Aachen: Ausstellung „Spaced Memory“ als Teil der „Jüdischen Kulturtage“

Aachen: Ausstellung „Spaced Memory“ als Teil der „Jüdischen Kulturtage“

Zwei Stunden lang steht Elana Katz im Eingangsbereich eines Gebäudes mit jüdischer Geschichte in Kosovos Hauptstadt Prishtina. Jeden Besucher begrüßt sie mit einem Händedruck, nachdem sie ihre Hand in weißen Puder getaucht hat. So hinterlässt jeder Besucher weitere Abdrücke, es entsteht eine visuelle Mappe der Berührung.

Diese Performance aus dem Jahr 2014 ist Teil der Ausstellung „Spaced Memory“ der jüdischen Künstlerin Elana Katz, die ab Freitag in der Produzentengalerie Kunstwechsel an der Wilhelmstraße 26 für Besucher geöffnet ist. Das Projekt bildet eine Aachener Schwerpunktveranstaltung der „Jüdischen Kulturtage“.

Die in Berlin lebende Konzeptkünstlerin reist seit 2011 durch Osteuropa, um dort vergessene Orte zur jüdischen Geschichte aufzuspüren. Durch den Holocaust und den Kommunismus in den 1980er Jahren sind in Osteuropa viele Synagogen und jüdische Friedhöfe zerstört worden. Verschiedene Beamerprojektionen zeigen kurze Videos dieser Orte, die nun eine neue Aufgabe erhalten haben. So befinden sich dort heutzutage beispielsweise ein Spielplatz, ein Finanzamt oder ein Hotel. In Serbien wurde ein ehemaliger Friedhof in zwei Gebiete aufgeteilt. Ein Teil dient den lokalen Roma mit Hilfe zementierter Grabsteine als Unterkunft, der andere Teil wurde einer jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Zudem werden die kurzen Videosequenzen als Bild für die verfließende Zeit sowie absichtlich zerstörte Erinnerungen verwendet. Die jüdische New Yorkerin wird neben der Ausstellung eine neue Performance in der Galerie Kunstwechsel kreieren. In dieser thematisiert sie am 1. März mit Hilfe eines Glasstapels Zerbrechlichkeit, kulturelle Assimilation und ihre eigene Aachener Familiengeschichte.

Das Medium Glas spielt auch in der Ausstellung, die bis zum 10. März geöffnet ist, eine große Rolle. Die Besucher werden über einen Glaspfad durch den Raum zu den einzelnen Beamerprojektionen und Bildern geführt. Für die Künstlerin zeigt dieser Pfad den Gang auf rohen Eiern, den viele Menschen betreiben, wenn sie Juden in Deutschland begegnen. „Das zerbrechliche Glas symbolisiert die Fragilität der Erinnerung und spiegelt auch die Vorsicht der Bevölkerung im Umgang mit der jüdischen Geschichte wieder“, erklärt Susanne Güntner, die Koordinatorin der Jüdischen Kulturtage, die Wahl des Materials. Sie hat die Künstlerin, die sie als interessant, jung und couragiert beschreibt, nach Aachen eingeladen und betreut ihr Projekt in der Kaiserstadt seit einem Jahr. Unterstützt werden die beiden Frauen vom Kuratoren Prof. Wolfgang Becker, der die Produzentengalerie Kunstwechsel leitet.

Der Name „Spaced Memory“ des Multi-Media-Projekts kann als verräumlichte Erinnerung übersetzt werden. Für Katz beinhaltet der Titel ihre Erinnerung an jüdische Geschichte, die sie erlernt und nicht selbst erlebt hat und die damit verbundene Distanz. „Die Erinnerungskultur enthält unglaublich viel Zerbrechlichkeit“, sagt Becker und fügt hinzu, dass besonders in Deutschland viele die Taten des Holocausts absichtlich aus der Erinnerung entfernen.

Auf Wunsch von Elana Katz kommt ihre Großtante Miriam Doron zusammen mit 40 Mitgliedern der Familie Levano, der 2012 bereits Stolpersteine in Aachen gewidmet wurden, von Israel nach Aachen. In der jüdischen Gemeinde werden die Verwandten am 2. März gemeinsam aus ihrem Leben berichten.

Mehr von Aachener Zeitung