Aachen: Baufirma pleite: „NetAachen” ausgebremst

Aachen: Baufirma pleite: „NetAachen” ausgebremst

„Wir geben G(l)as”, steht auf einem Werbeschild des regionalen Telekommunikationsunternehmens „NetAachen”. Das Schild hängt an einer Baustellenabsperrung am Seilgraben. Dort, wie an anderen Stellen in der Stadt, schaut „NetAachen” derzeit aber in die Röhre - und zwar in die leere.

Statt bei der Verlegung pfeilschneller Datenleitungen voran zu kommen, herrscht momentan Stillstand. Dem Unternehmen ist nämlich die ausführende Baufirma abhanden gekommen.

Besagte Baufirma ist der Hamburger Datenleitungsspezialist „APL Tief- und Leitungsbau”. Dieser ist pleite. Um es etwas schicker auszudrücken: Er ist im vorläufigen Insolvenzverfahren, das am 1. September in Hamburg eröffnet wurde. APL wurde erst 2009 gegründet, die „Mutter” in Dänemark gibt es allerdings schon seit 1991.

Und nicht nur die rund 50 Mitarbeiter fragen sich, wie es weitergeht. Das fragt sich auch Andreas Schneider. Der Geschäftsführer von „NetAachen” hat nämlich in Sachen Datenleitungen in Aachen ein 20-Millionen-Projekt vor der Brust, von dem derzeit etwa 20 Prozent abgearbeitet sind. Rund 1000 Haushalte sind ans Glasfasernetz angeschlossen, weitere 5000 sollen folgen.

Deswegen buddelt sich das Unternehmen derzeit kreuz und quer durch Aachen. Doch laufende Baustellen mussten nun stillgelegt, teils auch wieder unvollendet zugeschüttet werden - die größten dieser Baustellen sind jene an der Reihstraße und am Seilgraben, ein paar kleinere kommen noch dazu. Vor allem habe man laut Schneider rasch geschaut, dass solch heikle Stellen wie am Adalbertsteinweg geschlossen werden.

In Kontakt ist Schneider derzeit auch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Sven-Holger Undritz in Hamburg. Er ist derzeit mit der Prüfung befasst, ob „APL Tief- und Leitungsbau” erst einmal weitermachen kann.

Andreas Schneider berichtet, dass bereits ein APL-Trupp wieder nach Aachen gekommen sei. Die Entscheidung des Hamburger Rechtsanwalts erwartet er bald. In dieser Zeit lässt „Net-Aachen” den aktuellen Stand der Baustellen begutachten und dokumentieren - für alle Fälle. Und für alle Fälle hat man auch schon Kontakt mit einem anderen Leitungsbauer zwecks Auftragsübernahme aufgenommen.

Sollte APL nicht oder nur teilweise weitermachen können, muss es in Aachen trotzdem zeitnah weitergehen. Derzeit geht Schneider von überschaubaren und „nicht dramatischen” Verzögerungen aus. Mit der Absicherung der Baustellen hat man die Aachener Firma Philippen beauftragt.


Und warum bedient man sich eines recht jungen, auswärtigen Anbieters und nicht nicht in Gänze einer ortsansässigen Firma? Laut Andreas Schneider ist „NetAachen” in letzter Konsequenz ein kommunales Unternehmen der Städte Köln und Aachen. Als solches sei man an die Ausschreibungsvorschriften gebunden.

Und bei der Ausschreibung für den Großauftrag sei APL eben „mit Abstand am günstigsten” gewesen.

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