Einblicke in eine „bauliche Sensation“: Bald ist es soweit: „40 Jahre Welterbe Aachener Dom“

Einblicke in eine „bauliche Sensation“ : Bald ist es soweit: „40 Jahre Welterbe Aachener Dom“

Die Festwoche rückt näher, bei den Organisatoren nimmt die Spannung zu, denn das weit gefächerte Programm umgreift ein großes Motto: „40 Jahre Welterbe Aachener Dom“ heißt es vom 22. bis 30. September in Aachen.

1978 wurde der Aachener Dom mit seinen Schätzen als erstes deutsches Bauwerk auf die Unesco-Liste des schützenswerten Welterbes gesetzt. Ein guter Grund zum Feiern, und gleichzeitig die Gelegenheit, um die Bedeutung der Pfalzkapelle Karls des Großen wieder einmal gründlich auszuloten und internationalen Gästen vorzustellen.

Auf dem Dach der Chorhalle: Blick aus der gotischen Perspektive in Richtung Oktogon und Westturm.

Damit die Sponsoren, die so manches Event innerhalb der Woche erst möglich machen, ihr konkretes Gefühl für das Phänomen Dom auffrischen konnten, gab es am Montag einen seltenen Ausflug: Zusammen mit Oberbürgermeister Marcel Philipp, Dompropst Manfred von Holtum und Dombaumeister Helmut Maintz kletterten alle tapfer die Wendeltreppe des Westturms hinauf zum Dachstuhl des Oktogons, den man über die kleine Steinbrücke in luftiger Höhe erreicht. Ein besonderes Erlebnis. Selbst der Dompropst ging mit — obwohl ihn im Moment Bandscheibenbeschwerde plagen. Mitten im dichten Netz der Holzbalken gibt es eine Kammer, die der Dombaumeister ausnahmsweise aufschließt: Sie verbirgt das Gegengewicht zum Barbarossaleuchter, der an einer 26 Meter langen und 350 Kilogramm schweren Kette hängt. Wer durch die Öffnung späht, kann tief unten den Mosaikboden im Kirchenraum sehen.

Zu Kaiser Karls Zeiten war das Oktogon ein Wunder der Baukunst, etwas zum Staunen, eine Art geistliches „Ausrufezeichen“, das zugleich weltlichen Machtanspruch verkündete. Heute würde man sagen ein Highlight — 200 Jahre lang der höchste nachantike Kuppelbau nördlich der Alpen. „So ein Bauwerk innerhalb einer Kaiserpfalz war damals eine Sensation, und das ist es auch noch nach 1200 Jahren“, betont Maintz.

Kultureller Mittelpunkt der Stadt

Den Dom empfindet auch Oberbürgermeister Marcel Philipp als religiösen und kulturellen Mittelpunkt der Stadt. „Er ist ein sichtbares und lebendiges Zeichen unserer Kulturgeschichte“, betont Philipp. Die Verbindung von religiöser und kultureller Bedeutung, die das Welterbe Aachener Dom in sich vereinigt, ist für den Dompropst ein tragender Aspekt in der Jubiläumswoche. „Er hat religiöse Bedeutung für die deutsche, die europäische und auch für die weltweite Kirche.“

Die opulente Inszenierung „Der Dom leuchtet“ an allen Abenden vom 22. bis 30. September ist gleichfalls ein Stück Stadtgeschichte — für die Aachenerinnen und Aachener. Denn was haben die nicht alles getan, um ihren Dom vor Teufel, Feuer und Zerstörung zu bewahren. Das wird dramatisch und raffiniert erzählt. Einlasskarten für vier Euro gibt es in der Dominformation, 4000 Menschen können pro Abend das bewegte virtuelle Kunstwerk von Matthias Büsching (Art Director der Agentur Power+Radach) und dem Lichtdesigner und -techniker Christoph Hillen bestaunen. Für Studierende ist am Freitag, 28. September, dort sogar freier Eintritt — es gibt noch sehr viele Karten.

Unter anderem am umfangreichen Musikprogramm kann man die Zeitepochen ablesen, für die der Dom steht. Zudem erinnert man an Reims und Toledo, die Aachener Partnerstädte. Für eine weitere Besonderheit sorgt das Theater Aachen: Ludger Engels übernimmt die Inszenierung der geistlichen Händel-Oper „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ (23. und 30. September, 19.30 Uhr) im Altarraum.

Der erste Poetry-Slam in der 1200-jährigen Domgeschichte schlägt den Bogen zum Heute. Mit dem Kabarettisten Wendelin Haverkamp erhält der Begriff Welterbe eine weitere Facette: Haverkamp in „Erben ist Glücksache“ (29. und 30. September) bei seinem satirischen Abend im Quadrum des Doms: „Was hat dieses Gebäude, was andere nicht haben? Verbirgt sich in diesem Haus eine lebendige Idee?“ Er wird es herausfinden.

Stolz sind die Organisatoren, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag, 24. September, zum Vortrag von Toshiyukui Kono, Präsident der Icomos International (International Council on Monuments and Sites/Rat für Denkmalpflege) kommt und bis zum leuchtenden Domspektakel bleibt, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den Festvortrag am Eröffnungstag hält und als Aachener seine Verbundenheit zeigt.

Die offiziellen Programmpunkte sind üppig — doch Besucher können sich durchaus eigenständig auf den Weg zum Welterbe machen: „Wir werden den Dom weit öffnen, alle Kapellen können besucht werden, man darf zum Karlsthron auf die Empore gehen“, verspricht Maintz. Und überall stehen Domführer bereit, die dem Besucher etwas erklären — zum Beispiel, was es bedeutet, dass der Dom auch Marienkirche ist.

www.aachenerdom2018.de

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