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Die Woche in Aachen: Bagger gucken ist der letzte Schrei ...

Die Woche in Aachen : Bagger gucken ist der letzte Schrei ...

Baustellen auf der Straße und Baustellen in der Politik. In dieser Woche ging es viel um Auf- und um Abbruch. Ein Rückblick.

Nach der Wahl ist vor der Wahl? Der alte Politikerspruch mag ja Insidern Ansporn und Verpflichtung sein. Vor allem denjenigen, die beim jüngsten Urnengang ein Begräbnis erster Klasse hingelegt bekamen. Verlierer konzentrieren sich auf die Zukunft, die Sieger müssen sich der Realität stellen. Erst einmal ist es gut mit Wählen. Oder nicht? Wahlkampf kann spannend sein, muss aber nicht ... Aber in Aachen hat es eigentlich Spaß gemacht, die Kandidatinnen und Kandidaten beim Buhlen um der Wähler Gunst journalistisch zu begleiten. Vor allem auch, weil es wohltuend fair und sachlich zuging. Selbst am Wahlabend, als sich die Lager in Partyfreunde und Trauergäste teilte.

Jetzt sollen es also Astrid Vogelheim und Annika Fohn in Düsseldorf richten. Die Grüne und die Christdemokratin haben die Direktmandate geholt. Vogelheim auf beeindruckende Weise, sehr zum Jammer von CDU-Chef Holger Brantin, der doch eine ziemliche Klatsche hinnehmen musste. Bei Fohn war es etwas spannender, aber letztlich doch auch deutlich. Beide Frauen gehen also mit großem Vertrauensvorschuss in den Landtag. Auch für Aachen und die Region sollen sie Politik machen.

Die Aufgaben werden nicht weniger und nicht kleiner. Wünschen wir Ihnen also eine gute Hand und viele gute Ideen. Denn den Menschen ist letztlich egal, aus welcher Farbenlehre ihr Mandat entstammt. Es geht um die Menschen in Aachen und um deren Lebenswelt, nicht um politische Ideologie und Dogmatismus. Wer die beiden Politikerinnen erlebt hat, spürt, dass sie frei von Kalkül und ganz eingenommen von der Begeisterung über ihre neue Aufgabe sind. Gut so!

Baustelle gucken: Das hat so etwas von Träumereien kleiner Jungs. Und um gendergerecht zu bleiben: auch Mädchen. Großen Baggern zuzuschauen, wie sie Brücken zerlegen, Lärm als schönste Begleitmusik und Staub als Folklore... Nein, wir wollen die Belastungen der Anwohner nicht klein reden. Aber der Abriss der Brücke Turmstraße ist irgendwie schon großartig. So gewaltig in seiner Wirkung, so faszinierend in Planung und Ausführung.

Ja, es gibt den ein oder anderen Stau. Oder auch zwei und drei. Leute, bleibt gelassen. Es wäre die erste Straßensperrung dieser Welt, die ohne Konsequenzen wäre. Dennoch bleibt festzuhalten: Es funktioniert alles weitgehend gut. Halt, nicht ganz: Der Zeitplan funktioniert nicht. Man ist vor der Zeit. Ja vor, nicht verzögert. Das ist doch einmal ein Ausrufezeichen. Die Bahn wird es mit Staunen registrieren: Pünktlichkeit ...

Aber dennoch: Es wird dauern, bis der Ersatzbau fertig ist. Natürlich steht der Laie da an der Turmstraße und sagt: „So, jetzt nur noch flott ’ne Brücke bauen, und gut ist es.“ Tja, das geht dann aber doch nicht. Warum? Weil bauen länger dauert als abreißen? Sicher. Und weil es sonst sicherlich 1001 Gründe gibt. Nur im Märchen geht es schneller ...

Über Holland oder über Belgien zur Jakobstraße? Gestern meldete sich eine junge Dame in der Redaktion und fragte dezent an, wie sie denn jetzt ihr Zuhause erreichen solle. Weil nicht nur die Jakobstraße gesperrt, die Turmstraße weg, der Templergraben zu und alles andere sowieso kompliziert ist. Und nun auch noch der Annuntiatenbach. Nur weil die entsprechenden Schilder noch nicht da sind, ist der noch offen. Aber nicht mehr lange. Sperren, was die Sperren hergeben. Es ist halt kompliziert. Weil sich angesichts der vielen Baustellen die Autos respektive die Menschen am Steuer ihre Schleichwege suchen. Durchgangsverkehr hat aber auf den kleinen Straßen in der Innenstadt nichts zu suchen. Wie der jungen Dame helfen? Mit einer Drohne? Keine schlechte Idee. Autonomes Fliegen, aber bitte nur mit Sonnenenergie. Oder Biodiesel, gewonnen aus der eigenen Balkonpflanze. Dem Fortschritt darf man sich nicht versperren!

Eine prall gefüllte Woche in Aachen war das. Und nächste Woche geht es nahtlos unter anderem mit dem Karlspreis weiter. Gönnen wir uns daher eine kurze Auszeit. In diesem Sinne: schönes Wochenende!