Beraterin bei der Schwangerschaftsberatungsstelle in der Franzstraße, sah diese Steigerung vor allem in der Gesetzesgrundlage für die Beratung nach Befunden bei der Pränataldiagnostik (PND) begründet. „Die wird jetzt mehr genutzt - alles in allem aber immer noch zu wenig”, entdeckte sie da aber auch noch Steigerungspotenzial.

Die Pränataldiagnostik - nicht zu verwechseln mit Präimplantationsdiagnostik (PID) - bekam vor etwa einem Jahr eine gesetzliche Grundlage. Wichtige Merkmale: Frauen, bei denen am Fötus im Mutterleib eine schwere Behinderung oder Krankheit festgestellt wurde, haben einen umfassenden Beratungsanspruch. Medizinisch und psychosozial. Außerdem müssen zwischen der Diagnose und einem möglichen Spätabbruch - also nach der zwölften Schwangerschaftswoche - drei Tage Bedenkzeit liegen.

„Wir haben die Frauen auch schon vor diesem Gesetz beraten. Und auch die Aachener Frauenärzte haben schon vorher ihren Patientinnen unser Beratungsangebot empfohlen, weil sie es als gute Ergänzung ihrer Arbeit und auch als Entlastung sehen”, erklärte Hartmann im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mit dem Gesetz ist aber ein guter Kompromiss zwischen keiner und einer verpflichtenden Beratung gefunden worden”, ergänzte Birgitta Clingen, Vorsitzende des Regionalverbandes Aachen von „Donum vitae”.

„Gerade diese Frauen und Paare kommen öfter - zehn bis 15 Mal, bis eine Entscheidung für oder gegen das Kind so weit gefestigt ist, dass sie für beide tragfähig und lebbar wird”, beschrieb die Konfliktberaterin die Nöte der werdenden Eltern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie sind in einem Schockzustand. Da kann man beim ersten Mal gar nicht alles ansprechen, was wichtig ist.” Auch nach einem Abbruch kann die Beratung in Form einer Trauerbegleitung weitergehen.

Neben der Beratung vor, während und nach PND legt „Donum vitae” Aachen einen zweiten Schwerpunkt auf die Beratung und Begleitung von jungen Müttern zwischen 14 und 21 Jahren. „Ihre Zahl nimmt statistisch bei uns nicht zu. Ihre Betreuung erfordert indes sehr viel Fingerspitzengefühl, viel Flexibilität und auch viel Einsatz oft über unseren Beratungsauftrag hinaus”, erläuterte Hartmann.

Knapp die Hälfte der Frauen, die zu „Donum vitae” kommen, wollen eine Schwangerschaftskonfliktberatung. Während sich der Beratungsbedarf bei Frauen ab 22 Jahren recht genau zwischen Schwangerschaftskonflliktberatung und anderen Formen der Schwangerenberatung aufteilt, fragen junge Frauen bis 21 Jahre fast doppelt so häufig Konfliktberatung nach. Mit jeweils einem Drittel machen Frauen zwischen 22 und 26 Jahren beziehungsweise zwischen 27 und 34 Jahren allerdings das Gros der Ratsuchenden aus.