Aachen: Banden brechen Parkautomaten reihenweise auf

Aachen : Banden brechen Parkautomaten reihenweise auf

Schwer kriminell: Etwa 60 Tonnen wiegt das Münzgeld ungefähr, das die 309 Parkautomaten in Aachen pro Jahr schlucken. Rund vier Millionen Euro rauschen aus den Metallkisten vom Straßenrand in die Stadtkasse. Wobei reisende Diebesbanden einen nicht unbeträchtlichen Teil des Geldes abzweigen. Deswegen müssen immer höhere Summen für Reparaturen an aufgebrochenen Parkscheinautomaten ausgegeben werden.

Besonders ärgerlich wird es, wenn die Aachener Parkhaus GmbH (Apag) mit eigens engagierten Sicherheitskräften Serientäter auf frischer Tat erwischt, damit die Polizei diese dann verhaften kann — professionelle Verbrecher aber wenig später wieder auf freien Fuß gesetzt werden und erneut auf Beutetour gehen können.

„Seit 2006 erleben wir immer wieder schubweise ganze Serieneinbrüche. Die aktuelle Aufbruchserie begann Ende Februar“, erklärt Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski. Besonders stark frequentierte Innenstadt-Automaten — etwa an der Theater- und Wilhelmstraße —, die zuweilen mehrere hundert Euro beherbergen, wurden besonders häufig geknackt.

Die Branche hat sich systematisch spezialisiert. Das Schema: Erst wird ein Parkautomat der neuesten Generation komplett geklaut, damit Kriminelle das Innenleben im Verborgenen in Ruhe studieren können. Dann fertigt man eine Art Schablone für die Unterseite des Automaten an. Mit deren Hilfe wird am anvisierten Beuteobjekt auf offener Straße zentimetergenau ein Loch in die Automatenhülle gebohrt. Durch dieses kaum sichtbare Loch öffnen die Räuber dann bei ihrem nächsten Besuch per Schraubenzieher den Schlossmechanismus — und leeren den Geldspeicher.

Die Täter tauchen nachts auf, gerne gegen 3 oder 4 Uhr morgens, wenn die Straßen leer sind. „Dabei verursacht so ein Einbruch — vor allem wenn Bohrer eingesetzt werden — natürlich erheblichen Lärm“, sagt Katrin Ulbort. Sie ist in der Stadtverwaltung für Verkehrsanlagen wie Ampeln und eben auch Parkscheinautomaten verantwortlich. Und sie bittet die Aachener um erhöhte Aufmerksamkeit.

Wer nachts verdächtige Beobachtungen an Parkautomaten mache oder sogar Aufbruchgeräusche wahrnehme, möge sofort den Polizeinotruf 110 oder die Apag-Hotline 16885000 wählen, appelliert Ulbort. Selbst wenn die Diebe nur 50 Euro aus einem Automaten herausholen, sind die Reparaturkosten dramatisch. Sie schlagen laut Ulbort mit durchschnittlich 1000 Euro zu Buche. Manche Automaten sind so stark beschädigt, dass sie ausgetauscht werden müssen. Pro Stück sind dann 5000 Euro fällig. Das summiert sich.

Der Polizei fällt die Fahndung nicht leicht. Ihr fehlt Personal, das sich nachts in von Automatenknackern bevorzugten Straßen auf die Lauer legen könnte. Da es sich um reisende Banden — vermutlich überwiegend aus dem osteuropäischen Raum — handelt, bleibt die Aufklärungsquote niedrig.

2007 hatte die Aachener Polizei eine Bande dingfest gemacht, die auf ihren Raubzügen über längere Zeit hunderttausende Euro erbeutet hatte. Ob den vor wenigen Wochen durch Apag-Sicherheitsleute geschnappten und dann wieder auf freien Fuß gesetzten Tätern auch Aufbrüche der vergangenen Tage nachgewiesen werden können, ist noch unklar.

So tröstet es kaum, dass andere Städte noch mehr unter Aufbrüchen von Parkautomaten leiden. Köln müsse darum 1000 Automaten für fünf Millionen Euro durch sicherere Modelle ersetzen, heißt es. Die kriminelle Jagd aufs Kleingeld belastet den Haushalt schwer.

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