Aachen: Ausstellung zur Alemannia: Emotionales Stück Geschichtsforschung

Aachen: Ausstellung zur Alemannia: Emotionales Stück Geschichtsforschung

Auch wenn es abgedroschen klingt: Alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Vor rund drei Jahren hatte Alemannia Aachen gerade die erste Insolvenz überstanden, einige Fans waren bundesweit in den Schlagzeilen, weil sie sich mehr mit sich selbst als mit dem Anfeuern des Teams beschäftigten.

Damals hatte André Bräkling als damaliger Sprecher der IG der Alemannia Fans und Fanklubs die Idee, einen wirkungsvollen Kontrapunkt zu setzen. Das Ergebnis konnte er am Dienstag mit großer Freude in Augenschein nehmen, als die Ausstellung „Alemannia 1933-1945. Fußball zwischen Sport und Politik“ offiziell den Medienvertretern vorgestellt wurde.

alemja16 25.10.2017 Alemannia Aachen / Nationalsozialismus / IZM Foto: Michael Jaspers

Wie in unserer Ausgabe am Mittwoch berichtet, stehen die beiden Spieler Reinhold Münzenberg und Max Salomon im Mittelpunkt der Ausstellung. Einer Ausstellung, die Olaf Müller, Leiter des städtischen Kulturbetriebs, als räumlich relativ klein, aber inhaltlich sehr groß beschrieb. Er lobte die Ausstellung in den höchsten Tönen: „vielschichtig, berührend, informativ, kompetent“.

alemja34 25.10.2017 Alemannia Aachen / Nationalsozialismus / IZM Foto: Michael Jaspers

In der Tat ist die Ausstellung, die — wen wundert’s — in den Farben Schwarz und Geld gehalten ist, gerade in ihrer puristischen Ausstattung höchst informativ. Auf Holzbänke sind Artikel, Fotos und Überschriften gedruckt. In Vitrinen sind durchaus auch Unikate zu sehen. Zum Beispiel der Nationalmannschaftsspielerpass von Reinhold Münzenberg und kleine Trophäen. Übersichtliche Schautafeln zeichnen die Biografien von Spieler nach.

alemja17 25.10.2017 Alemannia Aachen / Nationalsozialismus / IZM

Sie dokumentieren genauso wie die vielen Seiten der Vereinszeitung, wie sich die nationalsozialistische Ideologie auf die Alemannia und das Vereinsleben auswirkte. Es geht aber nicht nur um direkt Verfolgte der NS-Diktatur, sondern auch um indirekte Opfer, wie zum Beispiel den Spieler Ewald Laumen, der als einer der Letzten erst 1953 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft kam.

alemja2 25.10.2017 Alemannia Aachen / Nationalsozialismus / IZM Foto: Michael Jaspers

Auf einem Bildschirm kann man Spielszenen der Fußball-Weltmeisterschaft von 1930 bis 1938 verfolgen, in einem alten Radio sind über Kopfhörer Original-Interviews von Fritz Neußl und Reinhold Münzenberg zum Zeitgeschehen zu hören. Kurator der Ausstellung, die bis zum 4. März zu sehen ist, ist Andreas Düspohl, Leiter des Zeitungsmuseums. Er hat die Organisatoren aus Reihen der Fan IG genauso unterstützt wie Aachens Archivdirektor Dr. René Rohrkamp.

Der ist bekennender Alemannia-Fan, was bei der wissenschaftlichen Ausarbeitung der Ausstellungskonzeption wichtig war: „Das Thema wäre wohl nicht so zu bearbeiten gewesen“, erklärte er gestern, „wenn wir nicht auch Alemannia-Anhänger wären.“ Denn die Quellenlage sei zunächst sehr dürftig gewesen, es gab nur wenige Chroniken, die durch die Vereinsbrille geschrieben gewesen seien.

So sei es dem früheren Alemannia-Archivar Willi Sieprath zu verdanken, dass man weitere Fakten habe zusammenstellen können. Dies wird René Rohrkamp am Freitagabend gewiss alles darstellen, wenn er den Eröffnungsvortrag hält. Ab 18 Uhr ist dazu auch die Öffentlichkeit ins IZM an der Pontstraße eingeladen.