Modellprojekt wird an 20 Schulen fortgesetzt: „Babywoche“ bringt Schüler an ihre Grenze

Modellprojekt wird an 20 Schulen fortgesetzt : „Babywoche“ bringt Schüler an ihre Grenze

„Vor dem Anfang starten – junge Menschen entwickeln Erziehungskompetenz“: Was vor sieben Jahren als Modellprojekt gestartet ist, hat sich gut weiterentwickelt.

Nahmen anfangs nur sieben Schulen teil, sind im laufenden Schuljahr bereits 20 Schulen dabei. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis zehn durchlaufen ein Jahr lang ein Programm, das sie in ihrer Persönlichkeitsbildung unterstützt und ihnen wichtige Lebenskompetenzen vermittelt. 103.000 Euro lässt sich die Städteregion dieses Präventionsprojekt jährlich kosten. Geld, das gut investiert ist, findet der Kinder- und Jugendhilfeausschuss und hat einstimmig die Fortsetzung beschlossen.

Im vergangenen Schuljahr haben 340 Mädchen und Jungen an dem Programm teilgenommen. Über das Schuljahr verteilt wurden im Durchschnitt mehr als 80 Unterrichtsstunden reserviert. Besonderer Wert wird im Projekt auf die praktische Ausrichtung gelegt. Der Umgang mit Konflikten ist ebenso Thema wie das Sozialverhalten. Es geht um lebenspraktische Dinge wie den Umgang mit Geld („Was kostet das Leben“), Behörden und Versicherungen, um haushaltspraktische Fähigkeiten und das Thema Jobsuche. Unter der Überschrift „Körper und Gesundheit“ werden Verhütung, Ernährung und Entspannung behandelt. Die wichtigsten Grundlagen der Erziehung werden gelehrt und typische Situationen im Leben einer jungen Familie besprochen. Zudem lernen die Jugendlichen konkrete Hilfsmöglichkeiten für Familien kennen. Sie besuchen zum Beispiel ein Jugendamt.

Die „Babywoche“ bringt die 14- bis 16-Jährigen meist an ihre Grenzen. Eine Woche lang müssen sie sich rund um die Uhr um eine Babysimulatoren-Puppe kümmern. Diese Babypuppen wollen auch nachts gefüttert und beruhigt werden. Die Meinungen darüber gingen bei den bisherigen Teilnehmern weit auseinander. Die Kommentare reichten von „Die Babywoche war total super. Es war schön, so viel Verantwortung zu haben“ bis zu „Wenig Schlaf macht mich total aggressiv!“ Alle aber haben bei dem Projekt enorm viel dazugelernt.

Angelika Kranz vom Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion betreut das Projekt seit Beginn federführend. „Unser Ansatz ist, dass sich Jugendliche schon mit dem Thema Erziehung beschäftigen, bevor es zu spät ist. Wir wollen die Beratung und Unterstützung schon geben, bevor junge Menschen Kinder bekommen.“ Den Jugendlichen scheint das Projekt intensiv im Gedächtnis zu bleiben, sagt Kranz. Eine Teilnehmerin etwa war von den Lebenshaltungskosten überrascht: „Es ist voll teuer, alleine zu wohnen. Voll krass, an was man alles denken muss.“ Kranz ist überzeugt, dass die Jugendlichen nach dem Projekt bewusster planen, wann die richtige Zeit für ein Kind ist. Sie seien dann auch viel besser darauf vorbereitet.