Aachen: Ausstellung: Wie der Erste Weltkrieg auch in Aachen wütete

Aachen : Ausstellung: Wie der Erste Weltkrieg auch in Aachen wütete

Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) war nicht nur ein historisch bedeutsames Ereignis, er hatte auch massive Auswirkung auf alle Menschen, die direkt oder indirekt an ihm beteiligt waren. Genau hier liegt der Fokus der Ausstellung „Lebensläufe — Aachen im Ersten Weltkrieg“, die von der Volkshochschule Aachen anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsendes organisiert wurde.

Inhaltlich geht die Dokumentation weg von den militärischen Ereignissen und berichtet stattdessen von den Folgen des Massensterbens für die Aachener Stadtgesellschaft.

Das Projekt basiert auf einem früheren Ansatz von Professor Dr. Christoph A. Rass aus der Abteilung Neueste Geschichte des Historischen Seminars der Universität Osnabrück. In Zusammenarbeit mit Studenten er eine Datenbank mit insgesamt 3000 Lebensläufen von gefallenen deutschen Soldaten, die er der VHS zur Verfügung stellte.

„Wir haben uns bemüht, möglichst Männer auszuwählen, die repräsentativ für verschiedene soziale Gruppen in der Aachener Bevölkerung stehen können“, erklärt Yvonne Hugot-Zgodda. Gemeinsam mit ihren VHS-Kollegen Stephanie Kaiser, Jens Rütten und Dr. Holger A. Dux hat sie die Datenbank nach geeigneten Lebensläufen durchsucht. Bereits 2014 konnte die Anzahl dann auf 25 Männer begrenzt werden. Alle fielen als deutsche Soldaten und waren zu diesem Zeitpunkt wohnhaft in Aachen beziehungsweise im belgischen Grenzgebiet, das zur damaligen Zeit noch zu Aachen gehörte.

Die Ausstellungstafeln informieren über Familienstand, Beruf und Dienstgrad der Soldaten. Hinzu kommen Aufnahmen von Häusern, die damals oder auch heute noch an den jeweiligen Heimatadressen standen oder stehen, und verschiedenen Dokumente wie Totenzettel, Verlustlisten oder Postkarten.

Die Lebensläufe decken ein weites Altersspektrum ab. Die jüngsten Gefallenen wurden gerade einmal 18 Jahre alt, wie zum Beispiel der Abiturient Hermann Erckens. Der Ingenieur Hugo Bartels hingegen meldete sich noch mit 64 Jahren freiwillig und wurde als Oberleutnant und Führer einer Munitionskolonie in der Schlacht getötet. Hubert Wollgarten wurde 33 Jahre alt, er hatte vor Kriegsausbruch für Alemannia Aachen gespielt. „Durch den Einzug unzähliger Männer litten viele Aachener Sportvereine unter Mitgliedermangel“, erklärt Dux. „Außerdem fehlte es natürlich an vielen Stellen an ausgebildeten Arbeitern.“

Die Ausstellung ist vom 19. Februar bis zum 3. März im Forum der VHS kostenlos zugänglich. Schulklassen können nach Anmeldung eine Begleitung und Karten mit Leitfragen zum Thema erhalten. Darüber hinaus bietet die VHS am 10. März einen thematisch passenden Rundgang durch die Stadt an, der mit einem Besuch der Ausstellung endet. Am 8. Juli folgt eine Führung über den Ehrenfriedhof an der Monschauer Straße, auf dem zahlreiche Kriegsopfer begraben liegen.

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