Auszeichnung aus Aachen geht an Aktivistinnen aus der Südeifel

Aachener Friedenspreis : Ehre für Frauen, die gegen Atomwaffen kämpfen

Gerührt und sichtlich bewegt nahmen die beiden Preisträgerinnen Elke Koller und Marion Küpker aus Büchel in der Südeifel den Aachener Friedenspreis 2019 entgegen. Die Aktivistinnen wurden geehrt, weil sie sich seit Jahren gegen den Einsatz von Atomwaffen und speziell gegen die Lagerung von etwa 20 US-Atombomben im Nato-Fliegerhorst einsetzen.

Beide Frauen vertreten eine Initiative, die seit Jahren gegen Atomwaffen kämpfen. Elke Koller ist Sprecherin des Initiativkreises gegen Atomwaffen in Büchel, Marion Küpker vertritt die bundesweit aktive Initiative „Büchel ist überall! atomwaffenfrei jetzt“.

In gewaltfreien Blockaden hätten beide Frauen es immer wieder geschafft, sich vehement „gegen Atomwaffen, gegen neue Raketen und gegen neu entwickelte Trägersysteme in Form von Bombern“ einzusetzen und überregional Gehör zu finden, sagte Laudatorin Herta Däubler-Gmelin (SPD), ehemalige Bundesjustizministerin, die heute unter anderem als Gastprofessorin an der RWTH-Aachen lehrt.

„Atomwaffen gehören weltweit geächtet“, sagte die ehemalige SPD-Ministerin und bekundete ihr Unverständnis darüber, dass die jetzige Große Koalition mit SPD-Außenminister Heiko Maas es bislang nicht geschafft habe, dem seit 2017 zur Ratifikation bei der Uno vorliegenden Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Gerade angesichts des heutigen Tages, dem 1. September, mit dem Überfall Hitlers auf Polen vor 80 Jahren, müsse Schluss sein mit der Kriegstreiberei.

Däubler-Gmelin forderte ultimativ dazu auf, den Atomverbotsvertrag auf allen Ebenen zu ratifizieren. Ihr Appell ging nicht nur an die Bundesregierung, sondern gleichermaßen an den Rat der Stadt Aachen: „Ich muss sagen, ich habe Aachen nicht wie meine Heimatstadt Tübingen auf der Liste derjenigen Städte gefunden, die sich hierzu geäußert haben“, mahnte die Laudatorin. Umso wichtiger sei es, dass der  Aachener Friedenspreis „zwei in so hohem Maße würdige und sympathische Preisträgerinnen“ nominiert habe, zwei Frauen, die sich mit aller Kraft gegen Militarismus und Atombewaffnung jetzt seit mehr als 15 Jahren stellen. „Die Stärksten kämpfen ein Leben lang“, zitierte die Laudatorin Bert Brecht, „sie sind unersetzlich“.

Nach der Preisverleihung, moderiert von Halice Kreß-Vannahme (SPD), bedankten sich die beiden Preisträgerinnen mit zwei kurzen Reden. Zuvor hatte auch Bürgermeisterin Hilde Scheidt ein Grußwort für die Stadt Aachen überbracht. Elke Koller betonte in ihrem Beitrag ausdrücklich, wie wichtig es für die Initiative gewesen sei, „mit der Bevölkerung und auch den Soldaten ins Gespräch zu kommen“. Das sei gelungen, man habe Ängste wegen eines möglichen Arbeitsplatzverlustes zerstreuen und den Blick auf das lenken können, was wichtig ist: das gänzliche Verschwinden von Atomwaffen aus Deutschland und letztlich der ganzen Welt.

Bezug zu Mahatma Gandhi

Marion Küpker bedankte sich gleichermaßen und beendete ihre Rede mit einem Zitat von Mahatma Gandhi, der sagte: „Erst ignorieren sie uns. Dann lachen sie über uns. Dann bekämpfen sie uns. Und dann haben wir gewonnen!“ Musikalisch wurde der Abend von dem Klezmer Trio „Da Musica“ begleitet.

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