Aachen: Bei der Marathonfahrt wird die Soers zur Bühne für die Vierspänner

Aachen: Bei der Marathonfahrt wird die Soers zur Bühne für die Vierspänner

Gespannt werden sie jedes Jahr erwartet, die Meister auf den (Kutsch-)Böcken mit ihren rasanten Rössern. Wenn die Marathonfahrt der Vierspänner läuft, dann gehen die Aachener mit Kind und Kegel (aber ohne Hund, denn der hat keinen Zutritt) in die Soers. Das war irgendwie schon immer so — denn Kutschen waren schon 1925 Teil des Reitturniers des Aachen-Laurensberger Rennvereins.

In den Anfängen des CHIO waren es bis zu 14 Fahrprüfungen, die ausgetragen wurden: für Ein-, Zwei- und Vierspänner. Und sie wurden noch einmal nach Pferderassen klassifiziert. Mittlerweile ist es nur noch die Königsdiszplin, der Vierspänner, der losprescht, und für alle Starter ist der Sieg in Aachen die Krönung.

200 Kilometer auf der Straße

Die Kutschen haben eine bewegte Geschichte hinter sich. 1928 fuhren sie mitten durch die Stadt. 1930 führte die „Große Gebrauchsprüfung für Viererzüge“ von Düsseldorf nach Aachen, 1934 musste der Sieger des Talbot-Preises 200 Kilometer bewältigen. Wenn heute um 14.45 Uhr die Marathonfahrt eröffnet wird, dann liegen vor Fahrer und Pferden 19 Kilometer. Kaum zu glauben, dass die Route 1937 von Kleve nach Aachen und 1949 von Gelsenkirchen nach Aachen verlief — letztere allerdings über drei Tage.

1953 wurde diese Form des Rennens auf ganz normalen Straßen dann ausgebremst. Aus den Gebrauchsprüfungen wurden Hindernisfahrten im Stadion, 1973 und 1974 gab es dann Geländeprüfungen vom Strüverweg aus Richtung Soers, von 1975 bis 2006 war dann der Stadtwald Anlaufstelle.

Und was hat es damals nicht für Befürchtungen gegeben, der ALRV würde nach dem erneuten Umzug in die Soers dem kostenlosen Familienfest Marathonfahrt ein Eintrittsgeld verpassen. Die Unkenrufer lagen daneben. Der ALRV verkündet auch in diesem Jahr freien Eintritt für die Kutschenaction im Gelände. Nur für die Vielseitigkeit am Vormittag muss gezahlt werden. Und abseits des Waldes ist die Marathonfahrt — die Hindernisse liegen nah beieinander, es gibt immer etwas zu sehen — weiter gewachsen.

Dressur- und Kegelfahren liegen bereits hinter den Kutschern. Jetzt haben sie — ganz lapidar gesagt — richtig Bock mit ihren Pferden ins Gelände zu jagen. Es ist die Leidenschaft für den Sport, der die Kutschfahrer wohl mehr noch, als viele andere der 350 Sportler beim CHIO antreibt. Denn Geld verdienen lässt sich mit den Gespannfahren kaum. Von 2,67 Millionen Euro Preisgeld entfallen lediglich 140.000 auf die Kutschen, der Marathon ist mit 30.200 Euro dotiert. Dem gegenüber stehen die Kosten: Gespannfahrer brauchen mindestens vier Pferde, mehrere Kutschen und ihre Beifahrer.

Einen solchen Aufwand haben Spring- und Dressurreiter nicht. Beeindruckend. Nicht minder beeindruckend: Alle Reiter und Fahrer geben allein in Deutschland laut Reiterlicher Vereinigung FN im Jahr 2,6 Milliarden Euro für ihre Sport aus.

Zwischen den Hindernissen in der Soers soll sich jeder investierte Cent wieder auszahlen: Hier können nur die Allerbesten bestehen. Seit 1987 gab es nur sechs verschiedene Gesamtsieger bei den Vierspännern in Aachen. Die letzten vier Jahre hat Boyd Exell gesiegt, schon elf (!) Mal war der Niederländer Ijsbrand Chardon der Gewinner (siehe Turnierzeitung). Seit 1956 wird die Siegerliste geführt — mit nun 22 verschiedenen Namen. Zum Vergleich: Der Große Preis der Springreiter führt allein seit 1987 22 verschiedene Gewinner — nur Ludger Beerbaum gewann in dieser Zeit drei Mal, Nick Skelton und Jean-Claude Vangeenberghe zwei Mal. Und in der Vielseitigkeit gab es in sechs Jahren fünf verschiedene Erstplatzierte.

25 Gespanne aus zehn Nationen mit 125 Pferde sind für den CHIO gemeldet worden. Am Ende bestreiten sie 16 der 109 Stunden Sport in den neun Turniertagen. Und jede davon verspricht bei den Kutschen ganz viel Spannung.

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