Aachen: Bei Hoteltarifen toppt Aachen Paris und Madrid

Aachen: Bei Hoteltarifen toppt Aachen Paris und Madrid

Echte Aachener schätzen sich ja ohnehin grundsätzlich glücklich, eben ausgerechnet in Aachen ein Dach überm Kopf zu haben. Doch in den nächsten beiden Wochen wird dieses Privileg noch um ein Vielfaches wertvoller sein.

Denn wer zur Reit-EM als Besucher nach Aachen und hier übernachten möchte, muss für ein Hotelzimmer tief in die Tasche greifen — und in manchen Fällen sogar ein Vielfaches mehr bezahlen als zu normalen Zeiten.

Das Online-Preisvergleichsportal „trivago.de“ hat dies in seinem aktuellen Hotelpreis-Index ermittelt und kommt auf imposante Steigerungsquoten. Demnach klettern die Hotelpreise in Aachen im gesamten August im Vergleich zum Juli um 46 Prozent. In harten Euros heißt das: Wer im Vormonat für ein durchschnittliches Standard-Doppelzimmer 84 Euro berappen musste, ist jetzt mit 123 Euro dabei.

Noch weiter in die Höhe schießen die Preise zwischen dem 11. und 23. August — zur Reit-EM. Dann schlagen die Hoteliers noch einmal 50 Prozent drauf: Das Durchschnitts-Doppelzimmer kostet dann 185 Euro, was an einzelnen Tagen immer noch getoppt wird. Fürs Finalwochenende am 22. und 23. August meldet die Aachener Hotellerie laut „trivago.de“ Tarife von 229 und 231 Euro.

Dass auch das nur Mittelwerte sind, denen im Einzelfall noch deutliches Steigerungspotenzial innewohnt, beweist ein Blick ins Internet. Laut „trivago.de“ kostet an besagtem Termin ein Doppelzimmer im Aquis Grana Cityhotel pro Nacht 380 Euro, im Art Hotel Superior ist man mit 360 Euro dabei. Eine Woche später nächtigt man in beiden Häusern für 92 bzw. 77 Euro. Auf dem Hotelpreis-Index des Onlineportals erklimmt Aachen damit eine Top-Position, während in vielen europäischen Großstädten im August die Hotelpreise sinken. So toppt Aachen in dieser Kategorie aktuell problemlos Metropolen wie Paris (151 Euro) oder Madrid (84 Euro).

Für Werner Schlösser, Geschäftsführer des „Aachen Tourist Service“, kommt dieser Trend nicht überraschend. „Das haben wir auch jedes Jahr beim CHIO, seit es frei schwebende Hotelpreise gibt.“ Soll heißen: seit sich die Hotelpreise ähnlich wie die Tarife für Flugtickets nach Angebot und Nachfrage richten.

„Blöderweise“ auch Formel-1

Die exorbitant hohen Tarife am Finalwochenende führt der Tourismusexperte darauf zurück, dass „jetzt die letzten Reste gebucht werden“. Außerdem finde „blöderweise“ just dann auch das Formel-1-Rennen in Spa/Francorchamps statt, das Aachen stets beste Buchungsbilanzen beschert — „und Formel-1-Fans sind ziemlich schmerzfrei, was Hotelpreise angeht“, sagt Schlösser.

Die Terminkollision mit der Formel-1 beklagt auch Art-Hotel-Chef Wolfgang Winkler, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes ist: „Das ist sehr ärgerlich für uns.“ Die hohen Preise während der Reit-EM verteidigt er: „Der Hotelmarkt ist ein Preismarkt“, sagt er, „in manchen Monaten müssen wir Dumpingpreise machen, und das können wir in solchen Phasen wieder reinholen.“

Doch nicht nur bei den Hoteliers werden die Kassen klingeln, auch Geschäfte und Gastronomiebetriebe dürften von den über 400.000 Besuchern profitieren, die zur Reit-EM in Aachen erwartet werden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen schätzt, dass das Spektakel rund 35 Millionen Euro Umsatz in die Region Aachen spülen und damit etwa 350 Arbeitsplätze sichern wird. „Ein solches sportliches Großereignis ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor“, sagt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting — worüber sich dann auch wieder etliche Aachener glücklich schätzen können.