Aachen: Bald kann Andres sein Leben neu begreifen

Aachen: Bald kann Andres sein Leben neu begreifen

Der kleine Andres Nevarez-Castro liegt mitten im Behandlungszimmer und beobachtet aufgeregt jeden Schritt des Arztes. Der Junge aus Riobamba in Ecuador hat eine schwere Operation hinter sich. Aber das ist gut so, denn Dr. Michael Becker, einer der wenigen Spezialisten, der die Kunst beherrscht, Muskeln, Sehnen und Nervenstränge zu verpflanzen, hat Andres kostenlos operiert.

Der Vierjährige ist von Geburt an schwerstbehindert und hat verkrüppelte Beine und Arme. Bereits fünf Operationen hatte Andres in Ecuador über sich ergehen lassen, mit zum Teil erschreckenden Resultaten. Da seine Eltern sich die teuere Behandlung nicht leisten können, hat die Hilfsgruppe „Eifel” Spenden organisiert und dafür gesorgt, dass der Junge gemeinsam mit seiner Mutter nach einem Jahr endlich nach Deutschland kommen konnte.

Organisiert hat das Vorhaben Christel Wenzel, die nach einem schweren Unfall lange bei Dr. Becker in Behandlung war und der ebenfalls Muskeln und Sehnen verpflanzt wurden. „Ich wollte unbedingt helfen und habe mich sofort dazu entschlossen, das Ganze zu organisieren. Außerdem möchte ich, dass die Menschen wissen, dass es solche Möglichkeiten gibt und dass die Aufmerksamkeit auf solche schweren und komplizierten Eingriffe gerichtet wird”, erklärt Christel Wenzel im Detail. Andres und seine Mutter wohnen zur Zeit in einem Haus des „Sozialvereins Katholische Frauen.”

In sechs Wochen wird Dr. Becker Schulter und Hand auf der rechten Seite operieren, anschließend kann der Junge wieder nach Hause gehen, bevor ein Jahr später ein weiterer Eingriff vorgenommen wird. „Die jetzige Operation war nicht einfach, ich habe solche Eingriffe zwar schon ungefähr 40 Mal gemacht, aber dieser war der schwerste, da Andres wegen einer Steißlage im Mutterleib nicht laufen kann und weder Arme und Beine bewegen kann”, geht Dr. Becker ins Detail.

Dass er dem Jungen sofort helfen wollte, war eine selbstverständliche Sache für ihn. Er möchte vor allem eine Verbesserung der Lebensqualität für Andres erreichen, denn auch wenn eine 100-prozentige Heilung ausgeschlossen ist, soll er dennoch die Chance erhalten, sein späteres Leben so gut wie möglich zu meistern. Zusammengerechnet kostet die ganze Behandlung mit Unterkunft 100.000 Euro. Bis jetzt ist jedoch leider erst knapp über die Hälfte an Spenden gesammelt worden.

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