Aachen: Autoklau: Zweifelhafter Ruf als „Top Scorer“

Aachen : Autoklau: Zweifelhafter Ruf als „Top Scorer“

Eine Alarmanlage ins Auto einbauen? Das Geld kann man sich eigentlich sparen. „Die geht kurz an, und dann ist sie auch schon wieder aus“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Für jene professionellen Banden von Autodieben, die gleich reihenweise Fahrzeuge stehlen, stellen derlei vermeintliche Sicherheitsmaßnahmen keine Hürde dar.

In Sachen Autodiebstahl sind Aachen und Teile der Städteregion Hochburgen — oder wie es der leitende Kriminaldirektor Ulrich Flocken ausdrückt: „Top Scorer“. Da können bundesweit laut Statistik nur ganz wenige Städte „mithalten“. Wie etwa Frankfurt/Oder. Und damit ist auch schon klar, woher das kommt: Die Grenzlage ist entscheidend dafür, dass schon so mancher Autobesitzer in Aachen statt seines Wagens einen leeren Parkplatz vorgefunden hat.

Zahlen galoppieren davon

Die Zahlen galoppieren davon: In Aachen machten sich 2012 die Täter an 352 Autos zu schaffen, 2013 an 362. Auf die gesamte Städteregion bezogen waren es 2012 552 Taten und 2013 563. 2014 sieht das deutlich düsterer aus: Bis Ende November registrierte die Polizei im Stadtgebiet schon 433 Taten, in der Städteregion insgesamt gar 700. In diesen Zahlen sind auch die versuchten Diebstähle enthalten, dennoch bereitet der Polizei diese Statistik einiges Kopfzerbrechen. Das liegt auch daran, dass man kaum einmal einen Täter erwischt. Und das wiederum kommt daher, dass die Autos ruckzuck nach dem Diebstahl über die Grenzen — insbesondere Richtung Niederlande — gebracht werden. Laut Paul Kemen sind die gestohlenen Autos oft schon im Nachbarland, wenn der Besitzer den Diebstahl noch gar nicht bemerkt hat. Wobei die Täter nicht unbedingt aus den Niederlanden stammen. Laut Kemen sind auch osteuropäische Gruppen darunter. Das Nachbarland dient jedoch oft als Fluchtziel und Umschlagplatz. Deswegen wundert es auch nicht, dass einige Orte besonders von den Taten betroffen sind. Dazu gehören Teile von Herzogenrath sowie im Stadtgebiet Richte-rich und die Bereiche an der Vaalser Grenze.

Bei der Art der gestohlenen Fahrzeuge gibt es durchaus Überraschendes: Es sind nämlich bei weitem nicht immer teure Luxuskarossen. Hoch im Kurs stehen vielmehr die BMW-3er-Reihe und der VW T5 Multivan. Golf, Touran und Mercedes-Kombis gehören ebenfalls zu den Favoriten. Diese werden dann einerseits weiterverkauft. Teils dienen sie aber auch als „Ersatzteillager“, so Kemen.

Zu wenige Hinweise

Hinweise auf Täter bekommt die Polizei eher seltener. Das liege daran, dass sich die Autodiebe unauffällig verhalten. So gab es dieser Tage in einem Aachener Parkhaus den Fall, dass ein Auto aufgebrochen worden und im Fußraum die Elektronik direkt ausgebaut worden war. Den Wagen ließen der oder die Täter dann stehen. Etliche Parkhausbesucher müssen den Vorfall gesehen haben, aber: „Das sieht so unspektakulär aus, als würde jemand das Auto reparieren“, erläutert Kemen.

Der Autodiebstahl ist die eine Sache, der Diebstahl von Ausrüstungsgegenständen eine andere. Wenn es um fest eingebautes Zubehör geht, sind es ebenfalls meist professionelle Banden, die da am Werk sind. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich fest eingebaute Navigationsgeräte und — man höre und staune — Xenon-Scheinwerfer. Die werden dann kurzerhand aus der Karosserie ausgebaut und mitgenommen. Wiederfinden kann man diese Sachen dann alsbald im Internet, wo sie insbesondere bei Auktionen angeboten werden. Kemen warnt: „Man sollte dort keine solchen Teile kaufen, deren Herkunft man nicht kennt.“

Neben den organisierten Banden gibt es auch noch die „örtlichen Täter“, die meist für „normale“ Diebstähle aus Fahrzeugen verantwortlich sind. Da geht es dann um alles das, was im Auto so herumliegt. Das kann nach Polizeierfahrung ganz schön viel sein: „Man glaubt kaum, was so alles auf den Listen der gestohlenen Gegenstände steht“, erzählt der Polizeisprecher. Das reicht vom mobilen Navi über das Handy, Taschen, Laptops und vieles mehr, was oft nicht einmal von der Versicherung abgedeckt wird. Kemen: „Man fragt sich angesichts der Listen der aus Autos gestohlenen Dinge bisweilen, was die Leute eigentlich noch in der Wohnung haben.“