Aachen: Bauarbeiten: Vennbahnweg wird gesperrt

Aachen: Bauarbeiten: Vennbahnweg wird gesperrt

Mut zur Lücke: Den beweist die Stadt Aachen bei der Vervollständigung des Vennbahnweges. Den braucht auch so mancher Radfahrer, der auf der hochgepreisten, autofreien Piste zuweilen über Schlaglöcher poltert und sogar an riesigen Reitpferden vorbeischlüpfen muss. Dabei ist die Trasse gerade mal 2,50 Meter schmal.

Pferdeäpfel, Asphaltflicken, Unfallgefahren, fehlende Beschilderungen und das lange Warten auf die Lückenschlüsse — vor allem darüber ärgern sich AZ-Leserinnen und Leser, die in Sachen Vennbahnweg der Schuh drückt. Denn das Projekt verschlingt viele Millionen Euro...

Über 125 Kilometer führt die Strecke offiziell von Aachen-Hauptbahnhof über Rothe Erde, Brand, Kornelimünster, Walheim bis zur belgischen Grenze (Raeren) und weiter bis Troisvierges in Luxemburg — meist entlang historischer Eisenbahngleise. Das erste Aachener Teilstück ist rund 20 Kilometer lang. Und da fängt der Ärger schon an. Mit mehr als einjähriger Verspätung soll nun ab September die 600 Meter lange Radweg-Lücke neben dem Eisenbahnweg zwischen Aachen-Arkaden und Philips-straße geschlossen werden.

Gleichzeitig sperrt die Stadt die Trasse zwischen Walheim und belgischer Grenze. Dort muss ein 20.000 Tonnen schwerer und anderthalb Kilometer langer Erdwall, der gerade erst beim Bau des Radwegstücks aufgeschüttet wurde, wieder abgetragen werden. Nach diesem behördlichen Planungsfehler im Wasserschutzgebiet sind auf dem 1,5 Millionen Euro teuren Abschnitt weitere 240.000 Euro fällig, 72.000 davon zahlt Aachen. Danach tragen die Bautrupps dort auf gut vier Kilometern Länge endlich die oberste Asphaltschicht auf (bis Ende Oktober).

Weil diese seit Monaten fehlt, lugen Kanaldeckel etc. einige gefährliche Zentimeter aus der Radlerpiste heraus. Aber auch auf längst eingeweihten Vennbahn-Abschnitten bemängeln Radler und Skater Schlaglöcher, Asphaltrisse und Streckenschäden durch Baumwurzeln, die sich von unten gegen die Fahrbahn stemmen. „Ab Eilendorf ist der Weg mit lauter Unebenheiten übersät“, moniert AZ-Leser Jürgen Trapp. „Man hat zwar vieles provisorisch aufgefräst und mit Teer oder Bitumen gefüllt, aber dadurch wird es nicht besser“, stellt er fest. Trapp fragt, warum man die Unebenheiten nicht abfräst oder desolaten Streckenstücken eine neue Fahrbahndecke gönnt.

AZ-Leser Gunther Moritz fügt hinzu: „Für Skater ist das keine attraktive Route mehr.“ Apropos: Wo geht‘s eigentlich lang? Darüber rätseln Rad-Touristen nach Beobachtung von AZ-Leser Hans Bomblé ab Kornelimünster und besonders am Bahnübergang in Walheim. „Wo bleiben die Wegweiser?“, wundert er sich. Auf AZ-Anfrage erklärt Axel Costard vom Presseamt dazu: „Die Beschilderung ist im Dezember abgeschlossen.“

Mehr Breite und damit Platz zum Überholen und für entgegenkommende Freizeitsportler ist hingegen nicht in Sicht — trotz Massenandrang an Sommer-Wochenenden. „Nicht ordnungsgemäß freigeschnittene Sträucher engen am Rand noch mehr ein“, kritisiert AZ-Leser Theodor Howe. Er plädiert für Verbreitung oder Ausweichbuchten. Für Pferde wäre diese Lösung übrigens nicht geeignet. Reiter dürfen den Vennbahnweg, zumindest auf deutscher Seite, nur queren — sonst ist die Piste für Ross und Reiter tabu, wie Costard betont.

Welche Kosten Aus- und Umbau des Vennbahnwegs tatsächlich insgesamt — und speziell auf dem Aachener Abschnitt — verursachen, lässt sich endgültig noch nicht beziffern. Bislang war von 14,7 Millionen Euro die Rede, wobei die Stadt nur einen Bruchteil trägt. Auch diese lückenhafte Abrechnung soll bald komplett sein.

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